Jahrgang 
1857
Seite
310
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Moa mit der anbrechenden Dämmerung, allein er ging dann Herzen und lauſchte dieſer Unterredung. Als der Knecht Ma nicht nach Hauſe, ſondern in's Feld hinaus, und Niemand die Stube verlaſſen, rief ihr die Mutter zu, ob ſie nicht ſien ſah ihn zurückkehren. Da er aber am frühen Morgen wiſſe, warum der Michel ſo ein Schode(Narr) ſei? über ſtets bei der Arbeit getroffen wurde, kümmerte man ſichIch weiß nicht, Mutter, ſagte ſie kaum hörbar, demn nicht viel darum, wann er nach Hauſe kam, er ſchlich denn Thränen erſtickten ihre Stimme. ſich auch ſtets ſo leiſe in ſeine Kammer, daß ſein Nach⸗Man meint ja, Du flennſt, Engel? Was giebt's? Go hauſekommen nur von Engel bemerkt wurde. rief die Bäurin und wollte hinein zur Tochter, doch in Es

Dieſe floh der geſunde feſte Schlaf ſeit jenem verhäng- dieſem Augenblicke trat Conrad in die Stube und ſagte zur Wi nißvollen Markttage. Sie hatte einen ſchweren Kampf Mutter, er wolle ſie und Engel heute Nachmittag Schlitten nich mit ihrem Herzen zu beſtehen, deſſen ganze Neigung, wie fahren. Dies zog Dorethai's Gedanken von der Tochter uſch ſie ſich geſtehen mußte, dem Knechte gehörte, allein ihr Thränen ab, welche ſie auch ſchnell zu trocknen ſuchte und dem Stolz als Bauerntochter, noch mehr ihre Grundſätze, dann aus dem Verſchlag heraus trat. wiel welche tief und feſt in den Sitten und Gebräuchen ihrerWo geht's denn hin heute Mittag, Bruder? frug freu Heimath wurzelten, geboten ihr, über ihre Herzens⸗ ſie, um nur etwas zu ſagen. bem wünſche Herr zu werden. Und äußerlich war ſie es vonGen Tomerdingen, ins Wirthshaus, ſagte er ſchnell. des Anfang an, kaum daß ſie Michel noch ein freundlichesSie ſollen ſehen, daß ich auch im Wirthshaus ſein kann, mit Wort gönnte; ſie war kalt, abſtoßend gegen ihn, und der ohne Händel anzufangen. Ein Knecht getraute ſich nicht mehr, auch nur ihre Hand anzu⸗ Die Mutter ſah erſtaunt ihren Sohn an und ſchlug kon faſſen. Dabei wurde er aber immer trauriger, ſeine friſche, die Hände zuſammen. Bu braune Wange wurde fahl und das blitzende Auge mattWas ſagſt? Gen Tomerdingen? In das katholiſche ja und trübe. Engel ſah es wohl, aber ihr Betragen blieb Neſt? Da geht man nur hin, wenn Markt iſt. no ſich dennoch gleich, und nur in ſtillen Nächten, in dem ein⸗Ich wills jetzt einmal ſo, Mutter, ſagte ruhig me ſamen Kämmerlein dachte ſie mit Wehmuth ſeiner und Conrad.Es giebt dort gut Bier und auch Wein, und ei weinte oft bitterlich um ihn; darum wollte auch der den haſt Du doch Dein Lebtag noch nicht getrunken. Du A Schlaf nicht mehr recht bei ihr einkehren, und des Bruders ſollſt ihn verſuchen; der wird Dir ſchmecken, ob er katho⸗ 3 leiſe Tritte drangen oft an ihr Ohr. liſch oder lutheriſch iſt.. tr

Er muß einen Schatz haben! ſagte Engel zu ſich.Ich mag doch nicht nüber! eiferte Dorethai.Es Aber Conrad beſuchte gar keine Kunkelſtube, und im ganzen fällt mich ſchon Grauſen an, wenn ich nur die Heiligen⸗ Dorfe war kein Mädchen, von dem man ſagen konnte, daß bilder am Wege ſehe, und ſoll gar ins Dorf hinein? ſie ihm gefalle. Umſonſt ſpähte ſie umher, ſein Geheimniß Da ſoll mich Gott davor behüten, einzukehren, wo man 3 zu entdecken; laut zu fragen getraute ſie ſich nicht, denn den Charfreitag nicht heilig hält, und ſchon deshalb alles d Niemand ſagte ihm in der letzten Zeit etwas Schlimmes in die Hölle kommen muß. r nach, ſollte ſie, die Schweſter, einen Verdacht auf ihnAch ſchwätz doch nicht ſo überzwerch(unverſtändig), 4 werfen? Mutter, rief Conrad.Die könnten grad ſo gut meinen, b

So ging der Winter bis zu Weihnachten herum. daß wir nicht in Himmel kämen, denn, wenn ſie Frohn⸗

Michel wurde immer trauriger, daß es ſelbſt der Höhlen⸗ leichnam haben, ſchaffen wir auch, und kümmern uns 1

bäurin auffiel. Sie mochte den fleißigen, ſtillen Knecht nicht drum. 1

ſehr gut leiden, und wollte deßhalb auch verſuchen, ihnO, Du gottloſer Menſch! ſchrie die Bäurin.Was ſ

wieder heiterer zu machen. wir thun, iſt recht, und unſer Brauch iſt in allem der 1

Was haſt denn, Michel, daß Du ſo herb biſt?n frug Beſte. Bei den Katholiſchen iſt alles anders, als beir 1 ſie ihn theilnehmend, als auch an den Chriſtfeiertagen, wo uns, drum mag ich nicht zu ihnen hinüber. 1 doch alle Welt guter Dinge iſt, ſeine traurige Miene ſichMir gefällt's aber drüben. Drum, Mutter, wenn nicht änderte.Komm, ſetze Dich zu mir, und laß Dir Du willſt von mir Schlitten gefahren werden, gehts * das Hutzelbrod ſchmecken, und ſage mir Deine Breſting heute gen Tomerdingen. Willſt Du anderswohin, ſo muß

(Herzeleid). dder Michel Dich fahren.

Das kann ich nicht, Bäurin, erwiederte der Burſche,Laß dem Conrad ſeinen Willen, Mutter! bat Engel, aber ſagen muß ich Dir, daß ich auf Lichtmeß wandere, welche um jeden Preis die peinliche Nähe des Knechtes 3 ich kann nicht mehr auf dem Höhlenhof bleiben. vermeiden wollte.

Wer hat Dir was zu Leide gethan, daß Du ſo kräthig Die Bäurin gab endlich nach; und Conrad geſchirrte (übellaunig) biſt? heute mit beſonderer Sorgfalt die Pferde und brachte ſ

Kein Menſch; aber es thut's halt nicht mehr. auch eine neue ſchöne Peitſche zum Vorſchein. ſt

Du biſt artlich. Haſt's Heimweh vielleicht nach der In raſendem Laufe ſauſten die wilden Pferde dahin, 9 hintern Alb, wo Du her biſt? durch Conrads muthwilliges Knallen immer mehr ange⸗ ke

Nein, Bäurin, das drückt mich nicht. Aber laß es feuert und in faſt unglaublich kurzer Zeit lag das hübſche T gut ſein und ſieh Dich nach einem andern Knecht um. Dorf in der weißen Schneeebene vor ihnen. Conrad fuhr Aber die Bäurin ließ ihn nicht ſo leichten Kaufs davon, jedoch nicht auf dem graden Wege drauf zu, er wandte ſie drang in ihn, zu bleiben, verſprach ihm mehr Lohn, rechts ab, lenkte den Schlitten eine Strecke um das Dorf 8 noch zwei neue Hemden dazu und ein Paar Kommodſchuhe herum und fuhr am andern Ende deſſelben hinein. t (Halbſtiefel), aber es half alles nichts. Dort lag etwas entfernt von den andern Häuſern 1

Es thut's nicht! Es kann halt nicht ſein! Dabei eine kleine Hütte. Als ſie daran vorbeifuhren, trat, durch t

blieb er und Dorethai mußte, wohl oder übel, ſeine Kün- das luſtige Geläut der vielen kleinen Glöckchen an dem digung annehmen. Pferdegeſchirre und das laute Knallen der Peitſche herbei I Im Verſchlage, der eine Ecke der Stube einnahm und gelockt, ein Mädchen an das Fenſter, hob raſch den T die bequeme Beudt enthielt, ſaß Engel mit hochklopfendem Schieber deſſelben in die Höhe, und ein wunderſchönes d . d