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Aber ſie kannte, liebte, achtete ihren Bruder. Sein Brief beruhigte ſie, ſie drängte mit Gewalt alle böſen Gedan⸗ ken zurück und war genug Herrin ihrer ſelbſt geweſen, Niemanden etwas von ihrem Verdacht mitzutheilen, auch ihrem Manne nicht.
Am 10. November ließ ſich das Stubenmädchen ihres Vaters bei ihr melden. Julie Brenner bat um eine ganz geheime Unterredung. In einem abgelegenen Zim⸗ mer fiel ſie vor der jungen Frau auf die Knie, und bat ſie um Gottes willen ihr zu vergeben, daß ſie ihr erſt jetzt Thaten entdecke, vor denen die Menſchheit ſchaudere. Adelaide bebte an allen Gliedern. Was ſie hören mußte, ſollte ſie noch tiefer erſchüttern. Die Ausſage der Brenner, nachdem ſie zu ſich gekommen, lautete:
Als der junge Herr Weiſe gegen 1834 von ſeinen Reiſen zurückgekehrt war, merkte ich gar bald, daß dem jungen Herrn die Stiefmutter nicht gleichgültig war. Er ſuchte, ſo oft es nur irgend möglich war, in ihrer Nähe zu ſein; er ſagte ihr Worte, wie nur eine heftige Liebe ſie eingeben kann, und leider nahm ich auch bald wahr, daß die junge Frau ſolche Reden gut aufnahm. Gegen Pfingſten verreiſte der Herr Commiſſionsrath Weiſe auf einige Tage, und während dieſer Zeit ſah ich den jungen Herrn faſt ſtets in dem Zimmer der jungen Frau. Am dritten Pfingſtfeiertage früh trat ich in ihr Zimmer und traf Beide auf dem Canapee in fleiſchlicher Umarmung. Der junge Herr ſprang auf und fuhr ganz erboſt auf mich zu, allein die junge Frau, nachdem ſie ihr Kleid etwas in Ordnung gebracht hatte, nahm mich bei Seite, gebot mir Schweigen und gab mir zwei Ducaten. Seitdem haben ſich Beide vor mir nicht mehr geſcheut. Wenn der Herr Commiſſionsrath zu Bette gegangen


