und der Vorzüge deutſcher Nationalität bewußt war. Nachdem er ſeinem Freunde den Beſuch eines engliſchen Chemikers Ch. meldet, erzählt er:„dieſer Ch. verleitete mich heute zu einer Un⸗ terredung, von der er mir nachher ſagte, für dieſe Stunde gäbe er alle Minen von Ungarn und Siebenbürgen hin. Ich ſetzte ihm nämlich auseinander, wie man bei Beurtheilung deutſcher Bücher und deutſchen Verdienſtes überhaupt in neun und neunzig unter hundert Fällen von dem was klaſſiſch, allgemein geltend, für alle gebildete Nationen brauchbar, ja ſelbſt oft noch von dem, was nur recht eigentlich national ſein möchte, abſtrahiren und nichts als die Individualität vor Augen haben müßte, wie man aber, wenn man dieſen Geſichtspunkt einmal mit deutſchem Auge und deutſcher Kraft gefaßt, dann auch aus Büchern und Menſchen, die jedem Ausländer eine Thorheit ſind und ſein müſſen, oft mehr lernte, als aus aller klaſſiſchen Weisheit der alten und neuen Welt; wie ſehr man ſich daher hüten müſſe, ſelbſt anſcheinende Extravaganzen zu verdammen, ehe man ſie auf dieſe Kapelle gebracht hätte; und wie oft ich ſelbſt es erfah⸗ ren, daß mir Menſchen, die ich von meiner klaſſiſchen Höhe herab kaum citiren möchte, durch ihre Originalität, durch ihre Irrthümer und ſelbſt durch ihre Ausſchweifungen ungeheure Dienſte geleiſtet hätten u. ſ. f. Das Beſte, ſetzt er hinzu, ſchreibt ſich immer nicht. Ich wollte ihm eigentlich zeigen, wie wenig die Fremden im Stande ſind, über Deutſchland zu urtheilen, indem bei uns, da es uns an eigentlicher Nationalität in Allem fehlt, jedes Individuum eine Welt für ſich iſt und als ſolche ſtudiert werden muß.“
Der bekannte Grieche Simonides, welcher, nachdem es ihm einen Augenblick gelungen, die Berliner Akademie mit einer gefälſchten griechiſchen Handſchrift zu myſtificiren, als entlarv⸗ ter Betrüger noch von Glück zu ſagen hatte, daß er, unter Zu⸗ rücklaſſung des bereits empfangenen Geldes, aus den Händen der Gerechtigkeit entſchlüpfen konnte, hat jetzt die Stirn mit einer archäologiſchen Monatſchrift in deutſcher und griechiſcher Sprache aufzutreten und darin die Entſchleierung des ägypti⸗ ſchen Alterthums zu verheißen. Der ausgeſchämte Grieche hat der bairiſchen Metropolis die Ehre angethan, ſeine myſtificiren⸗ den Rodomontaden von München aus in die Welt zu ſenden. Das Magazin für die Literatur des Auslandes ſagt darüber: „Nein, das war noch nicht da; Münchhauſen iſt gegen unſern Freund ein zahmer, ängſtlicher Pedant, Fallſtaff ein unſchuldi⸗ ges ängſtliches Kindlein, amerikaniſcher Humbug ein Scherz im Vergleich mit dem, was dieſer edle Hellene auf dem Felde der produktiven Phantaſie leiſtet.“ Es ſind jetzt zwei Hefte erſchienen und das„Magazin“ hofft, daß eine Fortſetzung aus guten Grün⸗ den unterbleiben werde. Die mitgetheilten Stellen ſind in der That ſo ſehr ein leerer Wortſchwall von Großſprechereien, daß wir uns in Deutſchland kein Publikum dafür denken können und unſere Leſer mit Proben verſchonen wollen. Bemerkens⸗ werth aber bleibt die Frechheit, mit welcher zu allen Zeiten aus⸗ ländiſche Betrüger und Charlatans ihr Handwerk in Deutſchland treiben und— treiben können.
Es iſt nunmehr kaum noch einem Zweifel unterworfen, daß
die Chineſen die erſten Entdecker Amerikas waren. Im fünften Jahrhundert unſerer Zeitrechnung verkehrten ſie mit Mexiko, welches ſie unter dem Namen! Fuſang in ihren Schrif⸗ ten häufig erwähnen. Bekannt iſt, daß die Chineſen auch das Schießpulver, den Compaß und die? Buchdruckerkunſt lange ge— kannt, bevor ſie in Europa erfunden wurden. Nun ſtellt ſich heraus, daß auch die Blitzableiter von uralter Zeit her in China angewandt wurden, und zwar in wirkſamerer Form, als Benja⸗
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min Franklin ſie anwenden lehrte. Der franzöſiſchen Akademie der Wiſſenſchaften iſt von Hrn. Marchal ein Memoire über dieſe chineſiſchen Blitzableiter überſandt worden, von denen ſich eine Zeichnung in der Pariſer Illuſtration vom 30. Mai befin⸗ det. Es ſind dieſe Apparate an den Thürmen der höchſten Ge⸗ bäude angebracht, und ſeit Menſchengedenken ſoll keines dieſer Bauwerke jemals vom Blitz getroffen worden ſein, während man die Apparate ſelbſt bei ſtarken Gewittern in dunkler Nacht ſehr oft von einem elektriſchen dunkeln Lichte umgeben ſieht. Von der oberſten Plattform des Thurmes erhebt ſich nämlich ein höl⸗ zerner, etwa 30 Fuß hoher Schaft(Maſtbaum,, auf deſſen Spitze eine vergoldete eiſerne Kugel ruht, von welcher nach den vier Weltgegenden hin eiſerne Ketten herunterfallen, die unten an den vier Ecken jener Plattform befeſtigt ſind, und die zugleich ihrer ganzen Länge nach acht bis zehn eiſerne Reifen, bald in ſchneckenförmigen Windungen, bald über einander in gleichen Abſtänden tragen, ſo daß der der Plattform zunächſt befindliche Reifen der größte, die darüber hängenden aber immer kleiner werden, und der der Kugel nächſte der kleinſte iſt. Durch dieſe Windungen wird der Blitzſtrahl förmlich vertheilt und endlich abſorbirt, während der Apparat in ſeiner ſoliden Conſtruction den Orkanen und dem Blitzſtrahl ſelbſt viel beſſeren Widerſtand leiſtet, als die ſchwächlichen Ableiter, deren wir uns bedienen.
Es gewinnt den Anſchein, als ſollte der Rübenzuckerfabri⸗ kation des Zollvereins, d. h. zunächſt dem verſchwenderiſchen Schutz, den ſie genießt, demnächſt ernſtlich zu Leibe gegangen werden. Das finanzielle Bedürfniß führt zu einer Beſchrän⸗ kung dieſes Schutzes. Man hat ausgerechnet, daß, wenn die von 1841 bis 1855 verbrauchte Rübenzucker⸗Menge als Colo⸗ nialzucker eingeführt und mit fünf Thaler per Centner verzollt worden wäre, in dieſer Periode etwa 45 Millionen mehr an Zoll eingenommen worden wären. Während der Staat an Zuckerzoll in Großbritanien 35 ½, in Frankreich 18, in Holland 15 Sgr. per Kopf der Bevölkerung annimmt, erhebt der Zollverein nur etwas über 6 Sgr. per Kopf. Die Rübenzuckerfabrikanten verdanken dieſem Schutz ganz enorme Vortheile. Eine Rübenzuckerfabrik hat in drei Jahren ihr fixes Anlagekapital von mehreren hunderttau⸗ ſend Gulden amortiſirt. Die Fabrik in Waghäuſel(Baden) wirft ungeheure Dividenden ab. Entweder wird man nun den Zoll auf Colonialzucker auf das Niveau der Rübenſteuer herab⸗ ſetzen, oder man wird die Rübenſteuer auf das Niveau des Colo⸗ nialzuckers hinaufheben, oder endlich eine Combination beider
Fälle wählen, den Zoll auf Colonialzucker etwas herabſetzen, die
Rübenſteuer um etwas erhöhen. Die Rübenzuckerfabrikation im Zollverein hat durchaus den Charakter einer künſtlichen In⸗ duſtrie, und iſt mit den größten, nicht bloß finanziellen, ſondern auch volkswirthſchaftlichen Nachtheilen verbunden. Viel Boden wird dadurch dem Bau der nothwendigſten Gewächſe entzogen, während ein ſchwunghafter Handel mit Colonialzucker eine Hauptſtütze der nationalen Schifffahrt iſt, weshalb auch Eng⸗ land die Rübeninduſtrie ausſchließt.
Im Jahre 1854 wurden in Californien von 86,000 Gold⸗ gräbern 61 Mill. Dollars gewonnen, es kamen ſomit auf einen Goldgräber jährlich 700 Dollars; im Jahre 1852 vertheilten ſich die gewonnenen 45 Mill. unter 100,000 Goldgräber, der Antheil des Einzelnen betrug ſomit nur 450 Dollars. Man ſieht ſomit, daß der Antheil des Einzelnen im Steigen iſt, was als Folge verbeſſerter Vorrichtungen betrachtet werden muß, daß er aber im Grunde nicht mehr beträgt, als der Verdienſt in der Landwirthſchaft und in andern Gewerken in jenen Ge⸗ genden.
ruck von Gieſecke& Devrient in Leipzig.
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