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der ſich um die Zeit der Brandlegung bei ihr befand,
dieſes Verbrechen wirklich begangen haben? Aber wie war er von der Anklage des Verbrechens los zu machen als durch ein freimüthiges Bekenntniß von Umſtänden, welches die Ehre des Mädchens öffentlich preisgeben und den Zorn der Eltern im höchſten Grade erregen mußte? Die Lage war ſchwierig und verzweiflungsvoll; ſie ſetzte auch der Vrone ſichtlich zu, bleich und mit geſenkten Blicken ſchlich ſie umher und wenn ſie über ihre Küm— merniß befragt wurde, ſagte ſie nur: der Schreck vom Brande her liege ihr noch in den Gliedern. Ob die Er⸗ ſchütterte daran dachte, für die Rettung des Burſchen auf alle Fälle thätig zu ſein, ſelbſt auf die Gefahr hin, ihre Ehre einzubüßen und von den Eltern mißhandelt zu
werden, iſt nicht mit Beſtimmtheit anzugeben; aber daß
die Vrone mit außerordentlicher Spannung erwartete,
was über die erſten Ausſagen des Gefangenen bekannt
werden würde, das ließ ſich ohne Schwierigkeit wahr⸗ nehmen; denn ſo oft der Name Ambros in ihrer Nähe genannt wurde, wechſelte ſie plötzlich die Farbe, nahm ihr Geſicht den Ausdruck der höchſten Aufmerkſamkeit an, und nicht eher wich ſie von der Stelle, als bis die Rede
wieder auf andere Dinge kam. gierde wurde aber Wochen lange hingehalten und erſt als
Dieſe fieberhafte Neu-
alle Perſonen des Dorfes, welche mit Ambros je in einiger
Beziehung geſtanden, verhört worden waren, vernahm man eines Tages: der Gefangene läugne hartnäckig jede
Schuld an dem Verbrechen; er wolle nur zufällig, wie die
Burſchen ja allnächtlich pflegen, durch das Dorf gegangen ſein, wornach er ſich, um auszuruhen, in einem Neben⸗ bau des Gruberhofes, wo Stroh gelagert war, eine Weile hingeſtreckt; ſo ſei er gegen ſeinen Willen eingeſchlafen, und habe ſpäter durch das Kniſtern des Feuers und durch den Lärm geweckt, noch ganz ſchlaftrunken, die Flucht er⸗ griffen!
Eines Tages fragte der Richter ſeinen Angeklagten, ob er etwa eine der hübſchen Mägde des Gemeinderaths zu beſuchen pflegte und nun aus Zartgefühl verſchweige, daß er in der Nacht des Brandes von ihrer Kammer aus die Flucht ergriffen habe?
Ambros erſchrak bei dieſer Frage ſo, daß er eine Weile gar nichts ſagen konnte und dann, purpurroth bis hinter die Ohren, läugnete.
Der Unterſuchungsrichter hätte aus dieſer Verlegen⸗ heit wahrſcheinlich wahrgenommen, daß er auf einer neuen lohnenden Spur des Falles ſei, wenn er nicht ſchon aus vorhergegangenen Forſchungen gewußt hätte, daß der Angeklagte mit den bezüglichen Mädchen nie in näherer Beziehung geſtanden habe; ſo wurde denn in dieſer Rich⸗ tung nicht mehr weiter geforſcht und der Inquiſitor lenkte gerade vor der rechten Thüre wieder um, da es ihm un⸗ möglich dünkte, daß der Angeklagte mit der Tochter des Gemeinderaths ein Verhältniß haben könne, die ſo hoch hinaus zu ſtreben ſchien und ſchon als Braut dieſes oder jenes Landbeamten galt.
Für den Ambros fiel die Freude über die rechtzeitige Ablenkung von der richtigen Spur mit dem ſehr willkom⸗ menen Umſtande zuſammen, daß er endlich den Beſuch ſeiner Baſe Walpurg annehmen durfte. Das Glück des Wiederſehens war groß und die Walpurg brachte ihre erſte Zuſammenkunft faſt nur damit zu, dem Verhafteten Troſt einzuſprechen, und ihn ihrer feſten Ueberzeugung von ſeiner Unſchuld zu verſichern; Ambros erfuhr dabei zu ſeiner Freude auch, daß in der Gegend jetzt nur Eine Stimme herrſche, er könne den Brand unmöglich gelegt haben. „Drum ſei getroſt“ rief Walpurg ſchließlich:„duld' aus, Ambros, dein Leid iſt nur ein Wetterregen, deiner Ehre muß er fruchten!“ Wie gerne hätte Ambros den Namen Vrone auch einmal gehört und vernommen, was ſie denn
ſage, wie ſie ihr großes Leid um ihn ertrage? Aber jetzt
Dieſe Ausſage mochte vor Gericht und vor den Leuten
Glauben finden oder nicht— für die Vrone war ſie eine wahre Jubelbotſchaft, eine Erlöſung von dem Alp der
nächſten Sorgen. Ambros zeigte alſo, daß er ihrer beſten Liebe werth war, daß er ſich tapfer vor ſein Geheimniß
ſtellte und die Ehre der Geliebten nicht preisgab. Wie durch einen Zaubertrank geſtärkt, blühte von dieſem Tag
an die Vrone wieder auf, ihre Wangen hatten bald ihr Roth, die Augen ihr Feuer wieder und mit dem Behagen
des Herzens kam auch die Neigung von Neuem, ſich ſorg⸗ fältiger zu kleiden, ja zu putzen.
Ambros hatte alſo ſein Beſtes gethan, um auf ſeine
Gefahr hin die Ehre der Geliebten öffentlich zu ſchonen;— was aber wollte nun die Vrone thun, um ihrerſeits den wackern Burſchen von dem Verdacht und der Anklage eines Verbrechens zu retten?
IV.
und das folgende Mal ward ſeine fieberhafte Spannung nicht befriedigt, da er ſelbſt zu fragen zagte und die Wal⸗ purg höchſtens einmal ihren Zorn ausließ über Vrone's Vater, der auch was Beſſeres hätte thun können, als einen unſchuldigen Menſchen in's Unglück bringen.
Indeſſen war es gut, daß Ambros nicht erfuhr, was Vrone treibe; denn ſie betrug ſich nicht, wie ſich's ge⸗ ziemte.
Seitdem ihr die Nachricht über das ſtandhafte Ver⸗ halten des Gefangenen die nöthige Sicherheit gegeben, daß ihre Ehre nicht weiter in Mitleidenſchaft gezogen werde, war für ſie die Hauptſache des Prozeſſes entſchie⸗ den und das wichtigſte Intereſſe gefallen. Von nun an ſchien ſie nur daran zu denken, ſich für die ausgeſtandenen Schrecken zu entſchädigen und die beſtehenden Gefahren des Geliebten aus dem Sinn zu ſchlagen; wenigſtens ſah
ihr Betragen darnach aus, wenn man nicht annehmen
will, daß ſie ein ſorgloſes Leben zur Schau trug, um
jeden Schein von näherer Beziehung zu dem Gefangenen
Die Unterſuchung zog ſich in die Länge. Ambros blieb
bei ſeiner erſten Ausſage, die er trotz der Kreuz⸗ und Querfragen des Unterſuchungsrichters immer feſt im Auge
hielt und ſtets beinahe wörtlich wiederholte. Bei einiger Kenntniß des Dorflebens mußte dieſer Ausſage viel Wahr⸗
ſcheinlichkeit zugeſprochen werden und die Ruhe, ja Seelen⸗ heiterkeit des Burſchen während ſeiner Haft trug nicht wenig bei, den Richter ſelbſt mehr und mehr an deſſen Unſchuld glauben zu machen.
zu vermeiden. Vrone's Vater hatte glücklicher Weiſe ſeine Gebäude und Vorräthe verſichert gehabt, er konnte ohne Opfer den Brandſchaden erſetzen, und ſo darf es denn nicht wundern, wenn in Kurzem die„Luſtwägeleien“ nach Oberbolzheim und Schwehingen wieder begannen und Vrone fleißig beim Saal⸗ und Plantanz erſchien. Dies letztere Vergnügen blieb auch da noch an der Ord⸗ nung, als ſich plötzlich die Nachricht verbreitete, Vrone ſei endlich wirklich verlobt, und zwar mit dem Zollcon⸗
trollor aus Naheim; nur waren ihre Tänzer jetzt auf die


