24 Lord Lovat und die Rebellen von Culloden.
undſiebenzigjähriger Greiſe, wie ich bin, der ich noch dazu allen Gebrauch meiner Hände und Füße bereits verloren, wol nimmermehr vorſtellen ſollte. Ihr könig⸗ licher Herr Vater, mein allergnädigſter Herr, war im Jahre 1715, im Vergleich mit uns, noch ſehr jung, als ich Demſelben eine Fürbitte für den Lord Macintoſh knieend zu überreichen und ſeinen Schutz für denſelben zu erbitten, die Ehre hatte. Ihre Majeſtät geſtanden ſelbigen zu und gaben die Begnadigung Dero Kammer⸗ herrn, Earl Cathcart, mit Befehl, ſie in meine eigenen Hände zu liefern, damit ich ſolche gedachtem Lord zu⸗ ſtellen könne. Es iſt dieſes unter ſo vielen Zeichen der Güte nur eines, womit Se. Majeſtät*), während der Ab⸗ weſenheit des Königs in Hannover, mich zu begnadigen beliebt haben, und ich zweifle nicht, daß das Blut, wel⸗ ches in den Adern Ew. königlichen Hoheit wallt, ebenſo großmüthig und mitleidig ſei.“
Natürlich half dieſer Brief nichts. Man kannte ihn zu gut, man brauchte ihn nicht mehr, man erinnerte ſich, was er der Regierung gekoſtet und freute ſich endlich ſeine Rache an dieſem gefährlichen Feinde abküh⸗ len zu können. Der Herzog von Cumberland, wenn auch einſt als Kind von dem alten Manne geſchaukelt, hatte doch nichts weniger als kindliche Empfindungen aus dieſem Feldzuge mitgebracht.
Am 9. März 1747 begannen vor dem Hauſe der Lords in Weſtminſterhall die Verhandlungen, unter dem Vorſitz des Lordkanzlers Hardwick. Am erſten Tage ſtrengte Lovat ſich an gegen einen Hauptzeugen zu proteſtiren, weil er ſein Vaſall ſei. Nach langen Debatten erklärte
*) Hier iſt der 1745 regierende König Georg II., Vater des Herzogs von Cumberland, Großvater Georg's III., Sohn des 1715 regierenden Königs Georg's 1. gemeint.


