Jahrgang 
1857
Seite
528
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Honoratioren, einige Landbeamten, Apotheker und Förſter beſchränkt.

Eine glänzende Verlobungsfeier eröffnete bald eine Reihe vergnügter Tage in Gold⸗-Grubers Hauſe, wo man keine Koſten ſcheute, den oft in Begleitung guter

Freunde kommenden Bräutigam reichlich zu bewirthen

und überhaupt die Ehre einer ſo vornehmen Verbindung den Leuten unter die Augen zu halten. Bei ſolchen Ge⸗

legenheiten fehlt es ſelten auch an Schmeichlern und

Neugierigen und die Vrone ſah es gerne, wenn nach Ent⸗ fernung des Bräutigams ſich ein Kreis genuß⸗ und lob⸗ ſüchtiger Dorfbewohner ſammelte, die von den Feſtlich⸗ keiten der Hochzeit und von den Herrlichkeiten ihrer künf⸗

tigen Haushaltung zu ſprechen nicht müde wurden. Im

vollen Putz und mit verſchränkten Armen ging ſie dann in der Stube auf und ab und zog wohl manchmal, wenn ihr eine Bemerkung nicht ganz gefiel, ſpöttelnd einen ſchiefen Mund, während ſie als Zeichen, daß ein Lobſpruch recht gelungen ſei, beim Umdrehen am Fenſter mit einem Fuß vergnüglich ſchlenkerte.

Die luſtige Brautſchaft und die bevorſtehende Hoch⸗ zeit der Vrone Gruber waren neu und wichtig genug, um auch außerhalb des Gruberhofes die Leute lebhaft zu beſchäftigen; und ſo kam es auch, daß eines Tages die

alte Walpurg bei ihrem Beſuche des Gefangenen dieſe

Neuigkeiten ebenfalls zum Beſten gab.Es iſt gut, daß die Vrone endlich an den Mann kommt, ſagte ſie zum Schluſſe,das Mädel iſt nicht ausgebacken für die Stadt, und doch für's Land auch ſchon zu ſtark verwöhnt; nimmt ſie jetzt den Conterlor, ſo hat ſie was von Beiden: ſie lebt auf dem Lande und hat ihren Stadtherrn, der ſie weiſen kann!... Was iſt Dir aber, Ambros?

Dieſe Frage that ſie, weil ſie eben ſah, daß Ambros während ihrer Rede ſich mehr und mehr über das Tiſch⸗ chen vor ihm neigte, den Kopf in beide Hände legte und

jetzt einige Male ſo beklommen athmete, als ringe ſeine

Bruſt in ſchwerem Krampfe.

Wos iſt Dir, Ambros? wiederholte die Walpurg noch beſorgter.Ich bitte Dich um Himmels willen, biſt Du krank?

Unter den großen Etabliſſements, welche der an Bedeu⸗ tung wie an Aufſchwung fortwährend wachſenden Eiſenin⸗ duſtrie in Deutſchland dienen, nimmt dieKönigin Marien⸗ hütte, welche auf der nebenſtehenden Abbildung wiederge⸗ geben iſt, eine der erſten Stellen ein. Dieſes große Eiſen⸗ hüttenwerk zu Cainsdorf, nach der verwittweten Königin

Marie von SachſenKönigin Marienhütte genannt, iſt

eine Stunde von Zwickau, eine halbe Stunde vom Schloß Planitz und bloß eine Viertelſtunde vom Dorfe Bockwa, nahe

an der Zwickau-Schneeberger Chauſſee gelegen, am linken Muldenufer, da wo das Cainsdorfer Seitenthal in das

Muldenthal einmündet. Die Lage in der Nähe von Zwickau, dicht an der Mulde und durch eigne Schienengleiſe mit der Staatseiſenbahn und dem Bahnhof Zwickau und zugleich mit der Zwickau⸗Schwarzenberger Staatsbahn verbunden, iſt eine im hohen Grade günſtige.

Das für den ſächſiſchen Eiſenſteinbergbau höchſt wichtige, im Jahre 1840 durch ein Actiencapital von 1000 Actien

Ein leiſes Schütteln des Kopfes, ein Zittern der

Schultern und zwei ſchwere Tropfen, welche zwiſchen

den Fingern des Burſchen niederfloſſen, war die ganze Antwort. Leider konnte die erſchrockene Baſe ihr For⸗ ſchen nach dem Kummer des Burſchen nicht beenden, da der Gefangenwärter näher trat und ſagte, die Zeit des heutigen Beſuches ſei zu Ende. Sie ging alſo unter flehentlichen Bitten: nur wieder ruhig zu ſein und nur ein Weilchen noch zu dulden, ſeine Sache müſſe bald zu Ende ſein und er wieder frei und froh nach Hauſe kehren!

Ambros hörte von all dem Troſte kaum ein Wort, ja er wußte nicht mehr, wer denn mit ihm ſpreche. Regungs⸗ los blieb er eine Weile an dem Tiſchchen ſitzen und als er ſich erhob, ſchien er ein ganz anderer Menſch zu ſein. Hochaufgerichtet, mit geballten Händen ſtand er da und ſtarrte zornglühend vor ſich hin.

Das iſt Alles, was ſie für mich leidet? rief er dann:Ich bin in Haft, bin angeklagt, ſeh' meine Ehre zeitlebens eingeſetzt laſſ' aber aller Gefahr den Lauf, weil ich ſie verſchone, ſie, die mir nachgeſtellt hat bei jeder Gelegenheit, mir fein und lieblich gethan, bis ich im Netz war! Jetzt, wo ſie mir zeigen ſoll, daß es ihr ernſt war mit den Winken, Küſſen, Schwüren, wo ſie mich vor Gott und Menſchen wieder zu Ehren bringen ſoll jetzt lebt ſie in Saus und Braus dahin, verläugnet mich, läßt mich in Schimpf und Noth und geht hin und nimmt einen Andern!

Ein unbeſchreiblicher Schmerz trat an die Stelle ſeines Zornes und ſo fuhr er fort:

Wenn mir das geſchieht wenn ich ſo betrogen bin, dann will ich nicht mehr leben! Sie ſollen mich zu Grunde richten, mir Sträflingskleider und Ketten an⸗

thun, ich will's dulden meinethalben, Gott wird mich er⸗ löſen!

Er warf ſich wieder Geſicht in ſeine Hände. verläßt mich rief er immer weicher und heiße Tropfen ollten über ſeine BackenIch dulde für ſie, und ſie V weiß es und ſie kann mich dennoch ſo verlaſſen!

(Fortſetzung folgt.)

auf den Stuhl und legte ſein Ich dulde ſo getreu und ſie

à 500 Thaler gegründete Etabliſſement war früher Eigen⸗ thum der ſächſiſchen Eiſencompagnie, welche im Jahre 1844 den Betrieb des Werkes pachtweiſe, mit der Bedingung des Ausbaues des Walzwerkes, eines Hohofens und des nördlichen Theils der Gießhütte, den Herren Gebrüdern von Arnim auf Schloß Planitz und auf dem Hauſe Kroſſen über⸗ ließ. Hauptzweck des ganzens Unternehmens war Roheiſen⸗ Production und Verfeinerung deſſelben mittelſt Steinkohlen aus dem Zwickauer Kohlenbaſſin.

Der Bau, anfänglich von ausländiſchen Ingenieurs ge⸗ leitet, geſtattete, daß am 24. Juni 1842 aus dem Arnimofen das erſte ſächſiſche Coaksroheiſen abgeſtochen wurde. Dies für die ſächſiſche Eiſeninduſtrie hochwichtige Ereigniß diente zum Beweis, daß aus erzgebirgiſchen Eiſenerzen mittelſt Zwickauer Coaks ein völlig brauchbares Roheiſen von vor⸗ züglicher Güte hergeſtellt wurde. Als Anerkennung dieſer Leiſtung wurde der Königin Marienhütte in Folge der Leip⸗ ziger Induſtrieausſtellung 1845 für die erſte Herſtellung