Jahrgang 
1857
Seite
291
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für Viele möglich wird. Möchte nun durch den guten Fortgang dieſes Unternehmens Herr Deis veranlaßt werden, auch einige andere der ſchönſten und ſeltenſten Holzſchnitte Dürer's und an⸗ derer alter Meiſter nachzubilden, was beſonders Sammlern will⸗ kommen ſein dürfte.

Ein Feſt aller Seelen in Sardinien. Freundliche weiße Häuschen, von Feigen und Kaſtanien beſchattet, und auf dem Platze vor der Thüre der luſtige Dudelſack. Die Sonne beleuch⸗ tet eine dichte Gruppe faſt aus lauter Männern beſtehend, die den Tänzern zuſehen: drei jungen Bauern, die das ſchmucke Sam⸗ metröckchen mit blanken Knöpfen beiſeite gelegt haben. Graziös umhüpfen ſie ſich, mitunter einander die Fingerſpitzen berührend, um wieder ſtolz von einander zu ſtreben, die Arme in die Seiter geſtemmt ſo geht das Spiel fort, bis der in der Mitte plötzlich den beiden Andern die Hände reicht dann umſchlingen ſie ſeine Hüften, preſſen ſich immer inniger an ihn an bis ſie auseinander huſchen und den Platz für andere Tänzer frei laſſen.

Aber weiter auf dem ſchmalen Steinpfade, immer bergan! Da fällt uns noch eine größere Verſammlung ins Auge, und wie wir vordringen, gerathen wir durch ein Spalier von hübſchen Mädchen an eine ſchlimme, ſchlimme Barriere.Lieber Herr, machen Sie mir doch das Vergnügen, und trinken Sie ein Gläs⸗ chen von unſerm Wein! Die Schöne ſpricht's, der Burſche ſchenkt ein Glas Rothen aus der Korbflaſche, wir müſſen trin ken. Wir wollen bezahlen, aber man weiſ't mit freundlichem Lächeln das Geld zurückkein Geld, mein Herr, aber treten Sie gefälligſt dort hinauf und, indem ſie vertraulich ihren Arm auf den meinen legt:Sogleich machen wir eine Contra⸗ danza miteinander, nicht wahr? Da fidelt's, der Baß brummt, gewiſſe Töne erregen in mir den Verdacht, daß auch ein Waid⸗ horn im Orcheſter, die Mädchen hinter uns kichern, und ringsum wachſen die ſchönſten Oliven im Kartoffelfelde. Tief unten aber wogt, ſtahlblau, das ewige Meer, als würde es jetzt eben im Glühofen der Sonne geſchmolzen.

Aber die Sonne begann ſchon, ſich zu neigen, und wir ahn⸗ ten nicht, in welchem Orte wir uns eigentlich befanden. Soviel nur wußten wir, daß wir von Genua ungefähr drei Stunden entfernt ſein mußten.

Es ſind aber noch nicht genug Tänzer da; das freundliche Mädchen läßt vor wie nach keinen Menſchen paſſiren; der Mann nickt immerfort und ſchenkt ein Gläschen nach dem andern ein.

Da kommt der Prieſter. Er bleibt ſtehen;er ſieht ſich ſtumm ringsum und nimmt eine Priſe.Das iſt mir ein ſchöner Spektakel, ſagt er,per Dio. Ich hätte den guten Alten umhalſen können für ſein ſchalkhaftes Geſicht, wie er von dannen ſchritt, ſeine hübſchen Pfarrkinder muſternd.

Die Mädchen tragen alle den langwallenden Spitzenſchleier mit ſilberner oder goldener Nadel im Haar befeſtigt, ſeidene Bruſttücher in den ſchreiendſten Farben, und beſonders eine Maſſe von Ketten und Ringen. Zum Glück bin ich kein Juwe⸗ lier, ich bin gerade gut aufgelegt, nehmen wir an, es ſei lauter pures Gold!

Uns wirds ſchwül, trotz aller Aufmerkſamkeit, die man uns ſchenkt. Der Eine von uns ſpringt die Mauer hinab:Gott ſei Dank! kommet, ich bin frei! Wir nach, aber kaum ſind wir unten da merken wir, daß die Angel einen bedeutenden Wi⸗ derhaken hat.Um Gotteswillen, ruft uns eine andere Schöne zu, indem ſie uns energiſch den Weg vertritt,meine Herren, Sie dürfen wahrhaftig nicht fort!Liebes, ſchönes Fräulein was iſt denn aber los? Das iſt ja ein wahrer Sabinerraub,

aber ſtehen Pinien, eine ſtolze Gruppe.

nur ein umgekehrter!Ei, es iſt funzione delle anime! Entſchuldigen Sie viel tauſend Mal, fand ich nöthig zu erwiedernunſere unſterblichen Seelen verlangts nach Hauſe, und bedenken Sie doch unſere ſterblichen Beine! Unterdeß preße ich ſanft ihren Buſen, bis ſie meinen Arm frei gibt mein Freund enteilt ihr von der andern Seite, wir ſind gerettet!

Wir wurden kurz darauf noch einmal angehalten daſſelbe Problem, mit verſchiedenen Auflöſungen, die daſſelbe Produkt ergaben nämlich einen xenophontiſchen Rückzug. Wer kann's uns verdenken, wenn die Luſt ringsum uns berauſchte? Evviva! Das Land, wo der Honig der Liebe überfleußt, und die Milch der Unſchuld!

Wer in dieſem Blatt neulich meinen Bericht über eine Tour nach Voltaggio geleſen, wird ſich über dies lachende Bild wun⸗ dern, aber ich kann ihm bald die Sache aufklären. Voltaggio liegt eben landeinwärts; dagegen iſt die öſtliche Meeresküſte Liguriens beſonders reich von der Natur begabt. Hier iſt auch der Bauer meiſt Herr ſeiner ſelbſt und ſeines Fleckchens Erde, er müht ſich ab, um ſich ſelbſt zu bereichern, und es ſteigt ihm der Muthwille ſo hoch, daß er ſeinen Wein den Vorübergehenden zu koſten gibt, und alle Welt zum Tanzen auffordert.

Es iſt luſtig anzuſehen, wie gut es die Sonne meint mit den poetiſchen Bäumen des Südens in der Riviere dell Oriente! Wie geſagt, der Feigenbaum und die Olive ſind rings von Kartoffeln umpflanzt, und die armen Erdäpfel fühlen ſich ganz unglücklich in ihrem Schatten. Auch Saubohnen gibts und Kohlköpfe Artiſchocken daneben und Liebesäpfel und Schlingpflanzen mit ſaftigen grünen Blättern wachſen durch die Ritze der Gartenmauer hindurch. Auf einem ſanften Hügel Sie halten etwas auf ſich, dieſe ſchönen Bäume. Ihr Wuchs iſt immer graziös, und wenn der Wind die Krone leiſe hin und her bewegt, klingts wie geheimnißvolle Hymnen der Prieſter. Man glaubt, nun müſſe der Duft aufkräuſeln und er wird im Himmel Wohlgefallen finden, gleichviel ob ſich das Rauchfaß vor dem Bilde der Jung⸗

frau oder der Statue Aphroditens bewegt. W. Wens

Am dequator. Glänzend taucht am Morgen die Sonne aus dem Meere auf und vergoldet die den Horizont umlagernden Wol⸗ ken, welche bald darauf in großartigen und mannichfaltigen Gruppen dem Zuſchauer Continente mit hohen Gebirgen und Thä⸗ lern, mit Vulkanen und Meeren, mythologiſche und andere wun⸗ derſame Gebilde der Phantaſie vor Augen zu führen ſcheinen. Allmählig rückt das Geſtirn des Tages an dem ätheriſch blauen Himmel aufwärts; die feuchten grauen Nebel fallen nieder; das Meer ruht oder ſteigt und fällt ſanft mit ſpiegelglatter Oberfläche in einem regelmäßigen Pulsſchlag. Mittags erhebt ſich eine fahle, blaßſchimmernde Wolke, der Herold eines plötzlich hereinbrechen⸗ den Gewitters, das mit einem Male die ruhige Scene unterbricht. Donner und Blitz ſcheinen den Planeten ſpalten zu wollen; doch bald hebt ein ſchwerer, ſalzig ſchmeckender Platzregen, unter brau⸗ ſenden Wirbelwinden herabſtürzend, das Toben der Elemente und mehrere halbkreisförmige Regenbogen, gleich bunten Triumph⸗ bogen über den Ocean ausgeſpannt und auf der gekräuſelten Ober⸗ fläche des Waſſers vervielfältigt, geben die feierliche Beendigung des großen Naturſchauſpiels kund. Sobald Luft und Meer wieder zur Ruhe und zum Gleichgewicht zurückgekehrt ſind, zeigt der Him⸗ mel von Neuem ſeine durchſichtige Bläue; Heerden von fliegenden Fiſchen ſchwingen ſich ſcherzend über die Oberfläche der Gewäſſer hin, und die buntfarbigſten Bewohner des Oceans, unter denen der Haifiſch mit ſeinen beiden unzertrennlichen Gefährten, ſteigen aus dem in der Tiefe von hundert Fuß noch durchſichtigen Ele⸗