16
Lord Lovat und die Kebellen von Culloden.
Formen des Rechtes hielt, war es ſeiner Schlauheit und Zähheit möglich, dieſes vielfach verwirkte Leben noch um Jahre ſich zu retten, und er legte ſein Haupt erſt als ein Greis von 80 und mehren Jahren auf den Block.
Simon Fraſer Lord Lovat war einer der merkwür⸗ digſten Männer ſeines Jahrhunderts. In den ſiebziger Jahren des vorangegangenen geboren, und frei von allen philoſophiſchen und myſtiſchen Tendenzen des Jahrhun⸗ derts, welches er bis in ſeine Mitte erlebte, war er ein Mann von der raffinirteſten Klugheit, die aber nichts weniger als echte Weisheit war, und, alle edleren Re⸗ gungen des Menſchenherzens von ſich fern haltend, war er ein vollendeter, grober Egoiſt.„Mit dem 18. Jahr⸗ hundert“, ſagt ein neuerer Schriftſteller,„hatte er die ſinn⸗ liche Luſt, die ironiſche Weltverachtung, den Proteſt gegen die älteren moraliſchen Bindemittel und die nackte Selbſtſucht gemein, ſtellte dies alles aber in der eiſer⸗ nen Kraft einer früheren Zeit und in der beſonderen Schärfe des ſchottiſchen Charakters dar.“
Von ſeiner verwegenen Kühnheit, die an eine weit frühere rohe Zeit mahnt, zeugt folgende Geſchichte aus ſeinem früheren Leben. Im Jahre 1693, noch nicht 30 Jahre alt, hatte er ſich um die Erbin von Lovat beworben. Sie war aber ſchon mit dem Sohne Lord Salton's verſprochen. Simon Fraſer rückte mit einigen ſeiner Anhänger vor das Haus des Lords, ließ einen Galgen vor der Thür aufrichten und ſchwor, er wolle Vater und Sohn daran aufhängen, wenn ſie nicht allen ihren Anſprüchen an die Erbin entſagten.
Er ſiegte durch den Schrecken; ſogar der Heiraths⸗ contract ward zerriſſen. Simon Fraſer verſuchte nun, ſich in den Beſitz der jungen Dame zu ſetzen, aber ihre Mutter, eine Witwe, hatte ſie gut verſteckt. Er mußte


