Jahrgang 
1857
Seite
416
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O, du vollendete Heuchlerin, jetzt nehme ich den Kampf wieder auf, da ich weiß, daß Du nicht unnahbar, nicht unbeſtechlich biſt! Auch an dir gibt es eine wunde Stelle; unſre Waffen ſind nicht mehr ganz ungleich!

Dies waren die Gedanken, welche nach des Dieners Mittheilung ſein Gehirn durchzuckten. Jetzt war er einig mit ſich, wie er handeln ſollte. Jedesfeige Bedenken war aus ſeiner Seele geſchwunden. Sein Bruder war die Quelle der gegen ihn gerichteten Intriguen und Feind⸗ ſeligkeiten. Dieſe Quelle mußte verſtopft werden!

Das Denkmal bei

Von Ludwig

Schon öfter war in den Zeitungen die Rede von dem Denk⸗ mal, welches der regierende Herzog zu Sachſen⸗Mei⸗ ningen bei dem Reſte der alten Luthersbuche in der Nähe des Schloſſes Altenſtein errichten ließ und welches am 26. Juli feierlich eingeweiht worden iſt. Am ausführlichſten ge⸗ ſchah dieß in einem Artikel in Nr. 711 der Illu ſtr. Zeitung, Leipzig 14. Februar l. J., nur begegnete der Redaction etwas menſchliches, das Bild des Denkmals und des Reſtes der Buche ſteht verkehrt und muß im Spiegel betrachtet werden, um richtig zu erſcheinen. Wir geben daher den Leſern des Feier⸗ abend ein auch außerdem richtigeres Bild des merkwürdigen Baumreſtes und des Denkmales, das einem hiſtoriſchbedeut⸗ ſamen Punkt der reizenden Gegend des herzoglichen Sommer⸗ ſchloſſes Altenſtein zur dauernden Zierde dienen wird.

Durch ein ſtilles Thalgründchen, das ſich rechts von der Einſenkung abzweigt, durch welche die ſchöne neue Fahrſtraße von Altenſtein nach Ruhla zur Höhe des Gebirgskammes emporführt, zog ſich früher ein ſchmaler Hohlweg, der an vielen Stellen nur als eine Waſſerrinne erſchien. Das war die alte Straße, welche in der Vorzeit dort über den Gebirgs⸗ kamm nach Ruhla oder auch nach Winterſtein und Walters⸗ hauſen führte, vorüber an einer Wallfahrtskapelle, dem Glaßbach, dicht unter dem Granitfelſenhaupt des Gerber⸗ ſtein in tiefer Hochwaldeinſamkeit gelegen. Dieſe Kapelle, aus welcher die Sage des Volks ein Nonnenkloſter ſchuf, wurde ſchon in früher Zeit Ruine, allein auch dann noch ſollen Wallfahrten nach ihr unternommen worden ſein.

Unten im Thalgrunde entſprang am Fuße einer alten Buche dicht am Wege eine friſche Quelle, und miſchte ihre Kryſtallfluth mit dem Rinnſal, das vom höheren Gebirge herabrieſelte.

Dr. Martin Luther hatte im Frühling des Jahres 1521 bei Gelegenheit ſeiner Rückreiſe von Worms nach Wittenberg das ihm aus Jugendtagen liebe Eiſenach erreicht, dort den bewährten Freund Nicolaus Amsdorf beſucht, und war in deſſen Begleitung von Eiſenach aus nach dem von dort nur drei Wegſtunden entfernten Dorfe Möhra, ſeinem Stamm⸗ und Heimathort, gereiſt, wo ſein Bruder Jacob und ſeine Oheime Heinz und Hans mit ihren Kin⸗ dern lebten. In Möhra hielt Luther eine Predigt, und zwar, da die Kirche die Menge der Zuhörer nicht faßte, im Freien unter einem Birnbaume und verließ in einem Wäge⸗ lein mit ſeinem Bruder Jacob und mit Amsdorf, von mehre⸗ ren Verwandten bis über den Altenſtein geleitet, in gemüth⸗ licher Ruhe ſeinen Heimathort am vierten Tage des Mai⸗ mondes, dem Sonnabend nach Cantate, oder dem Vorabende des Sonntags Rogate.

mator zur Wahl juſt dieſes Weges. Papſtes und Kaiſers Bann war, welche Gefahr ihm drohte,

Du haſt mir auch jetzt wieder einen großen Dienſt

geleiſtet, ſagte er darauf zu Anton,ich werde mich nicht

undankbar beweiſen, ich werde deine Zukunft ſichern. Aber

vor der Hand gibt es noch Arbeit für dich. Erſt muß ich abwarten, wie ſich die verhängnißvolle Krankheit meines armen Bruders geſtaltet, du verſtehſt!

Ich verſtehe, ſagte Anton mit boshaftem Lächeln, und was ich thun kann, ſei es als Zeuge vor Gericht oder als ſein Krankenwärter, auf mich können Sie rechnen! Damit trennten ſie ſich.(Schluß folgt.)

der LTuthersbuche. Bechſtein.

Wir haben in unſerer Gegenwart keinen rechten Begriff von den Straßen und Wegen jener Zeit. Heutzutage wäre das kürzeſte geweſen(ganz abgeſehen von der Eiſenbahn) von Möhra über Etterwinden und Wilhelmsthal nach Eiſe⸗ nach die drei kleinen Stunden zurückzugehen oder zu fahren, und ſo die große Frankfurt⸗Leipziger Haupt⸗ und Handels⸗ ſtraße wieder zu gewinnen, ſtatt über das damals faſt un⸗ wegſame Gebirge über Winterſtein nach Waltershauſen und von da nach Gotha zu reiſen.

Vielleicht beſtimmten aber Gründe den großen Refor⸗ Wußte er, der in und daß man ihm das zugeſicherte Geleite nicht weiter hal ten wollte, und ſuchte er darum die große Heerſtraße zu vermeiden? Wohl möglich, und vielleicht wußte er noch mehr, vielleicht wußte er, daß das treue Schirmherrnauge des Kurfürſten von Sachſen, Friedrich des Weiſen, beſorglich für ihn und ſeine Sicherheit wach war, und bereits im Ge⸗ heimen die nöthigen Anordnungen getroffen hatte. Luther fuhr mit ſeinen Begleitern von Möhra über Gumpelſtadt und Witzelrode nach Schweina, und von da zum Schloſſe Altenſtein empor, welches dem Ritter Burkhard Hund von Wenkheim gehörte, der aber nicht, wie man visher glaubte, droben in behaglicher Ruhe ſaß, ſondern als kur⸗ fürſtlich ſächſiſcher Amtmann in Gotha wohnte und waltete. Er unterſchrieb ſich Burckardt Hundt Ambtman zu Gota vnd Rentmeiſter. Jetzt aber mochte Burkhard Hund doch wohl auf Altenſtein weilen, und ſeinen Freund, den Ritter Hans von Berlepſch bei ſich ſehen, der in gleicher Dienſt⸗ beſtallung auf dem Schloſſe Wartburg ſchon ſeit einigen Jahren wohnte. Er unterſchrieb ſich Hans von berlepſchenn der Jung'(der Jüngere) Ambtman zur wartpburgk.

Dieſen beiden Beamten war von dem Kurfürſten der Auftrag zu Theil geworden, Luther aufzuheben und ihn in aller Stille nach der Wartburg zu bringen. Daß, und wie dieß geſchah, iſt allbekannt, und bedarf keiner weitläuf⸗ tigen Darlegung.

Auf jenem Waldwege, an jener Buche, an jener Quelle, wo der Reiſewagen Halt gemacht, und die Reiſenden wahr⸗ ſcheinlich ſich mit einem friſchen Trunke aus der Quelle er⸗ labt hatten, traten fünf reiſige Männer aus dem Waldes⸗ dickicht, nahmen Luther in ihre Mitte, und nöthigten Ams⸗ dorf zur Umkehr, Jacob Luther gab, als er die Reiter er⸗ blickte, nach Luthers eigenem Bericht, Ferſengeld, und ſoll Abends zu Fuße in Waltershauſen angekommen ſein, wo derſelbe doch eigentlich nichts zu ſuchen hatte.

Dr. Luther wurde veranlaßt, ein Pferd zu beſteigen,

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