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endlich vor den Bewaffneten ſtehend:„Da bin ich; ich kann euch nicht wehren; aber was hab' ich gethan?“
„Was Er gethan hat, wird ſich zeigen,“ erwiderte der Gendarm:„Jetzt kurz reſolvirt und mitgegangen! Was Er ſonſt braucht, wird Ihm nachgebracht werden.“
Es war als ſtünde erſt jetzt die ganze Schmach einer öffentlichen Verhaftung vor den Augen des Burſchen und die Hände ballend und dunkelroth im ganzen Geſichte trat er einen Schritt zurück und rief mit zuckenden Lippen:
„Ich geh' nicht mit, ich laß' mich nicht in Verhaft nehmen wie einen Dieb, ich will wiſſen was geſchehen iſt!“
Die Gendarmen fällten die Gewehre und traten dem Wüthenden näher.
„Will Er gebunden in's Loch marſchieren? Sollen wir Gewalt brauchen?“ rief der Bewarzte.
„Braucht was Ihr wollt,“ erwiderte Ambros unein⸗ geſchüchtert:„Ich laß' mich eher ſchießen und in Stücke
richt war da nicht mehr neu; der Baumbach hatte durch
hacken als wie einen Hund wegführen; ſagt erſt, was ich
gethan hab'?“
„Brandſtifter!“ ſchrie der Gendarm, bis hinter die Ohren kirſchbraun—„Er hat beim Gemeinderath Feuer gelegt, man hat Ihn echappiren ſeh'n, ſein Hut und Schuh ſind gefunden! Will Er mehr noch wiſſen? Vorwärts jetzt oder Er ſoll erfahren—“
Dieſe Drohung war jetzt nicht mehr nöthig; Ambros war von innen entwaffnet, die Arme ſanken, die Fäuſte löſten ſich und langſam erblaſſend widerſtand und wider ſprach er nicht mehr.
„Wer hat mich geſehen?“ fragte er nur mit ſchwacher Stimme, indem er ſich ruhig von den Gendarmen in die Mitte nehmen ließ.
„Ich bin Ihm nicht Red' und Antwort ſchuldig“ er widerte der Gendarm, ſich mit dem Gefangenen fofort in Bewegung ſetzend,„aber weil er vernünftig iſt und folgt, mag er wiſſen, daß Ihn der Gemeinderath ſelbſt geſehen hat.“
„Und er hat angezeigt, daß ich ihm den Brand in die Scheuer gelegt?“
„So iſt's und genug jetzt,“ ſagte der Gendarm, den Weg nach der Straße einſchlagend.
Ambros verlangte auch weiter nicht nach Unterredung, nur einen wehmüthig lächelnden Blick warf er noch dem Gruberhofe zu, wo vielleicht aus einem ſtillen Verſteck die Vrone ſeiner Verhaftung mit bittern Thränen und Schmerzen zuſah.„Sei ruhig,“ dachte er ſich getröſtend: „die Hauptſach' iſt gewonnen, dein Vater weiß nicht, daß ich bei Dir geweſen, ſo bleibt deine Ehr' in Ehren und Du weißt, daß ich nicht ſchuldig bin— das iſt mir Alles!“
Während Ambros auf ſeinem Leidensgange ſich ſo zu tröſten wußte, ſaßen die übrigen Arbeiter noch immer wie erſtarrt auf ihrer Lagerſtelle und konnten die Möglich keit des eben geſchehenen Vorfalls nicht begreifen.„Für den Ambros hätt' ich Seel und Seligkeit verſchworen,“
den Gemeinderath indeſſen ſelbſt erfahren, daß der Ambros verhaftet ſei und warum. Der Gruber hatte dieſen wirk⸗ lich in dem Augenblicke, da er durch den Feuerlärm er⸗ ſchreckt an's Fenſter eilte, zwiſchen der brennenden Scheuer und dem Haus entſpringen und einige Stücke ſeiner Kleidung, die er zuſammengerafft im Arme trug, verlie⸗ ren ſehn; als daher der Brand zum Glücke bald gelöſcht war, erzählte er dem Ortsvorſtande ſeinen bedeutſamen Argwohn und zeigte ihm die gefundenen Kleidungsſtücke, in Folge deſſen noch in der Nacht ein Bote an das Amt abging, um die Verhaftung des Burſchen einzuleiten... Das Aufſehen dieſes Vorfalls war groß und allge⸗ mein. Nur mit tiefem Schauder nahmen die Meiſten die erſte Nachricht von der Verhaftung hin, da ſich nothwen⸗ dig anfangs der Gedanke an die unergründliche und ge fährliche Tiefe auch des beſten Gemüthes regen mußte; aber dieſem erſten Eindruckenfolgten doch bald Zweifel um Zweifel, ob denn Ambros wirklich eine That begangen haben könne, die ihm zugeſchrieben wurde; und mit den aufſteigenden Zweifeln wuchs auch die Theilnahme für den ſtillen und allgemein geachteten Burſchen. Sebſt der Gemeinderath geſtand jetzt gerne, daß er den Ambros einer ſolchen Schandthat niemals fähig gehalten hätte und glaubte den Leuten die Thatſachen des Verdachtes, die freilich ziemlich ſprechend waren, zur Rechtfertigung
ſeines Verfahrens nicht oft genug vorhalten zu können.
Daß die alte Walpurg ihren Ambros vom erſten Augenblicke an nicht für ſchuldig hielt und ihn mit wachſen dem Nachdruck vertheidigte, war um ſo mehr begreiflich, als ſie den früh verwaiſten Knaben von Jugend auf in Pflege und Aufſicht gehabt und gerade ſeine tadelloſer Aufführung ſtets als ihren beſten Lohn nud Ruhm be⸗ trachtet hatte; ſie war daher vom erſten ſchmerzlichen Entſetzen über des Burſchen Verhaftung kaum zur Noth zu ſich gekommen, als ſie mit ſtolzen Schritten unter die Leute ging und raſtlos die Vertheidigung ihres braven Zöglings zu führen begann; auch die Schwelle des Orts⸗ vorſtands und des Gemeinderaths Gruber vermied ſie nicht und ſagte dieſen Männern Dinge, welche nur dem erbitterten Gram der Alten nachgeſehen werden konnten.
„Ja, ich ſage euch,“ rief ſie ſchließlich, ihre geballten Hände heftigüber dem Kopfe ſchwingend:„mit Gendarmen habt ihr meinen Ambros zum Ort'naus ſchaffen laſſen, mit Trompeten und Pauken ſollt ihr mir ihn wieder heimführen müſſen, ich will nicht ruhen, bis ich das erlebe!“
Nach dieſem erſten Rundgang durch das Dorf eilte ſie dann geſtärkt nach Hauſe, ſteckte all' ihr baares Geld zu ſich, packte Kleider, Wäſche und auch einiges Bettzeug
zuſammen und begab ſich ſo belaſtet auf den Weg zum
ſagte der Oberknecht endlich:„Iſt denn ſo was wirklich
möglich? Ich kanns nicht glauben, daß es der Ambros iſt, der da vor meinen Augen ergriffen und fortgeführt wird!“ Aehnliche Aeußerungen wurden auch bei den übri gen⸗Arbeitern laut und der Oberknecht ſagte aufſtehend zu einem Mädchen, das die Morgenſuppe gebracht hatte:
„Rickele, mach' und ſpring' zu deinem Vater heim und ſag' ihm, was geſchehen iſt!“
Das Mädchen, vor Schreck und Theilnahme weinend,
raffte Schüſſeln und Eßzeug in das große Tiſchtuch zu⸗ ſammen und eilte dann dem Dorfe zu. Aber ihre Nach
Amt, wo ſie ihrem lieben Gefangenen Bequemlichkeit ſchaffen und Troſt zuſprechen wollte. Leider wurde ihr eine Zuſammenkunft mit Ambros jetzt noch nicht geſtattet und ſie mußte bis auf etwas Wäſche und Kleidung ihre Laſt von Sachen wieder ganz nach Hauſe tragen; das ging ihr denn freilich ſo zu Herzen, daß ſie den langen Heimweg nichts als weinte und heftig mit ſich ſelber ſprach...
Den gewaltigſten Eindruck mußte die Verhaftung natürlich auf die Vrone Gruber machen. Sie ſah einen Burſchen der Brandſtiftung angeklagt, der mit ihr im vertrauteſten Verhältniſſe ſtand und deſſen Unſchuld gerade für ſie auf der Hand lag. Wie ſollte Ambros,
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