Jahrgang 
1857
Seite
686
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Chriſtian Rauch.

Von Guſtav Raſch.

In den Vormittagsſtunden des ſiebenten Decembers fand in den Sälen des Lagerhauſes eine hehre Leichenfeier ſtatt die Leichenfeier Chriſtian Rauchs, den man mit Recht den Phidias Preußens nennen kann. Kerzenlicht erleuchtete die mit ſchwarzen Draperien bedeckten Wände, die Modelle der berühmteſten Werke des dahingeſchiedenen Meiſters bildeten zugleich einen Kunſttempel um ſeine Todtenhalle, in dem mittlern Saal erhob ſich auf ſilbernen Füßen der Sarg, mit grünen Palmenzweigen und Lorbeerkronen bedeckt, von den auf hohen Kandelabern brennenden Kerzen umſtrahlt, am Hauptende die Genien der Liebe und des Glaubens, die ſanften Geſtalten der Knaben, welche der Meiſter geſchaffen,

verhallt waren, ſetzte ſich der Trauerzug in Bewegung. Dem Zuge voran ſchritten zwei Marſchälle, zwiſchen ihnen trug ein Freund des verſtorbenen Meiſters auf einem Kiſſen deſſen zahlreiche Orden. Vor dem Sarge gingen die älteſten Schüler Rauchs, an ihrer Spitze der Bildhauer Hagen und der Profeſſor Kiß, neben dem Sarge acht Leichenmarſchälle, Schüler Rauchs und Mitglieder der Akademie, Palmen und Lorbeerkränze in den Händen. Zu Fuß folgten dann die Bildhauer und Künſtler, Schüler, Freunde und Bekannte Rauchs, ſtädtiſche Behörden, Mitglieder der Univerſität, und eine unabſehbare Reihe von Wagen, die königliche Equi⸗ page voran. So bewegte ſich der Zug durch die Königs⸗

Chriſtian Rauch

über ihnen ſeine Bildſäule der Hoffnung, zu jeder Seite eine ſeiner beiden Victorien, dicht über ſeinem Haupte die von Rietſchel ſo vortrefflich gearbeitete Büſte. Die Schüler und Freunde des Verſtorbenen, Kiß, Drake, Bläſer, Hagen, der greiſe Alexander von Humboldt, der Prinz von Preußen, die Prinzen Adalbert und Georg, Miniſter, Generale um⸗ ſtanden den Sarg, die weiten Räume des Ateliers konnten nur einen geringen Theil der Zuſtrömenden faſſen, unter denen alle Kreiſe der Geſellſchaft und des geiſtigen Lebens Berlins vertreten waren. Die Töne des Liedes:Was Gott thut, das iſt wohlgethan, von den Sängern des Domchors geſungen, eröffneten die Feier, dann ſprach der Prediger Jonas die Trauerrede, und nachdem die Klänge von Men⸗ delsſohn's ſchönem Liede:Es iſt beſtimmt in Gottes Rath

ſtraße über die Kurfürſtenbrücke an Schlüters Meiſterwerk vorüber, über die Schloßbrücke nach den Linden zwiſchen den Statuen hindurch, welche des Todten Meiſterhand geſchaffen hatte. Scharnhorſt, Bülow, Blücher, York, Gneiſenau und der große König von ſeinem hohen Roße ſchauten hier auf den todten Meiſter herab, der ihre Geſtalten in Erz und Marmor verewigte. Auf dem dorotheenſtädtiſchen Fried⸗ hofe, wo Schinkel, Beuth und Schadow ruhen, empfing die ChoralJeſus meine Zuverſicht den Sarg. Als er in der Gruft geſenkt war, ſprach ein naher Freund des Verewig⸗ ten, der General von Webern, ergreifende Worte zu Ehren des Geſchiedenen.Möge, ſchloß er,es dem Vaterlande nie an Männern fehlen, wie die, deren Ruhm er in Erz und Marmor verewigt hat, aber auch nie an einem Manne, der