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das jedenfalls verlaſſene chineſiſche Fahrzeug ließ ſich ſchon recht gut von Deck aus mit bloßen Augen erkennen. Dem ſteuernden Matroſen wurde denn auch ſogleich der Befehl gegeben, gerade darauf zu halten, und die Iſegrimm glitt mit der günſtigen aber ſchwachen Briſe langſam dem entmaſteten, kleinen Fahrzeug entgegen.
Für ein Wrack intereſſirt ſich übrigens die ganze Mannſchaft, da die ganze Mannſchaft gewöhnlich einen Antheil erhält, wenn die gefundene Ladung eben werthvoll iſt. Die Leute beendeten deshalb auch ſo raſch als möglich ihr Deckwaſchen, und nahmen in aller Haſt ihr Frühſtück ein, denn nachher, das wußten ſie ſchon, blieb ihnen nicht mehr viel Zeit dazu übrig.
Die Iſegrim rückte indeſſen dem Wrackallmählig näher. Der Steuermann war mit dem Fernrohr in die Fock⸗ Marſen geſtiegen, um von dort aus ſchon von Weitem zu erkennen, ob noch Leute an Bord wären, und die Matroſen ſtanden mit Tauen bereit, ſobald ihr Fahrzeug langſeit laufen würde, hinüber zu ſpringen und das Wrack feſt zu machen.
Einzelne Segel waren indeſſen eingenommen; dicht an die Dſchunke hinangekommen, wurde das Vormars⸗ ſegel backgebraßt, und als die Iſegrimm, jetzt nur noch ganz langſam durch die Fluth ſteigend, an dem verlaſſenen Fahrzeug vorüber glitt, warfen die Matroſen die Taue hinüber, und folgten dann ſelber mit katzenartiger Behen⸗ digkeit nach. Wenige Minuten ſpäter hing der Chineſe im Schlepptau des ſtattlichen Schiffes, und ſo dicht hinter dem Spiegel deſſelben, daß die Leute bei der kaum be⸗ wegten See recht gut an dem befeſtigten Bugſpriet des⸗ ſelben aus und einklettern konnten. Selbſt der Capitain ſtieg mit hinüber und ließ den Steuermann vor allen Dingen erſt einmal die Cajüte öffnen, ob nicht vielleicht Leichen im Inneren derſelben lägen, und eine Seuche die Mannſchaft getödtet oder gezwungen habe, das Schiff zu verlaſſen.
Nichts Derartiges war aber darin zu finden. Kein lebendes oder todtes menſchliches Weſen ſchien an Bord zu ſein, und nur die zerknickten Maſten gaben Zeugniß, daß wahrſcheinlich der letzte Typhoon die Dſchunke ge⸗ troffen habe, wonach die Mannſchaft in blinder Furcht ihre Rettung in dem kleinen Boot ſuchte. In der Cajüte umhergeſtreute Lebensmittel machten das nur noch wahr⸗ ſcheinlicher, und nichts Anderes ſchienen die Schiffbrüchi⸗ gen auch in ihrer paniſchen Furcht mitgenommen zu haben, da ſelbſt des Capitains Schrank in der Cajüte unberührt, ungeöffnet ſtand. 1
Während der Capitain jetzt die Unterſuchung der Cajüte übernahm, wurde der Steuermann in den Raum geſchickt, nach der Fracht zu ſehn. Der Capitain machte indeſſen an chineſiſchen Kleidern und anderen Kleinig⸗ keiten reiche Beute, und fand ſogar einen ziemlich ſchweren Sack mit ſpaniſchen Dollaren, von denen er an ſeinem
Körper vor allen Dingen ſoviel als irgend möglich barg.
Damit kehrte er dann, was einige Schwierigkeiten hatte, an Bord ſeines eigenen Fahrzeugs zurück, ſich der ange⸗ nehmen Laſt zu entledigen, und den Beſuch ſo raſch als möglich zu wiederholen. Wie er aber den Bord der Dſchunke zum zweiten Mal beſtieg, kam ihm dort ſein Steuermann mit fahl bleichem Geſicht entgegen.
„Was giebts, Stürmann?“ rief dieſer erſchreckt— „Ihr ſeht ja wie ein Todter aus. Iſt Euch etwas ge⸗ ſchehn?“
„Captein“— rief aber der Steuermann, und brachte
die Worte kaum über die zitternden Lippen,„die Dſchunke— die Dſchunke hat— hat— Gold geladen.“
„Gold?— den Teufel auch!“ rief der Capitain, und war mit einem Satz wieder drüben—„Ihr träumt wohl, Stürmann?“
„Da ſeht ſelber,“ ſagte der Seemann, und zitterte vor Aufregung am ganzen Leibe, während er dem Capi⸗ tain ein paar kleine Barren goldgelben, gewichtigen Metalls entgegen hielt—„was iſt das?“
Der Capitain griff haſtig danach, wog die eine Barre in der Hand, und winkte dann dem Steuermann mit den Augen, ihm in die Cajüte der Oſchunke zu folgen.
„Steuermann,“ ſagte er hier mit leiſe flüſternder Stimme—„wie viel— wie viel ſolcher Barren liegen an Bord?“.
„Und iſt es nicht Gold?“ frug dieſer zurück.
„Wie viel ſolcher Barren liegen an Bord?“ wieder⸗ holte aber der Capitain, ohne die Frage zu beantworten.
„Wenigſtens fünfhundert“ ſagte der Steuermann jetzt, von dem geheimnißvollen Weſen des Capitains ſelber angeſteckt.
„Und wo liegen ſie?“
„In einem kleinen Verſchlag dicht unter der Cajüte,
den ich erſt aufbrechen mußte.“
Der Capitain ſchwieg, und erſt nach längerer Pauſe ſagte er zögernd:
„Wiſſen die— Leute etwas davon?“
„— Nein“ flüſterte der Steuermann—„aber— wenn nun“—
„Steuermann“ ſagte da der Capitain mit feierlicher Stimme,„den Fund hat uns der liebe Gott geſchickt. Wir haben beide Frau und Kinder zu Haus, und für unſere Rheder ſchon gethan, was ſie nur verlangen können. In Californien, als die ganze Mannſchaft davon lief, ſind wir Beiden allein an Bord zurück geblieben, und haben den Rhedern das Schiff erhalten, und kein Gold hat uns dort verlocken können, unſerer Pflicht untreu zu werden. Aber welchen Dank haben wir dafür gehabt?— unſer Lohn iſt fortgegangen— ein Gehalt, für den nicht ein⸗ mal ein Schiffsjunge in Californien gearbeitet hätte, und wie wir zurückkommen, ſagten die Herrn im Comptoir noch nicht einmal„Danke Capitain, danke Steuermann.“
„Oh,“ meinte der Steuermann,„es fehlte gar nicht viel, ſo hätten wir auch noch Naſen gekriegt, daß uns die Leute überhaupt nicht an Bord geblieben waren, und wir ſchweres Geld für Andere zahlen mußten.“
„Na ja, Steuermann“ fuhr der Capitain fort—„da⸗ mals ſind wir vielleicht Eſel geweſen, und haben unſer Glück mit Füßen von uns geſtoßen, aber— es war eben unſere Pflicht, und ich werde nie im Leben bereuen, die erfüllt zu haben. Es iſt mein Stolz. Wenn wir aber jetzt wieder nur an unſere Rheder denken wollten, dann hätten unſere Frauen und Kinder recht, wenn ſie uns noch im Grabe fluchten, und ich meines Theils ſehe nicht ein, weshalb den Kaufleuten daheim das allein gehören ſoll, was wir hier auf offener See, gewiſſermaßen auf offener Straße finden. Ich denke die Rheder dürfen vollkommen zufrieden ſein, wenn wir ihnen ihren Theil der Ladung laſſen, und das Bischen Metallhier für uns behalten.“
„Ja Captein“ ſagte der Steuermann, dem das auch einzuleuchten ſchien,„aber— wenn die Sache nun Wind bekommt. Das Volk kann im Leben das Maul nicht halten, und nachher“—
„Kaufen wir uns Jeder ein Schiff“ ſagte ſein Vorge⸗


