14 Der Leuenmord in Uzern.
mals wurden die Armen, Junge und Alte, Zahme und Boshafte, wöchentlich aus einem Verpflegungsorte in den andern getrieben; höchſtens zehn Tage blieben ſie bei einem Bauer, die Jungen wurden zum Vagantenwe⸗ ſen förmlich erzogen. Er bewog ſeine Gemeinde, das Bad Ibenmoos anzukaufen, und gab, außer ſeiner Steuer, zur erſten Einrichtung 2400 Fl. Der einzuführenden Drdnung nahm er ſich ſelbſt an und ſeiner Energie und ſeinem liberalen Weſen gelang es, nach und nach die Va⸗ ganten zu derſelben zu bewegen. Jede Woche war er, bis zu ſeinem Ende, wenigſtens einmal in der Anſtalt, die ein„Denkmal ſeiner Großmuth, Klugheit und Liebe bleibt“.— Er beobachtete, kannte alle bedeutende Män⸗ ner des Landes, traute aber keinem, von deſſen Religiv⸗ ſität er nicht überzeugt zu ſein glaubte. Liſt, Schmei⸗ chelei, Proſelytenmacherei waren ihm fremd, er machte kein Geheimniß aus Dem, was er beabſichtigte. Jeder⸗ mann wußte, woran er mit ihm ſei. Spott konnte ihm nichts anhaben; Lob ihn nicht erfreuen(2). Immer heiter und getroſt, glaubten die Seinen, ſie hätten ihn allein, er lebe nur für ſie, während ſeine Gedanken raſt⸗ los mit dem Gemeinwohl ſich beſchäftigten. Auf die zahlloſen Drohbriefe: daß man ihn erdolchen, erſchießen, ſein Haus verbrennen wolle, achtete er nicht.„Was ich thue, iſt meine Pflicht, ich thue es nicht für mich, ſon⸗ dern für Vaterland und Kirche; zudem ſtehe ich in Gottes Hand, er iſt ſtärker als die Macht meiner Feinde.“ Er hat in jeder Nacht ſeines Lebens ruhig geſchlafen.
So wird Joſeph Leu von den Wortführern ſeiner Partei geſchildert; nach ſeinem Tode erhoben ſie ihn faſt zu einem Heiligen. Die Ausſtellung ſeiner Leiche unter allem möglichen Kirchenprunk ſollte dem Todten eine Be⸗
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