424 Candidat Küsau.
dieſer großen Stadt, hatte er ſich nach nichts umgeſehen, was zu dieſem Geſchäft gehört.„Eine Elle feines Zeug, für welches er den Preis von 13 Mark beſtimmte, gab er ſpäter für 4 Mark weg, und beklagte ſich nach⸗ her bei der Käuferin, daß ihm ſein Compagnon bittere Vorwürfe darüber gemacht.“ Begreiflich, daß Kunſt einem ſolchen Compagnon nicht viele Aufmerkſamkeit er⸗ wies. Wenn im Laden verkauft wurde, litt er nicht, daß Rüſau das Geringſte anfaßte, weil er die vorge⸗ legten Waaren nie wieder ordentlich wegräumte.„Ich weiß nicht“, pflegte er zu ſagen,„warum der Menſch ſich mit Dingen abgibt, die er nicht verſteht, und wozu er nicht geſchickt iſt.“ So ſoll Kunſt Rüſau mehrmals aus dem Laden gewieſen, und dieſer jedesmal betrübt, geſenkten Hauptes, davongeſchlichen ſein. Misverhältniſſe, die bei Rüſau's verſchloſſenem Weſen zu immer neuen Misverſtändniſſen ſich ſteigern mußten, gekränktes Selbſtgefühl und eingebildete Nahrungsſorgen wirkten noch mehr zur Verſtimmung.„Es fehlte auch nicht an Leuten“, heißt es ferner,„welche mehre Gründe zu dieſen Misverhältniſſen angaben. So ſagt man, ſei Rüſau ſtets und vorzüglich in letzter Zeit in ſich gekehrt und ſtumm erſchienen, während ſein Handelsgeſellſchafter mit der Hausfrau und den Kindern geſcherzt und ſie mit witzigen Einfällen, woran es ihm nie fehlen ſoll, unter⸗ halten habe. Doch wagt man es nicht, Rüſau einer Eiferſucht zu beſchuldigen, die indeß bei ihm, nach ſeiner Denkungsart wol ſtattgefunden haben könnte. Man hält es für ſehr merkwürdig, daß Rüſau während ſeiner Gefangenſchaft ſich nie nach ſeinem Compagnon erkun⸗ digt, ihn nie zu ſprechen verlangt; und für noch merk⸗ würdiger, daß Kunſt nie ein Verlangen getragen, ſeinen unglücklichen Freund zu ſehen und zu ſprechen, da er


