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dabei; der Name gleitet ſo glatt über die Zunge, das iſt der Hauptgrund. Faſt ebenſo beliebt iſt der Name Jacob, jeder zahme Rabe heißt ſo.
Am meiſten machte ſich die Menſchennamengebung bei den Hunden zu ſchaffen. Sie bekamen zum Theil Titel hohen Ranges. Als Wiedervergeltungsrecht, daß die Türken uns Chriſten fort und fort Hunde nennen, werden haupt⸗ ſächlich Blut- und Metzgerhunde Türk und Sultan geru⸗ fen. In einer gewiſſen Zeit verfiel man auf eine ſchöngeiſtige Abgeſchmacktheit, man gab den Hunden und Hündinnen die Namen griechiſcher und römiſcher Gottheiten und vergötter⸗ ter Helden, doch keineswegs in der Abſicht, damit das alte Heidenthum zu erniedrigen, nein, man wollte nur ſein bis⸗ chen Licht mythologiſcher Kenntniß leuchten laſſen, wenn man Hunde Apollo, Veſta, Caſtor, Pollux, Ajax, Aga⸗ memnon, Aurora, Hecuba, Helena, Luna, Flora, Orion, Cerberus, Pythia u. ſ. w. rief. Der allbelieb⸗ teſte Name, beſonders für Jagdhunde, war und blieb der Name Diana, und dabei wußte kein einziger Jäger, daß ſeine Dachſin Waldine einen Namen trug, der bis in das deutſche Heidenthum hinaufreicht. Valand, Voland hieß ſoviel als der Teufel, Valandinne war Teufelin, daraus wurde ſpäter Waldine: ſo kommt die Benennung als Be⸗ zeichnung eines wilden Weibes ſchon im mittelalterlichen Heldengedichte Wolfdietrich vor.
Das ſpätere Mittelalter hatte für die Hunde und Hün⸗ dinnen keine Götter⸗ und Heldennamen, da hießen männliche Hunde: Held, Kampf, Zorn, Zank, und weibliche die Klafferin, die Lauferin. Menſchennamen begegneten ſelten für ein Thier, auch nicht bei Pferden, bei letzteren gingen vor allen Völkern die Araber maßgebend mit der Fülle edler Namen voran. Ihre Pferde bedürfen der unterſcheidenden Namen, da ſie über deren Abkunft förmliche Stammbäume führen. Bei uns behalten die Pferde arabiſcher Zucht und Race ihre orientaliſchen Namen, wogegen ſich nichts ſagen läßt; die Kutſch- und Ackerpferde bekommen ihre Namen meiſt von Kutſchern und Knechten, und da ſtehen die Namen Hans, Greth, Lorz, Murz(LCorenz, Moritz), Peter, Fritz in erſter Reihe. Bei dem Rindvieh mangelt es auch nicht an menſchlichen Eigennamen; es gibt Dörfer, in denen durchweg jeder Ochſe Gorz(Gerhardus) genannt wird. „Die braune Lieſel kenn' ich am Geläute“— heißt es in Schillers Tell, und das iſt nicht ſo ſelten, daß der bäuriſche Blödſinn ſeiner Kuh den Namen einer Heiligen ſeiner Kirche gibt.
Katzen werden mit mancherlei Schmeichelnamen beehrt, wie Gretchen, Fanchon, Libette(CEliſabeth), Nanette, Babette(Bärbchen), Miekchen(Mariechen), Fiekchen (Friederikchen oder auch Sophiechen) u. ſ. w. und oft trägt ſolch ein Beeſt einen ſchönern Menſchennamen, als ſeine eigne Herrin. Dieß iſt und bleibt eine Verirrung des Ge⸗ ſchmackes. Wir ſollen im Thiere ein Geſchöpf Gottes achten, es menſchlich behandeln, aber ihm nicht Menſchennamen geben, und dafür lieber weniger Schläge und ſatt zu freſſen.
Faſt jeder zahme Papagei erfreut ſich von Seiten ſeiner Beſitzer eines Menſchennamens, und wo möglich eines ſchö⸗ nen, füllreich klingenden, wie z. B. Laura, Roſa, Eula⸗ lia, Agathe, Anna, Lukas, Paul, Auguſt ꝛc. Dem Vogel wäre es aber ganz einerlei, wenn er auch keine Men⸗ ſchennamen führte, wenn er z. B. Rothkopf, Blauſchwanz,
Freßſack, Schreier, Quakeler, Heuler, Schluchzer, Gelbfuß ꝛc.
gerufen würde. Im übrigen heißen die meiſten gezähmten
Singvögel Hans und Hänschen, zumal die Gimpel, der
Staar aber vorzugsweiſe Matz(Matthias), Staarmatz.
Der Specht hieß im Mittelalter Markolf, der Zaunkönig heißt im Niederdeutſchen ſpottweiſe Groot Jochem(der große Joachim). Ob der Name Lürle, den die Hauben⸗ lerche führt, ein verſtümmeltes Lorchen(Eleonorchen) und mit Lorlei verwandt ſei? weiß ich nicht zu ſagen.
Den übrigen Thiergeſchlechtern, davon nur wenige ge⸗ zähmt und zum Vergnügen gehalten werden, gehen wol meiſt Menſchennamen ab, wo nicht beſondere Liebhaberei dieſe be⸗ ſonders⸗ertheilt. So hält ein mir befreundeter Naturforſcher eine große Kröte im Zimmer, die er Chriſtiane nennt.
Die Naturforſchung zeigt ſich überaus freigebig in der Namengebung, beſonders in der mythologiſchen, und nament⸗ lich gegen Schmetterlinge und Conchylien; da thut ſich der ganze Götterolymp auf. Doch auch bei Fiſchen be⸗ gegnen wir Menſchen- oder mythiſchen Namen; ſo z. B. heißt der größte Hai Jonasfiſch, eine Muräne heißt Si⸗ rene, der Drachenfiſch heißt auch Petermännchen und Petersdrache, weil St. Petrus im Maule eines ſolchen Fiſches den Stater gefunden haben ſoll; aber auch der Herings⸗ könig, der den Namen des Göttervaters der griechiſchen Mythe trägt: Zeus Faber, ſchmückt ſich mit dem Namen St. Peters. Ein Barſch trägt ſogar den geſchichtlichen Namen eines Seekapitains: Jacob Everts.
Es würde zu weit führen, die zahlreichen mythologiſchen Namen von Schmetterlingen aufzuführen. Sie ſind mit außerordentlicher Willkür gewählt, und nie in das Volk ge⸗ drungen, das die Schmetterlinge nach altem Brauch mit ehrlichen deutſchen Namen nennt, und wenn es von einem Atlas hört, nicht an den Heroen der Mythologie, ſondern an den glänzenden Seidenſtoff denkt, der ihm handlicher iſt. Freilich klingt Schwalbenſchwanz und Dillvogel nicht ſo prachtvoll, wie Machaon und Apollo.
Bei den Seemuſcheln und Schnecken begegnen außer den mythologiſchen Benennungen die bibliſchen Namen Noah, und zwar bei der großen Gienmuſchel als Vater Noah⸗ Schulze, Lazarus bei der Lazarusklappe, David hei der Davidsharfe, Pharao bei einer Kreiſelſchnecke u. A.
Seltſamer noch, als beim Thierreiche erſcheint die Menſchennamen⸗Ertheilung beim Pflanzenreiche; auch hier ganz abgeſehen von den antikmythiſchen Namen, welche die Naturforſchung in lateiniſcher Sprache vielen Pflanzen⸗ geſchlechtern zutheilt, z. B. Adonis, Narciſſus, Hya⸗ cinthus, Iris u. ſ. w.
Forſchen wir den an Pflanzen gegebenen Menſchen⸗ namen nach, ſo begegnen uns Antoniuskraut(eine Sorte Eberich Epilobium und auch das Gauchheil, Pru- nella,) ſowie Antonskraut, die große Waſſerbraunwurz, Aaron, eine bekannte Pflanze, Benedicterwurz, Ber⸗ tram und Bertram wurz, Chriſtianswurz(Wolfs⸗ ſchote, Astragalus), Chriſtophskraut(Schwarzkraut, Actaea und auch eine große Wickenart), Eliſabeth blüm⸗ chen(der Sommergünſel, das Ciſtenröschen) und die Elſe (Wermuth oder Ellert), ſammt der Elſenbeere(Elſe ſ. v. a. Eliſabeth). Der Petrus⸗Name ſtellt ſich dar als Kuh⸗ und Eſelspeterlein(Kälberkropf), Froſchpeterlein (Merk, Sium, und Waſſerfenchel Phellandrium), tolles Peterlein, Hundspeterlein, auch Glanzpeter lein, (Hundsdill, Aethusa) und ein Peterskorn(Einkorn), Peterskraut, 4— 5mal, Petersſtab(die Goldruthe),
Peterswurz.
Ferner begegnen der Garten⸗Wilhelm, auch ſchöner Wilhelm, ſchöner Hans(die Bartnelke), der gute auch der ſtolze Heinrich und der böſe Heinrich, erſterer die Hundsnelke, der letztere der Hanfwürger, Orobanche, eine
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