Die Liebe zur ſchönen Kunſt umwob Der erkennenden Freunde Gemüther, Und die ſchaffende Phantaſie erhob Das kleinſte der Erdengüter.
Nur Frauenbegeiſterung zog und trug Ins freundliche Land ihn der Sachſen, Wo er im gewaltigen Sternenflug Zum Dichtertitanen erwachſen.
Licht glänzt Minna, Dorothea Stock Gleich Engeln, die niederſchweben Wetteifernd in des Dichters Gelock
Den ſchönſten Lorber zu weben:
Zwei Perlen, die einen Demant blank In ſchmeichelndem Stolz umglühen, Zwei Roſen, die eine Ceder ſchlank In keuſcher Anmuth umblühen.
Scjiler und Kärner.
Der dem Dichter vertrauteſte und am nächſten ſtehende Freund, und von weſentlichſtem Einfluß auf ſeinen Lebens⸗ gang wie auf ſeine innere Entwickelung war Chriſtian Gott⸗ fried Körner, Appellationsgerichtsrath in Dresden, ſpäter in Berlin, wo er 1831 ſtarb, der Vater des Helden und Sängers Theodor Körner, der 1813 im Kampfe für die Be⸗ freiung Deutſchlands fiel. Das Verhältniß begann im Jahre
1784 und dauerte ununterbrochen und in ungetrübter In⸗
nigkeit bis zu Schillers Tode: noch am Todestag Schillers ſchrieb Körner La letzten Brief an ihn, der ihn nicht mehr unter den Lebenden traf. Körner war der Bräutigam und ſpätere Gatte einer der zwei Schweſtern, die das vorſtehende Gedicht verherrlicht: er ſchrieb von Leipzig den Brief an den ihm unbekannten Schiller, dem die Bildniſſe der zwei Schweſtern, Körners und des ſpäter bekannt gewordenen Schriftſtellers Huber, ſowie eine von Körners Braut gear⸗ beitete Brieftaſche beilagen. Dieſer Brief, anfangs nicht be⸗ antwortet, wurde doch ſpäter die Brücke zu Schillers Ueber⸗ ſiedlung von Mannheim nach Leipzig und Drecden, an wel⸗ chen beiden Orten er im Genuſſe der Freundſchaft ein Paar glückliche Jahre zubrachte. Schon die Entfernung aus drückenden Verhältniſſen in Mannheim war eine Wohlthat für die weitere Entwicklung Schillers; Körner, ein ziemlich wohlhabender Mann, wußte aber auch auf die zartſinnigſte Weiſe alle e Nahrungsſorgen von dem Freunde während dieſes Aufenthalts fern zu halten. Schiller lebte zuerſt i in Gohlis bei Leipzig, dann in Körner's Weinbeighaus in Loſchwitz bei Dresden. Aber auch als er, in der Hoffnung auf eine An⸗ ſtellung, 1785 nach Weimar ging, blieben die Freunde im engſten ſchriftlichen Berkehr, im regſten Austauſch der Ge⸗ danken. Rörne hatte eine hohe Meinung von Schillers Productionskraft und ſpornte ihn fortwährend zu neuen Schöpfungen an. Schiller fühlte indeſſen wohl, daß ihm die Geſchmachädüidund ebenſowohl als poſitive Kenntniſſe noch fehlten, und er warf ſich, eigentlich im Widerſpruch mit Körner, auf das Studium der Geſchichte, von welchem man jetzt doch wohl ſagen muß, daß es ihm keineswegs bloß die Jenaiſche ſchaffung ſeiner dramatiſchen Meiſterwerke doch erſt möglich
Profeſſur eintrug, eatenn auch die ſpätere Er⸗ b
machte, obwohl es zunächſt äußerliche pekuniäre Rückſichten geweſen ſein mögen, welche vorzugsweiſe auf dieſes Studium hinleiteten. Gleichwohl iſt es als ein großes Verdienſt Körners zu betrachten, daß er Schiller immer wieder auf ſeinen wahren Beruf, auf die Poeſie zurückzuführen bemüht
war. Körner hatte vor Schiller die Kenntniß der realen Verhältniſſe, ſowohl der politiſchen wie eigentliche Men⸗
ſchenkenntniß voraus, aber in ſeltener Vereinigung da⸗ mit beſaß er eine Hingebung und aufopfernde Freundſchaft, die etwas faſt romantiſches und in unſern Tagen unglaub⸗ liches hat. Er war entſchiedener Patriot, mit der in jener Zeit ſehr begreiflichen preußiſchen Färbung. Daß ſein Sohn ſofort ſich der Befreiung des Vaterlandes widmete, als der Kampf gegen den fremden Eroberer ausbrach, erklärt ſich unter ſolchen Umſtänden leicht. Es charakteriſirt aber den Mann, daß zu einer Zeit, wo man in Deutſchland ſehr geneigt war, die franzöſiſche Revolution in Bauſch und Bogen zu verdammen, nicht vom politiſchen, oder gar vom nationalen Standpunkt aus, ſondern blos wegen der Greuel des Deſpotismus, Körner ſich das Urtheil darüber frei erhielt. Schiller hatte ihn aufgefordert,„die Cromwell ſche Revo⸗ lution“ zu ſchreiben, da es intereſſant ſei, gerade jetzt ein geſundes Glaubensbekenntniß über Revolution abzulegen, welches ſchlechterdings zum Vortheil der Nepautionafeinde ausfallen müſſe. Darauf erwiderte Körner unter dem 12. Nov. 1792 abſchläglich: der Stoff gefalle ihm nicht.
„Ihn als ein warnendes Beiſpiel zu behandeln, ſagte er, iſt ein geiſtloſes Geſchäft. Und wird er mit Begeiſterung für die Größe, die er enthält, bearbeitet, ſo iſt er für die jetzigen Zeiten bedenklich. Das Feuer, welches jetzt brennt, ehre ich als das Werk einer höheren Hand und erwarte ruhig den Erfolg. Ich mag weder Oel noch Waſſer hineingießen. Was ich über dieſe Begebenheit denke, darf ich nicht ſchreiben, und was ich ſchreiben darf, mag ich nicht denken.“— Körner, deſſen Freundſchaft für Schiller bis über's Grab reichte, hat das erſte Lebensbild von Schiller zuſammengeſtellt, und der
nach ſeinemn Tode veröffentlichte Briefwechſel Beider iſ die
wichtigſte Quelle für Schillers äußeres und inneres und für ſeine ganze Zeit.
Leben
Schiller und Goethe.
Es hat eine Zeit gegeben, in welcher zu den ſtehenden Unterhaltungsgegenſtänden des gebildeten Deutſchland die Frage gehörte, ob Schiller oder Goethe der größere Dichter ſei. Sehr lebhaft wurde für beide Anſichten geſtritten. Glücklich erweiſe hat man ſich heute ſo ziemlich dahin geeinigt, daß jeder in ſeiner Art einzig, und daß beide, wie ſie im
Leben durch die neidloſeſte Freundſchaft und die Gemeinſchaft des höchſten Strebens verbunden waren, fo als ſich gegen⸗ ſeitig ergänzende Repräſentanten der höchſten Schöpfungs⸗ kraft nach ver ſchiedenen Richtungen hin der Stoͤlz Deutſchlands ſeien. In dieſem Sinn hat Deutſchland erſt in dieſem Jahre noch ihr Andenken in Weimar gefeiert, wo eine Bildergruppe


