(15— 18 Sept.) und zwar in Augsburg, während in Wien der reichiſche, württembergiſche, ſächſiſche, hannoverſche ꝛc. Statiſtik
internationale Congreß ſeine Verſammlungen hält, zu welchem offizielle Deputirte mit feſten Mandaten geſendet ſind. Wo aber iſt in Deutſchland und für Deutſchland ein Centralpunkt, in welchem all die ſtatiſtiſchen Einzelheiten der Vielſtaaterei zu⸗ ſammenlaufen? Man fragt umſonſt. Jenen unermüdlichen Sammler, der ſein Vermögen für geſammtdeutſche Zwecke opfert, hat man ſchon vor Jahren aus Frankfurt gleichſam fort⸗ genöthigt, indem man ſeine Beſtrebungen ohne Unterſtützung ließ; und Oeſterreich nahm ihn mit offenen Armen auf, wo er allerdings ſein Wirken fortſetzt. Aber in anderen Richtungen, für ſpezifiſch öſterreichiſche Intereſſen. Dem Geſammtvaterland und der Oeffentlichkeit iſt es nahezu verloren. Kommt nun ein⸗ mal der Moment, wo es gilt, nicht blos eine preußiſche, öſter⸗
Je länger der Fall von Delhi, wo die indiſchen Meuterer ſich concentrirt haben, auf ſich warten läßt, um ſo beſſer hat die öffentliche Meinung in England Zeit ſich die ganze Bedeutung des Aufſtandes klar zu machen. Niemand in England zwei⸗ felt mehr daran, daß Rußland ſeine Hände dabei im Spiel ge⸗ habt. Der Same wurde noch während des ruſſiſch⸗weſtmächt⸗ lichen Krieges ausgeſtreut. Damals ſammelte ſich ein großes ruſſiſches Heer am caspiſchen Meere und an der perſiſchen Grenze. Man gedachte dieſes Heer mit den perſiſchen Truppen zu vereini⸗ gen, Afghaniſtan mit fortzureißen und Hindoſtan anzugreifen. Dann ſollten die indiſchen Regimenter ſich erheben. Zu dieſem Ende wurden Emiſſäre und Aufwiegler nach Hindoſtan geſandt, welche insbeſondere auf die Muhammedaner wirkten, mit dem entthronten König von Delhi, dem König von Audh und Andern Verbindungen anzettelten. Der Friede kam dazwiſchen und die Saat ging auf, ohne ſich an eine große politiſche Conjunktur an⸗ ſchließen zu können. In kurzer Zeit wird eine bedeutende euro⸗ päiſche Heeresmacht in Indien vereinigt, der Aufſtand gründlich niedergeworfen ſein. Wird England alsdann nicht weitere Maß⸗ regeln treffen um ſeine indiſchen Beſitzungen gegen die Umtriebe ſeiner Nachbarn und vor Allen Rußlands ſicher zu ſtellen? Viel⸗ leicht iſt man berechtigt dieß aus einer Stelle der Rede zu ſchließen, welche Lord Palmerſton am 20. Auguſt im Unterhauſe gehalten hat. Nachdem er erklärt, daß die Liniendampfer der britiſchen Flotte nicht zum Truppen⸗Transport verwendet werden können, weil es unklug wäre ſich zu Hauſe zu entblößen und Fälle ein⸗ treten könnten, in denen man ohne Verzug eine große Flotte in See ſtechen laſſen müßte und nachdem er auseinandergeſetzt, daß die öffentliche Stimme des Landes ſelbſt, der die Regierung ſich habe fügen müſſen, nach Beendigung des letzten Krieges eine ſo⸗
Eine despotiſche Regierung kann ſich in Friedenszeiten unzwei⸗ felhaft am beſten zum Kriege rüſten, denn ſie hat nur ihrem eigenen Willen und ihrem Urtheile zu folgen. Iſt dagegen der Krieg ein⸗ mal ausgebrochen, dann treten die Vortheile von Repräſentativ⸗ verfaſſungen in den Vordergrund, denn dann ſchaart ſich das ganze Volk um die Regierung und verleiht dieſer eine Kraft, die keiner despotiſchen Regierung durch was immer für Mittel je zu eigen werden kann.“ Dieſe Kraft wird die britiſche Regierung wohl diesmal umſomehr benutzen, als ſie in Aſien ſich nicht durch einen ſelbſtſüchtigen und eiferſüchtigen Alliirten gehemmt finden
als ſchätzbares Material verſtreut zu beſitzen, ſondern auf eine deutſche und ihre Geſammtreſultate zu fußen— dann muß die Arbeit von Neuem beginnen; und wenn ſie vollendet iſt, zeigt ſich der Moment zu ihrer praktiſchen Verwerthung verſtrichen. Sie kommt zu den Acten des Dresdener Congreſſes. Ein Lega⸗ tionsrath, Kölle hieß er, hat einmal, und zwar ſehr lange vor 1848, ein treffliches Buch von den„Anliegen des deutſchen Volkes“ geſchrieben, Das Buch iſt vergeſſen, hieß 1848 ſogar
reactionär und überholt, nur die Anliegen ſind geblieben und
gewachſen. Ein zweiter Kölle käme ſchwerlich mit Einem Bande aus. Damals ließ Anaſtaſius Grün das deutſche Volk beſcheiden fragen:„darf ich ſo frei ſein, frei zu ſein?“ Heut muß es fragen:
darf ich mich unterſtehen, ein Volk zu ſein?
Was beliebt.
wird, wie im Beginn des vorigen Jahres in Europa. Dann
werden die Würfel von Aſien fallen: Perſien und China werden
die Uebermacht Englands fühlen und man wird den ruſſiſchen Umtrieben in dieſen Staaten ein Ziel ſetzen. Bereits hat der
Verlag von Hugo Scheube in Gotha.— Verantwortl. Redacteur: Hugo Scheube in Gotha.— Druck von Gieſecke a Hevrient in Leipzig.
engliſche Premier⸗Miniſter eine außerordentliche Parlamentsbe⸗ rufung auf Spätherbſt oder Winter in Ausſicht geſtellt.
Die nun leider endlich beſtätigte Nachricht von der Ermor⸗ dung des kühnen und verdienſtvollen deutſchen Reiſenden Dr. Vogel hat in den gebildeten Kreiſen von ganz Europa tiefe Trauer erregt. Er wurde in Wara, der Hauptſtadt von Waday, wo er bereits im vorigen Jahr auf ſeiner afrikaniſchen Reiſe ein⸗ getroffen iſt, auf Befehl des dortigen Häuptlings enthauptet; angeblich zur Sühne für gewiſſe von der engliſchen Regierung weggenommene Waarenballen, in Wahrheit vielleicht als Opfer des Unwillens über die engliſchen Beſtrebungen zur Abſchaffung des Sklavenhandels. Ein andrer engliſcher Reiſender Maguire wurde von einem Haufen jener Tuaregs, die auch das Leben Barths auf ſeiner Reiſe durch die Wüſte bedrohten, 6 Tagereiſen nördlich von Kukaua erſchlagen. Dr. Vogel, deſſen Eltern noch in Leipzig leben, war vielleicht unter ſämmtlichen Reiſenden, die im letzten Jahrzehnt Afrika beſuchten, derjenige, welcher mit den umfaſſendſten Kenntniſſen für dieſen Beruf ausgeſtattet war; ſein Tod und die wahrſcheinliche Einbuße ſeiner Aufzeichnungen iſt für die Wiſſenſchaft ein unerſetzlicher Verluſt. Sein Vater, Direktor Vogel in Leipzig, ſcheint, wie aus einem Inſerat eines Leipziger Blattes hervorgeht, noch einen ſchwachen Schimmer von Hoffnung feſtzuhalten. Möchte er gerechtfertigt werden!
Nachdem vor wenigen Wochen eine landwirthſchaftliche Ausſtellung in Gotha Statt gefunden und während eine Aus⸗ ſtellung theilweiſe höchſt intereſſanter und werthvoller Gemälde noch in dieſem Augenblick fortdauert wird jetzt auf den 9— 13 Oktober 1857 zu einer allgemeinen Obſt⸗Wein⸗ und Ge⸗ müſeausſtellung und zu einer Verſammlung deutſcher Pomo⸗
1 3 logen und Obſtzüchter nach Gotha eingeladen. Dieſe Einladung - Re rieas Dder„. o0 6 1 A
etne Neynitign der wielssh Weiordert ab benderkie er⸗ iſt von den Gartenbau⸗Vereinen zu Berlin und Gotha erlaſſen. „Berſchiedene hiegierungsformen haben verſchiedene Vorzüge. Die Ausſtellung wird in den Räumen des herzogl. Hoftheaters
Statt finden. Die Gegenſtände müſſen ſpäteſtens bis zum 6. Oct. in Gotha ſein, Anzeige darüber wird jedoch bis zum 24. Sept. erwartet. Für Fracht durch die Eiſenbahn ſteht das Comité ein. Unter den Unterzeichnern finden wir die Namen von Borchers, Hofgartenmeiſter in Herrenhauſen, Lucas, Garteninſpektor in Hohenheim, Haage dan Kunſt⸗ und Handelsgärtner in Erfurt, Jühlke, Garteninſpektor in Eldena. u. ſ. w.
Anzeige. Im Verlage von A. Büchting in Nordhauſen iſt ſoeben er⸗ ſchienen und in allen Buchhandlungen zu haben: Der Gratulant für Jung und Alt, eine Sammlung bisher ungedruckter Gelegenheitsgedichte aller Art. 8. 1857. geh. Preis 7 ½ Sgr.
——


