Zeitschriftenband 
17 (1851)
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466 Eine Stimme aus dem Zuchthause

ſein, damit er gleichſam bei der Einlieferung einen jeden durchs Herz ſchaute u. ſ. w. Im Gefängniß müſte Niemand herein, ſei er wer er wolle, das heißt, nicht hörbar, als die Beamte des Ge⸗ fängniſſes und der Geiſtliche. Im Gefängniſſe müſte ſolch eine Stille herrſchen, als ſei alles ausgeſtorben, es müſte der Gefangner glauben, das im Gefängniß Tag und Nacht gleich wäre. Die Aufſeher muſten auf den Füßen ſo bekleidet ſein, daß, wenn ſie gingen oder ſchloſſen, nicht zu hören wären. Wenn nun der Menſch in ſolch einem Gefängniß eingeliefert wurde, müſte ihm von den Oberbeamten ſogleich von dem Selbigen bekannt gemacht werden, wie er ſich zu verhalten habe, vorzüglich, Stumm iſt die Haupt⸗ ſumma im Gefängniſſe. Der Menſch, wenn er ſich an Weltliche, ſo wie an Göttliche Geſetze verſündig hat, Iſt zu vergleichen mit einem Kinde, welches kein Spielzeug hat. Das Kind will gern ſpielen. Der Menſch will ſich dann, ſo er ſich an Gottes Gebot verfündigt hat, gerne durch Zeitvertreib oder durch allerlei unnütze Unterhaltungen die reuege Stimme des Gewiſſens verſcheuchen. Jetzt findet er aber ſolches, in ſolch einem Gefängniß wie ich jetzt beſchrieben habe nicht. Was nun thun, ſpricht ſolch eine Seele, wenn er ſich in der Einſamkeit allein befindet? Gott oder die Welt die Ehre geben? Setzt blickt der einſame Gefangene um. Er lauſcht, er horcht, er klopft, er ruft, er will durch das Fenſter blicken, daß geht auch nicht, Alles ſcheint nun mit ihm ein Ende zu haben, jetzt muſt du Wahnſinnig werden oder ſterben, ſpricht dann ſolch ein Menſch, was nun machen? Nun bleibt nathürlich nichts übrig, Einen muß er nun die Ehre geben, entweder Gott oder die Welt. Daß er aber die Welt nicht die Ehre geben kann, dafür ſind nun folgende Dinge. In jeder Zelle müſte eine Lebens⸗ beſchreibung ſich befinden und ein Chriſtliches Geſetz⸗- oder Er⸗ bauungsbuch. Jetzt würden die Bücher dem Gefangnen ins Auge fallen, aus Neugier, um zu ſehen, was ſich darinn befände, würde er hin und her darin blättern, ſo lange bis er an eine Stelle einen Geſchmack fand. Die Religions⸗Bücher ſind für einen ge⸗ fallenen Menſchen ſehr ſchwer leſen. er findet darinnen keinen Troſt, ſondern harte Vorwürffen und Drohungen. Da ſolches nun der Fall iſt, ſo ſindet er einen Vorſchmack an Lebens⸗Beſchreibun⸗ gen, die ihm ſehr angenehm und lieblich ſein. Die Lebens⸗Be⸗ ſchreibungen müſten nun aber von ſolch einer Art ſein, als das Seinige. Hier rinnen würde er ſich nun ganz abſpiegeln und nach