Candidat Rüsau.
So mordete im Heiligthume Der Menſchheit nie ein Böſewicht; Griff nach dem höchſten Eigenthume Ein ſchändlich feiler Räuber nicht. Die Mordluſt ihm ins Herz gebrannt Hat ihm die Hölle zugeſandt.
Entweder hatte die Volksmeinung vom Tage der That bis zu dem der Hinrichtung ſich geändert, oder ſie klagte ihn auf der einen Seite als religiöſen Schwär⸗ mer, auf der andern als Atheiſten an. Ein Schrift⸗ ſteller der gebildeten Claſſe, der ihn von dem Tode ret⸗ ten will, indem er ihm eine tiefe in Wahnſinn überge⸗ gangene Schwermuth beilegt, gibt übrigens in charakte⸗ riſtiſcher Weiſe den Gegnern Waffen in die Hand, ein⸗ räumend, daß die Präſumtion nicht für den Wahnſinn ſtreite, weil der Wahnſinn und die Schwärmerei, Gott⸗ lob, in Hamburg nicht ſehr einheimiſch ſind.
Aber der Aberglaube, wenn er es iſt, doch. Rüſau's Haus ſtand lange verlaſſen. Auch nachdem es andere Eigenthümer und Bewohner erhalten, betrachtete man es mit ſtillem Grauen. Die Geſchäftsleute, die ſich darin niedergelaſſen, machten kein Glück, viele fallirten. Es war der Fluch der That, der an dem Gebäude haftete. Endlich entſchloß ſich ein Käufer es ganz niederzureißen. Dies geſchah noch vor dem Brande, und damit ſchien der Unhold, der die Beſitzer unglücklich machte, von der Stelle verſchwunden.
Druck von F. A. Brockhaus in Leipzig.
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