Zeitschriftenband 
15 (1850)
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Constantin Weise.

war, ſchlich der junge Herr ſich in das Schlafgemach der Frau und verließ daſſelbe gewöhnlich erſt früh Mor⸗ gens. Das geſchah jede Woche zwei, auch drei Mal. Selbſt in Gegenwart des Herrn Commiſſionsraths war⸗ fen ſie ſich verſtohlene Kußhände zu, und über Tiſche hafteten ihre brennenden Blicke oft aufeinander.

Am 14. Trinitatisſonntage(20. Sept. 1835) lauſchte ich Abends gegen 10 Uhr an der Thüre, welche zur Schlafſtube der jungen Frau führt. Ich hörte leiſe ſprechen, erkannte aber doch die Stimme des jungen Herrn und der Frau. Das Zwiegeſpräch drehte ſich, wie ich hörte, um ihre leidenſchaftliche Liebe und darum, daß es anders werden müſſe, daß ſie ſich des Alten ent⸗ ledigen und dann mit dem väterlichen Vermögen in einem fremden Lande niederlaſſen müßten. Mir ſtiegen die Haare zu Berge!

Zwei Tage ſpäter war Geſellſchaft bei dem Herrn Rath Wagner; der Herr Commiſſionsrath Weiſe und die junge Frau gingen auch hin. Während dieſer Ab⸗ weſenheit war der junge Herr ſehr ängſtlich; er ging von einem Zimmer in das andere! Als es Abends 10 Uhr geſchlagen hatte, befahl er mir, dem Vater ſein Glas Zuckerwaſſer an das Bett zu ſtellen; ich that es auch ſogleich und ſah dann, daß der junge Herr ſich noch mit dem Glaſe beſchäftigte. Er hob es einige Mal in die Höhe, rüttelte die Flüſſigkeit einige Mal um und ging dann wieder ängſtlich auf und ab. Endlich kam der Herr Commiſſionsrath und die junge Frau; der junge Herr gab ihr einen bedeutenden Wink, der auch auf das Glas mitfiel; ich hätte aber eher des Himmels Einfall befürchtet, als daß der junge Herr etwas Böſes in das Glas gebracht hätte! Der Herr Commiſſionsrath entkleidete ſich, trank das Waſſer, wie er gewohnt war,