Zeitschriftenband 
19 (1852)
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2 Gräfin Somerset und ihr Gatte.

Das Pferd war aber zu muthig, es warf den ſchönen Reiter ab und Robert brach ein Bein.

Gerade dieſer Umſtand wirkte indeß günſtiger als die Berechnung. Der Sturz war vor Jakob's Augen geſchehen, und Robert Kerr war darum nicht weniger ſchön und jung. Der König ließ ihn in eines ſeiner Zimmer ſchaffen, verbinden, beſuchte ihn gleich nach dem Turnier, wiederholte ſeine Beſuche und Robert Kerr ward der Minion des Monarchen. Eben ſeine Einfalt und Unwiſſenheit, verbunden mit ſo viel äußerer Anmuth, machten ihn ſeinem Gönner theuer.

König Jakob, der wunderliche Pedant, liebte es,

ſeine Günſtlinge ſich ſelbſt zu bilden; ſie ſollten aus

dem Quell ſeiner Gnade und Vollkommenheit Alles empfangen, Kenntniſſe und Erfahrung, Verſtand und Gefühl. Im Vollgefühl ſeines eigenen ſouverainen Ver⸗ ſtandes ſchmeichelte er ſich, dieſen rohen jungen Burſchen in kurzem ſo zu inſtruiren, daß er ein kluger Miniſter werden könne und eingeweiht in alle die Geheimniſſe der Staatskunſt, auf welche er einen ſo großen Werth legte. Darin ſteht der wunderliche Jakob freilich nicht allein da unter den Monarchen, deren die Geſchichte er⸗ wähnt.

Er liebte dieſe, ſeine Lieblinge, die er ſich zuzog, ſogar mehr als ſeine eigenen Kinder. Von einem andern Verhältniß, auf das man argwöhnen könnte, wirft we⸗ nigſtens die Geſchichte keine Winke hin. Ja, daß er Ro⸗ bert ſo außerordentlich unwiſſend fand, vermehrte noch die Liebe für ihn. Man ſagt, daß Jakob, als er ihn in den erſten Elementargründen der lateiniſchen Sprache zurück ſah, den Scepter eine Weile bei Seite gelegt und die Birkenruthe des Schulmeiſters in die Hand genom⸗ men habe, um ihm die Grammatik beizubringen. Robert

den