Götterbilder, Sperber, coloſſale Köpfe, weibliche ſitzende Figuren und Grabdenkmäler. Steht man in der Mitte dieſes offenen Säulenhofes oder unter der vordern offenen Säulenhalle und blickt in das düſtere Hypoſtyl hinein, ſo macht das Ganze einen wunderbar ſchönen großartigen Ein⸗ druck. Die bunten Säulen mit ihren Hieroglyphen und Bildern, die Landſchaften und die Darſtellungen der antiken Monumente zwiſchen den Säulen, die rieſigen Königscoloſſe, die coloſſalen Widder mit den vergoldeten Hörnern, die düſtern Räume des Hypoſtyls, die rieſige Statue im Hintergrunde, der eigenthümliche Bauſtyl des Vorhofes bilden ein ſo nationales und großartiges Ganze, daß man wie durch einen Zauberſchlag ſich nach Aegypten in einen der Vorhöfe der Tempel von Karnak oder Memphis verſetzt glaubt. In der Architektur und in der maleriſchen Orna⸗ mentik iſt der Vorhof des ägyptiſchen Tempels unſtreitig der gelungenſte Theil des neuen Muſeum, ſowie die in den Gräberſälen und in dem hiſtoriſchen Saal aufgeſtellte Samm⸗ lung ägyptiſcher Alterthümer die bedeutendſte iſt, welche exiſtirt.
Treten wir nun ein in die Gräberſäle. Ich nenne ſie ſo, weil in beiden Sarkophage, Särge und Mumien auf⸗ geſtellt ſind, Denkmäler, welche mit der Sprache von vier⸗ tauſend Jahren zu uns reden, uud die größtentheils Paſſa⸗ lacqua und Lepſius aus den Gräbern Aegyptens hierherge⸗ ſchafft haben. Wir erblicken hier drei Gräber. Sie ſtanden einſt in der libyſchen Wüſte, in der Nähe der Pyramide von Giſeh, und bilden wohl die älteſten Denkmäler menſchlicher Kunſt, welche auf der Erde exiſtiren. Blutsverwandte und Räthe der alten ägyptiſchen Könige fanden darin ihre Ruhe⸗ ſtätte. Die Hieroglyphen auf den Wänden der Grabkapellen bekunden es. Die Eingänge ſind eng und tief, in der Mitte erblickt man die Eingänge zu zwei Seitenkammern. Außer mit Hieroglyphen ſind die Wände mit den Abbildungen der Todtenopfer bedeckt, welche die alten Aegypter den Manen ihrer Verſtorbenen darzubringen pflegten, bei denen Alles, was der Todte an tlebenden Thieren beſaß, an ihm vorüber geführt wurde. Die Todten wurden übrigens nicht in die Grabkapellen ſelbſt hingeſtellt, ſondern unter denſelben be⸗ fanden ſich tiefe Schachte, in welche ſie in Särgen von Granit, Porphyr oder Sykomorenholz eingeſenkt wurden. Ein der⸗ artiger Sarkophag von Kalkſtein, mit Hieroglyphen bedeckt, der mindeſtens 4000 Jahre alt iſt, iſt zwiſchen den Gräbern aufgeſtellt. Die Mumien und eine Reihe der verſchiedenſten Sartopy hage befinden ſich in dem zweiten großen Gräberſaal, deſſen Decke und Wände mit Gemälden aus der ägyptiſchen Mythologie, mit Abbildungen der ägyptiſchen Hausgötter und mit Scenen aus dem Todtencultus geſchmückt ſind. Da ſtehen große Sarkophage aus Granit und Sykomoren⸗ holz, Särge aus Porphyr und Kalkſtein, alle mit Hiero⸗ glyphenſchrift bedeckt, ein Sarkophag in Mumienform ge⸗ ſchnitzt, ein anderer mit Basreliefs, ein dritter aus Holz, eine Iſis mit untergeſchlagenen Flügeln darſtellend, da⸗ zwiſchen eine Reihe von Mumien, theis in ihren Särgen ruhend, theils in Glaskiſten aufgeſtellt. Die Einbalſami⸗ rungsmethode war bei den Aegyptern eine verſchiedene. Entweder die Körper blieben unverſehrt oder ſie wurden durch einen Einſchnitt in die Seite geöffnet, und die innern Theile aus dem Bauche herausgenommen. Dieſelben wur⸗ den dann gereinigt, beſonders einbalſamirt und ſo wieder in den Körper hineingeſchoben, oder wohleingehüllt in hölzerne Kaſten oder ſteinerne Töpfe gelegt. Dieſe Töpfe nannte man Kanopen, deren Deckel mit den Köpfen der Todtengenien ge⸗
ziert waren. Zur Einbalſamirung verwandte man Asphalt,
Natrum, Bitumen und andere mehr oder minder koſtbare balſamiſche Subſtanzen. Oft betrug der Preis der Ein⸗ balſamirung 1000 bis 1800 Thlr. Die Inſtrumente, mit denen die Leiber geöffnet waren, wurden neben den Mumien in die Sarkophage gelegt und außerdem ihnen eine Menge Amulette, von denen jedes ſeine beſtimmte Bedeutung hatte,
mitgegeben. Auf die Bruſt wurde ein geflügelter Käfer ge⸗ ſteckt, ein Nilmeſſer, ein Lotosſtengel, eine Kopfſtütze und
jene Papyrusrollen, welche an den Wänden des Hypoſtyls aufgeſtellt ſind, wurden daneben gelegt. Außerdem war es Sitte, den Geſtorbenen die Gegenſtände mit in das Grab zu geben, welche ihnen im Leben angenehm geweſen waren, oder welche als Werkzeuge ihres Unterhalts oder ihrer Be⸗ ſchäftigung gedient hatten. Dem Maler gab man ſeine Palette mit ins Grab— die ſchöne Palette der ägyptiſchen Sammlung im neuen Muſeum fand Paſſalacqua in einem Sarge in einer Thebaniſchen Katakombe— dem Schreiber ſein Schreibzeug, dem Fiſcher ſein Netz, dem Krieger und dem Jäger ihre Waffen, den Frauen ihren Schmuck, dem Spielmann ſein Inſtrument. Den frommen Verſtorbenen wand man einen friſchen Kranz um das Haupt oder auch eine Krone von edlen Metallen.„Dieſer friſche Kranz,“ heißt es in jenem Todtenbuche, deſſen Blätter an den Wänden
des Hypoſtyls aufgeſtellt ſind,„ſoll um des Todten Haupt
gewunden werden; denn er iſt gerechtfertigt gefunden worden gegen ſeine Feinde im Leben und im Tode.“ Der Kranz war eine Gabe des Gottes Amun. Die Mumie, im Sarge ruhend, wurde auf ein ſchlittenförmiges Geſtell geſetzt und ihr nun, vor ihrer Einſenkung in das Grab, die gewöhn⸗ lichen Todtenopfer gebracht. Alles lebende und todte Be⸗ ſitzthum, was dem Verſtorbenen im Leben angehört, wurde nochmals„zu ſeiner Herzensfreude“ vor ihm vorübergeführt, die üblichen Klagefrauen und betenden Prieſter umgaben den Sarg, von Sängern wurde das erſte Kapitel des Todten⸗ buchs— eine Verherrlichung des Gottes Oſiris— geſun⸗ gen.„Sei gnädig mir,“ heißt es darin,„du Sonne beider Horizonte, du Schöpfer, der ſich ſelbſt erſchaffen. Ich bin zu dir gekommen, um bei dir zu weilen, um täglich deine Scheibe anzuſchauen. Verſtoße mich nicht, ſchließe mich nicht aus.“ In den von den Prieſtern geſprochenen Gebeten wurde der Wunſch ausgedrückt, daß weder Krokodile, noch Schlangen, noch anderes Gewürm die Mumiie zerſtören mögen, damit der Menſch nicht zum zweiten Male ſterbe im Grabe. Die Aegypter glaubten nämlich, daß mit der euhlerhoilenen Mumie auch das Wohlſein oder die Exiſtenz der Seele im auſauamonvangt ſtehe, und dieſe Lehre der ägyptiſchen Religion war der eigentliche Grund der Sitte der Einbalſamirung. Wir finden deshalb auf den Grab⸗ denkmälern oft die Formel:„Es lebt dene Seele, es iſt wohl
deine Mumie, dein Schatten bleibt in der Unterwelt.“
Nach den religiöſen Vorſtellungen der Aegypter folgte nach dem Tode auf dieſer Erde ein unterirdiſches Gericht. Die Seele wird durch die unverſchleierte Göttin der Wahr⸗ heit und Gerechtigkeit in den Gerichtsſaal geführt, um dort von ihren Handlungen auf Erden Rechenſchaft abzulegen. Vor dem Thore zur Unterwelt, welches durch ein weibliches Nilpferd mit aufgeſperrtem Rachen bewacht wird, wird dort auf einer Wage das Herz des Verſtorbenen gewogen. In der einen Schale der Wage liegt das Herz, in der andern die ſymboliſche Feder der Wahrheit. Der ſperberköpfige Gott Horus und der ſchakalköpfige Gott Anubis ſtehen da⸗ neben als Diener des Gerichts, und Tot, der irisköpfige Erfinder der Schrift und dlen Schriftweisheit, zeichnet das Reſultat für Oſiris auf einer Rolle auf. Dann begleiten


