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William Prynn.
gegen die Ueberwundenen übte, als die Barbarei der al⸗ ten Zeit. In dieſer ward der Gegner vernichtet, oft mit Qualen, aber es war der bluterzogene Naturdrang der Rache, der kein höheres Geſetz kannte als das der Selbſt⸗ erhaltung. Eingehüllt in den religiöſen Wahn, nur für die Kirche und ihre unantaſtbaren Wahrheiten, für den Thron, die Ordnung, Sitte und Recht zu handeln, hat ſich die Privatrache laſtender und dauernder, darum grauſamer, offenbart. Das Geſetz, was die Liebe athmet, verbot ſeinen Executoren jene Barbarei blutdürſtiger Ver⸗ nichtungsluſt, aber die Folterungswolluſt konnte es in der beſtialiſchen Natur nicht niederdrücken. Gerade in den ſogenannten Reſtaurations- und Reactionsperioden hat ſie ſich in einer Weiſe hervorgethan, die, vom Na⸗ men Gottes auf den Lippen überquellend, von nichts ferner iſt als göttlichem Weſen. Sie ſchwang nicht das Fleiſchermeſſer der Septembriſirer, noch erſäufte und fu⸗ ſilirte ſie in Maſſen wie die Helden der Bartholomäus⸗ nacht, der Noyaden und Mitrailladen von Lyon und Nantes; aber, unverſöhnlich auch nach dem Vergeſſenen ſpürend, verfolgt ſie wie die Bluthunde die unſchäd⸗ lichen, zitternden Opfer bis in ihre letzten Schlupf⸗ winkel, ſie zieht mit der Kneifzange den verborgenen Nerv aus dem Fleiſche, und, an der Schmerzzuckung ihrer Opfer ſich weidend, triumphirt ſie über das Gott wohlgefällige Werk im Herzen, und vor den Menſchen, weil ſie das Geſetz an einem Zipfel dabei feſthält.
In dieſem Fall befand ſich Karl I. in den erſten dreißiger Jahren des 17. Jahrhunderts. Er hatte mit Spanien und Frankreich Friede geſchloſſen, um ſeines Parlamentes enthoben zu ſein, das ihm die Gelder zu dieſem Kriege verweigerte. Er hatte arge Demüthigun⸗


