Der berühmte engliſche Geſchichtſchreiber Macaulay iſt der erſte Engländer, dem wiſſenſchaftliche und literariſche Lei⸗ ſtungen die Peerſchaft eingetragen haben. Er iſt zum Rang eines Baronets erhoben und in's Oberhaus befördert worden. Zwar iſt er noch ohne Grundbeſitz, aber er hat die Mittel ihn zu erwerben. Möglicherweiſe hat eine mehrjaͤhrige amtliche Stellung im oberſten Rath von Calcutta bei der britiſchen Regierung unter den augenblicklichen Verhältniſſen zur Ertheilung dieſer Aus⸗ zeichnung mitgewirkt, obwohl Macaulay's amtliche und ſpeciell indiſche Wirkſamkeit in England nicht gerade im höchſten Rufe ſteht. Seine Eſſays über Clive und Haſtings, die Schöpfer des indobritiſchen Reichs, ſind auch in Deutſchland bekannt genug. Dagegen mag hier bemerkt werden, daß bis vor ganz kurzer Zeit ein Eſſay Macaulay's über Friedrich II., welches dieſen König in einer von der gewöhnlichen Auffaſſung ſehr abweichenden Weiſe darſtellt und gerade dadurch das Intereſſe deuſcher Leſer vorzugsweiſe in Anſpruch nimmt, in Deutſchland völlig unbe⸗ kannt war. Es iſt daſſelbe vor Kurzem in einer deutſchen Ueberſetzung bei Ch. Gräger in Halle erſchienen.
Die letzten ſeit der deutſchen Bewegung verlaufenen Jahre haben manches treffliche deutſche Geſchichtswerk gebracht und namentlich der vaterländiſchen Geſchichte hat ſich der Geiſt mit Vorliebe zugewendet. Was aber bisher fehlte, war eine ge⸗ drängte überſichtliche und doch lebendige Darſtellung der deut⸗ ſchen Geſchichte für einen großen Leſerkreis, während bändereiche Geſchichtswerke, die ihrer Natur nach auf kleinere Kreiſe be⸗
111 as heliebt.
Pfarrers Merle d'Aubigné aus Genf zum Gegenſtand einer an⸗ klagenden und entſchuldigenden Debatte in der Verſammlung gemacht wurde. Die Ankläger äußerten, Bunſen habe eine Richtung zum Rationalismus und zum Romanismus. Das wenigſtens hat ſich der wirkliche preußiſche Geheimerath Bunſen gewiß nicht träumen laſſen, daß man ihn katholiſirender Ten⸗ denzen zeihen würde.
Nicht etwa bloß der Gourmandiſe, ſondern ebenſo der Heil⸗ kunde und der induſtriellen Technik wird das Eis tagtäglich ein
unentbehrlicheres Bedürfniß. Wie unzuverläſſig unſere Winter
ſchon jetzt den nöthigen Bedarf decken, bedarf kaum der Erwäh⸗ nung; je höher der Verbrauch ſteigt, deſto fühlbarer wird dieſe Unzuverläſſigkeit der natürlichen Production. Eis gehört aber vorläufig noch keineswegs unter diejenigen Producte, deren Ueberfluß in einem Lande den Mangel im andern auf bequeme Weiſe auszugleichen vermag, wenn man auch begonnen hat, daſſelbe in Amerika zu einem Exportartikel zu machen, wovon ganze Schiffsladungen nach den tropiſchen Ländern und ſelbſt nach Europa gehen. Der Eiserzeugung im Großen haben
ſich zugleich bislang noch bedeutende Schwierigkeiten in den Weg
ſchränkt bleiben, in großer Anzahl mehr begonnen, als ausge⸗
führt wurden. Eine vor Kurzem bei Guſtav Mayer in Leipzig erſchienene„deutſche Geſchichte für das deutſche Volk von Karl Auguſt Mayer Profeſſor in Mannheim“, von welcher der erſte von zwei Bänden vor uns liegt, ſcheint uns einem wirklichen Bedürfniß entgegenzukommen und wir glauben
daſſelbe mit gutem Gewiſſen unſern Leſern empfehlen zu können.
Der erſte Band umfaßt auf 470 Seiten den Zeitraum bis 1740
(dem Erlöſchen des habsburgſchen Mannsſtamms und der Thron⸗
beſteigung Friedrichs II.). Auf dieſem ſehr mäßigen Raum finden wir die Geſchichte Deutſchlands zwar gedrängt, aber nicht trocken,
vielmehr höchſt lebendig und anſprechend dargeſtellt. Eine voll⸗
ſtändige Bemeiſterung des Stoffes, der eine Unterſcheidung des
Weſentlichen vom Zufälligen und minder Bedeutenden überall
wohl gelingt, eine klare, gefällige, allgemein verſtändliche Dar⸗ ſtellung und ein warmes patriotiſches Gefühlmacht dieſe Geſchichte, deren zweiter und abſchließender Band im Anfang des nächſten Jahres erſcheinen ſoll, zu einem paſſenden Leſebuch für die wei— teſten Kreiſe.
In Berlin tagte in den letzten Wochen eine Verſammlung evangeliſcher Chriſten aus allen Ländern und von ver⸗ ſchiedenen Bekenntniſſen. Es iſt bekannt, daß die ſtrenge luthe⸗ riſche Partei in Preußen gegen dieſe Zuſammenkunft heftig proteſtirte und ſich ſelbſt von der Theilnahme ausſchloß, während der König von Preußen bei mehren Gelegenheiten dieſen Verſuch, in der Mannichfaltigkeit proteſtantiſcher Bekenntniſſe die Einheit herauszuſtellen, ſehr beifällig begrüßte und den Verſammlungen auch mehrmals anwohnte. Man kann nicht ſagen, daß bis heute
ein bemerkenswerthes Reſultat dieſer Verhandlungen heraus⸗
träte; doch wollen wir als für den Geiſt der Verſammlung cha⸗ rakteriſtiſch die Thatſache notiren, daß eine Umarmung des be⸗ kannten Autors der„Zeichen der Zeit“ Bunſen, der zu der
Verſammlung nach Berlin gekommen war, und des calviniſtiſchen
geſtellt. In einigen Städten Nordamerikas hat man nun neu⸗ erdings ſehr günſtige Reſultate mit einer neuen Erzeugungsart künſtlichen Eiſes erreicht, welche im Weſentlichen in Folgendem beſteht. Eine viereckige Ciſterne in der Erde wird zunächſt durch Ausfütterung ihrer mit Holz verſchalten Wände mit Steinkohlen⸗ ſchutt einigermaßen gegen die umgebende Erdtemperatur iſolirt. In dieſe Ciſterne werden flache blecherne Gefäße mit Waſſer ge⸗ ſtellt. Durch eine mit Dampfkraft getriebene Luftpumpe wird hierauf der Raum der Ciſterne möglichſt luftleer gemacht(der ſchwierigſte Theil der Operation) und auf gußeiſernen Rinnen, welche an den Wänden der Waſſergefäße hinlaufen, reiner Alkohol oder noch beſſer Aether eingeführt. Die raſche Ver⸗ dunſtung dieſes Stoffes im luftleeren Raume erniedrigt die Tem⸗ peratur der Ciſterne bis zu 9o R.— Das auf dieſe Weiſe her⸗ geſtellte Eis ſoll auf nur 15 Cent. pro Kilogramm, alſo auf circa 2 Kreuzer pro Pfund kommen, während natürliches Eis bekannt⸗ lich in der heißen Jahreszeit bedeutend theurer iſt.
Man wird in Deutſchland nicht ohne Ueberraſchung ver⸗ nehmen, daß der hier faſt vergeſſene und verſchollene Ronge in England ſehr zu Ehren zu kommen beginnt, freilich nicht als Religionsſtifter oder Prophet, ſondern als Gründer von Kinder⸗ gärten. Er und ſeine Gattin Bertha ſtehen einem Kinder⸗ garten in Kentiſh⸗Town, einer Vorſtadt Londons, vor, und die Engländer, die zwar ihrer jugendlichen Ariſtokratie eine vor⸗ treffliche Bildung und Erziehung zu geben wiſſen, die gewöhn⸗ liche Jugend aber faſt durchaus wild aufwachſen laſſen, ſind überraſcht durch die Ergebniſſe der freien und harmoniſchen Ent⸗ wicklung der natürlichen Fähigkeiten in dem Ronge'ſchen Kinder⸗ garten. Sie prophezeien dieſen Anſtalten eine große Zukunft in den Manufakturdiſtrikten, da der Kunſtſinn in denſelben früh⸗ zeitig in den Kindern geweckt wird. Auch befürworten ſie die Aufnahme einiger Principien dieſer Kindergärten in die übrigen Bildungsinſtitute.
Der durch ſeine Thätigkeit für Gründung von Handwerker⸗ aſſociationen und Volksbanken rühmlich bekannnte Herr Schulze⸗ Delitzſch, unſer geehrter Mitarbeiter, hat am 18. Sept. einen Beſuch in Gotha benutzt, um in einer Verſammlung des Ge⸗


