382 Der nürnberger Kassendiebstahl.
Mehrzahl, geſtorben; als Verbrecherin ward ſie begra⸗ ben. In aller Stille trugen die in Rürnberg beſtehen⸗
den, ſogenannten Schauhausträger die Leiche hinaus und
ſenkten ſie in die Erde. Sie hatte gefunden, wonach ſie ſo begehrte, die Ruhe, den Frieden!
Doch zurück zu den Lebenden; noch athmeten drei Opfer; noch war über ihr Schickſal nicht geſprochen; noch war Alles zu fürchten für ſie und ſo wenig zu hoffen. Am Todestage der Mannert zeigte Conſulent
Faulwetter dem Unterſuchungsgerichte einen Einbruch in
ſeinem Gartenhauſe an. Wegen der iſolirten Lage des⸗ ſelben bearbeitete er in der Regel hier ſeine amtlichen und von Parteien ihm übertragenen Geſchäfte. Von den Fenſtern dieſes Gartenhauſes waren nämlich am
frühen Morgen zwei offen und der eine Thürflügel ge⸗
waltſam erbrochen, ſeltſamerweiſe aber fand man von den im Pavillon befindlichen Gegenſtänden nicht das Mindeſte entwendet. Dagegen war in dem Bureau des Conſulenten das Tintenfaß umgeſtürzt, alle auf dem Arbeitstiſche befindlichen Papiere durchwühlt, einige zer⸗ riſſen, andere von ihrer Stelle, an welcher ſie gelegen, weggerückt. Man brachte dieſen Vorfall mit dem Ster⸗ benk ſchen Kaſſendiebſtahl inſofern in Verbindung, als Faulwetter mehre Referate in unſerer Unterſuchung be⸗ arbeitet, die Unterſuchungsacten ſchon einige mal in ſei⸗ nem Bureau hatte, dieſes bekannt geworden ſein mußte und nur ein bisjetzt noch unentdeckt gebliebener Mit⸗ ſchuldiger der Ingquiſiten Intereſſe finden konnte, in ein Gartenhaus einzudringen, dort ein Tintenfaß umzu⸗ ſtürzen, damit die beſchriebenen Papiere unleſerlich wür⸗ den, dieſe ſelbſt aber zu durchwühlen, und vielleicht Actenſtücke zu entwenden, an deren Beſeitigung ihm oder ſeinen Verbrechensgefährten Vieles liegen konnte.


