Jahrgang 
1857
Seite
258
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gilder aus den deutſchen Gauen.

III. Anſichten aus dem Ermlande. Von H. Friſchbier. (Mit drei Abbildungen.)

I. Umſchau. lung, Kraſicki als Dichter, Tiedemann Gieſe als 9. 3. eifriger Beförderer der Wiſſenſchaft genannt. Letzterer Eine alte preußiſche Sage erzählt von einem mächti- war es, unter deſſen Aufmunterung der unſterbliche gen Könige Waidewut, der mit ſeinem Bruder Pru⸗ Frauenburger Domherr Nikolaus Copernikus ſein teno, dem Kriwen oder Oberprieſter des Landes, in ewiges Werk:Ueber die Umläufe der Himmelskörper Preußen das heilige Romowe, den Wohnſitz der Götter, ausarbeitete, er war es, der die Veröffentlichung deſſelben begründet und die erſten ſtaatlichen Einrichtungen ge⸗ in Nürnberg, dem Haußtſitze des damaligen Buchhandels troffen. Waidewut hatte zwölf Söhne, unter welche er, bewirkte. 9 8 2* 1 kurz vor ſeinem Tode, das Land vertheilte, das Gebiet Nach ſchweren für den deutſchen Ritterorden unheil eines jeden genau abgrenzend. Warmo, ſein neunter vollen Kriegsſtürmen, die im Zahre 1466 derewige Sohn, erhielt den Theil des Landes, der nach ihm War- Frieden zu Thorn beendete, ging das Ermland nebſt mien genannt wurde und aus welchem ich dem Leſer einige Weſtpreußen in den Beſitz der Polen über, in welchem Anſichten vorzuführen gedenke. Von ſeiner Gemahlii beide Landestheile unter dem gemeinſamen NamenPol⸗ Ermia nahm bald ein großes Gebiet der Beſitzung niſch⸗Preußen über 300 Jahre, bis zum Jahre 1772 Warmo's den Namen Ermland(Land der Ermia) an, verblieben. 4 7 welcher im Laufe der Zeit den erſtern allmälig verdrängte Gegenwärtig iſt Ermland echt preußiſch und nennt und jetzt die alleinige Herrſchaft gewonnen hat. ſogar einen Prinzen aus dem Hauſe Hohenzollern, Joſeph, Die Geſchicke Ermlands ſind zu innig mit der Ge⸗ mit Stolz unter ſeinen Biſchöfen. Obgleich bereits ſeit ſchichte der Provinz Preußen verwachſen, als daß eine Decennien in kühler Erde, lebt ſein Anvenken, erhalten nähere Erwähnung derſelben hier gut angebracht oder durch zahlreiche Werke der Liebe, friſch in aller Ermlän⸗ überhaupt zuläſſig wäre. Nur ſoviel will ich bemerken, der Gedächtniß, und noch weiß Alt und Jung von dem daß, nachdem durch die Gewalt des Schwertes dem Chri⸗guten Prinzen gar viel zu erzählen, kennt namentlich ſtenthume auch in Preußen eine blutige Stätte bereitet ſein liebes Schmolainen(bei Guttſtadt), der einſtige war, die kirchlichen Angelegenheiten des Landes in der ſchöne Sommerſitz des fürſtlichen Biſchofs. Art geordnet wurden, daß der von Innocenz IV. im Kathedrale des Ermlandes iſt der herrliche Dom zu V Jahre 1243 nach Preußen geſandte Biſchof, Wilhelm Frauenburg, auf dem hohen Domberge, von dem aus man von Modena, das ganze Land in vier Bisthümer oder eine weite Ausſicht auf das Haff und die Nehrung hat, Ddißzeſen theilte. Es waren dies die Bisthümer Kulm, umgeben von den Wohnungen der Domherren und Prie Pomeſanien, Ermland und Samland. In jedem Bis- ſter. Das neuePalais des Biſchofs iſt erſt vor V thume ſollten zwei Theile des Landes dem deutſchen wenigen Jahren in eleganteſtem Styl vollendet worden, Ritterorden, der dritte Theil dem Biſchofe gehören. In und von hier aus ſtreckt der geiſtliche Oberhirte ſenen Folge von Grenzſtreitigkeiten zwiſchen den Biſchöfen und biſchöflichen Hirtenſtab über die Dekanate Ermlands und dem Orden wurden ſpäter die Gebiete der Bisthümer die zu ſeiner Diözeſe gehörigen katholiſchen Gemeinden durch eine Bulle Gregors XI. genau abgeſteckt und dem außerhalb der ermländiſchen Greuzen in Königsberg, Me⸗ V Bisthume Ermland die Ausdehnung zwiſchen dem gegen⸗ mel, Tilſit, Tolkemit, Elbing, Lyk u. a. Gegenwärtig wärtig faſt verſumpften Drauſenſee, dem friſchen Haff, gleichfalls nicht mehr im Ermlande, aber dicht an ſeiner dem ſüdlichen Pregel, Polen und Litthauen gegeben. Grenze, in geringer Entfernung von der Stadt Rößel, Durch die wachſende Ausbreitung des Proteſtantismus liegt in einem ſchönen Waldgrunde die als Wallfahrtsort verengten ſich die Grenzen Ermlands mehr und mehr berühmte Kirche Heilige Linde, deren kupferne Dachung und iſt das heutige in die vier landräthlichen Kreiſe die Sage allmälig inKrongold verwandelt hat. Die Braunsberg, Heilsberg, Rößel und Allenſtein zuſammen⸗ Kirche iſt auf die Stelle einer von der Jungfrau Maria gedrängt. Das ganze Gebiet, in welchem zwölf Städte auf wunderbare Weiſe ſelbſt auserwählten Linde erbaut, liegen, umfaßt einen Flächenraum von 76,8sMeilen, und noch heute ſieht man links vom Hochaltare einen ſie auf welchem 176,850 Menſchen leben. repräſentirenden künſtlichen Baumſtumpf. Da die Kirche Von dem erſten Biſchofe Anſelmus bis zu dem im Walde liegt, ſo war es dem leicht Wunder findenden V

heutigen, Dr. Geritz, haben mehr denn vierzig geiſtliche Glauben nicht ſchwer, die Bemerkung zu machen, daß alle Oberhirten das Ermland geleitet; in früherer Zeit nicht Bäume ſich nach der heiligen Linde, ihrer Patronin, nur mit dem geiſtlichen Krummſtabe, ſondern auch mit neigten, alles Ungeziefer dieſem geweihten Bereiche fern dem Scepter des ſouveränen, nur dem Papſte verant⸗ blieb und ſelbſt die muthigſten Pferde in ihrer Nähe wortlichen Herrſchers. Namen von gutem zund weitem Lammfrömmigkeit zeigten. Sonſt ſtill und unbelebt, zeiiget Klange hat das Ermland unter dieſen aufzuweiſen: die heilige Linde im Laufe des Monates Juni ſtets ein Aeneas Sylvius wurde Papſt Pius II. und war wie überaus reges Leben. Von allen Seiten ſtrömen Ver⸗ Martin Cromer ein ausgezeichneter Geſchichtsforſcher; käufer und Käufer, Wallfahrer und Luſtreiſende in den Stanislaus Hoſius wird als geiſtreicher und gelehr⸗ mit zahlreichen Buden bebauten Ort; die Stille iſt ver⸗ ter Vertheidiger des katholiſchen Glaubens und als zeit⸗ ſchwunden und in die ſelbſt laut gewordene Andacht dringt weiſer Vorſitzender der tridentiniſchen Kirchenverſamm⸗ das wüſte Geräuſch des Marktes. Seinen Höhepunkt

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