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Durch alle Buchhandlungen und Poſtämter für 12 ½ Ngr. vierteljährlich zu beziehen.
Inhalt: Der Clubb der alten Herrn. Humoreske von K. L.— Die Mennoniten an der Molotſchna in Süd⸗Rußland.— Berliner Skizzen. Von Guſtav Raſch. IV. Der ägyptiſche Tempel und die Gräberſäle im neuen Muſeum.— Dr. Barth's Reiſen in Afrika. Dritter Band.— Das Gothaiſche geſchichtliche Jahrbuch.— Aus dem Weltleben.— Was beliebt: Ein plattdeutſcher Volkskalender.— Ein Engländer bei Nena Sahib.— Die Amazonengarde in Heiderabad.
Der Clubb der alten Herrn.
Humoreske von K. L.
Während auf dem großen Kampfplatze des Lebens täglich neue Regimenter friſcher Kräfte aufmarſchiren und nach den mannigfaltigen Zielen des Beſitzes und Ehrgeizes ſtürmen, ſehen wir zu gleicher Zeit ſo manches gelichtete Bataillon von Veteranen aus der Schlachtordnung des Lebens treten, die Waffen ſtrecken und mit mehr oder weniger Beute und Befriedigung ein Plätzchen der Ruhe für den Reſt der alten Tage ſuchen. Dieſe Veteranen des Lebens, ob ſie der Waffengattung eines und desſelben Standes angehörten, ein und dasſelbe Abzeichen des Ehr⸗ geizes und Glückes trugen oder nicht, pflegen gewöhnlich, wie es alten, mehr oder weniger mitgenommenen Kriegern ziemt, in den Tagen der Altersmuße einander näher zu rücken als in den Tagen des allgemeinen Kampfes, und wir können den penſionirten Beamten und Officier, den zur Ruhe geſetzten Kaufmann, Profeſſor und Börſenſpe⸗ kulanten unter Einem Dache, zwiſchen denſelben vier Wänden beiſammen finden, um auf das Harmloſeſte unter einander zu verkehren; iſt ja ihre gemeinſame Looſung jetzt nur noch: in Frieden und Freude zu genießen, was ſie haben und das jüngere Geſchlecht für ſich und die Zu⸗ kunft ſorgen zu laſſen!
Solche Clubbs alter Herren ſind namentlich in großen Städten nicht ſelten und wenige Spaziergänger, die unter dem Wirthshausſchilde eines grimmigen Löwen oder der drei Wilden oder einer wahnſinnigen Bratwurſt vorüber⸗ eilen, denken an ein höchſt gemüthliches, im Sommer
kühles, im Winter wohlig warmes Hinterſtübchen im Hof, wo ſich trotz des ſchreckhaften Wirthshauszeichens allabend⸗ lich eine Anzahl alter behaglicher Herrn verſammelt, um jede Sorge zu vergeſſen und die zugemeſſenen Stunden
ſo heiter als möglich hinzubringen.
Der ſchauerliche Wirthshausſchild„zum blauen Löwenwürger“ in der Kühlengrundgaſſe der Hauptſtadt konnte einem Vorübergehenden ſchwerlich auch die Meinung beibringen, daß unter ſeinem mörderiſchen Zeichen ſich allabendlich eine Anzahl Veteranen des Lebens verſam⸗ meln, um ohne Säbel, Rechenbuch und Crayon friedlich ihr Glas zu trinken, und unter Scherzen und Lachen ihre langrohrige Pfeife zu rauchen; und dennoch war es ſo.
Jeden Abend, Winter und Sommer, ſowie die Glocke ſieben ſchlug, machten ſich zehn Stück munterer Greiſe auf den Weg, um je nach Temperament und Pedalkraft nach der Kühlengrundgaſſe zu eilen und unter dem blut⸗ rünſtigen Löwenwürger wegſchlüpfend den Hinterhof zu erreichen, wo eine ſchmale Holztreppe zu einer Galerie des erſten Stockes und von da nach einem völlig abgeſon⸗ derten geräumigen und höchſt behaglich eingerichteten Kneipzimmer, dem liebgewordenen Verſammlungsorte, führte.—
Den Reigen eröffnete pünktlich wie die Uhr des aſtro⸗ nomiſchen Thurms jeden Abend die hohe hagere Geſtalt des alten Kanzleiraths Hemmböck, der dem Löwenwürger am nächſten wohnte und auf allgemeinen Wunſch in den
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