Jahrgang 
1857
Seite
254
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Gott, meinen Landsleuten zu Gute kommen ſollen. Nun betrete ich als armer, ſchiffbrüchiger Steuermann eines Grönlandsfahrers meine Heimathinſel, indeß der Ge⸗ fährte meiner erſten Reiſen als Triumphator in die Stadt einzieht, wo uns die Barmherzigkeit eines einfachen Bür⸗ gers aus Wohlgefallen an unſerer jugendlichen Lebhaftig⸗ keit und Strebeluſt vor großem Unheil bewahrte.

Erſt Knecht, dann Admiral! ſprach Paſtor Crup⸗ pius, den offenen Brief nochmals aufnehmend.In der That, wer bei ſo wunderbaren Lebenswandelungen eine höhere Fügung nicht erkennen wollte, müßte ſchon außer der Gnade Gottes ſtehen.

Könnten wir nur auch ſeinem Wunſche genügen, meinte Gerſon, einen zweiten Brief, der dem Schreiben an den Paſtor beigeſchloſſen war, von allen Seiten betrach⸗ tend.Vielleicht iſt es unmöglich, die Adreſſatin deſſel⸗ ben überhaupt aufzufinden.

Mein lieber Sohn, erwiederte Cruppius,nach⸗ dem wir in den letzten Tagen ſo viel Außergewöhnliches erlebt haben, hält ein ſtarker Glaube mich aufrecht. Das eben iſt die wunderbare Kraft des Chriſtenglaubens, daß ſie alle Zweifel löſ't, den Kleinmüthigen ſtärkt, den Spöt⸗ ter verſtummen macht. Oder meinſt Du, die Stürme hätten Dein Fahrzeug nur zufällig an dieſer Küſte ſtran⸗ den laſſen? Glaubſt Du, Niß Ipſen, der Knecht von Bombüll⸗Hof, ſei aus zahlreichen Gefechten blos darum ſiegreich hervorgegangen, um in Holland zum Admiral ernannt zu werden und den Reſt ſeines Lebens als ſolcher mühelos zu verträumen? Nein, mein Sohn, den treu erfundenen Knecht machte Gott zu einem Werkzeuge ſeines Ruhmes, und weil er auch im höchſten Glück ſich demüthig zeigt, wird er den größten Schmuck des Lebens, ein liebe⸗ volles Herz, dem Ruhme noch beigeſellen.

Du warſt nie auf dem Feſtlande ſeit meiner Ab⸗ weſenheit?

Doch, nie aber dachte ich an Bombüll⸗Hof und ſeine Bewohner.

Dann laß uns keine Zeit verlieren. Bombüll⸗Hof muß gegenwärtig der Ort ſein, wohin wir zu wallfahr ten haben. Nirgendwo anders können wir erfahren, ob die Geliebte meines braven Kameraden noch lebt.

Wie heißt ſie doch?

Gerſon hob lächelnd den Brief auf.

Ihr Name gerade kann uns das Auffinden erſchwe⸗ ren, gab er zur Antwort.Mein Freund ſtellt ſich auch in ſeinem Schreiben an das Mädchen ſeiner Wahl ganz auf den Standpunkt, den er früher, als er noch Knechts⸗ dienſte verrichtete, einnahm. Er ſchreibt einfach:An mein Greth' auf Bombüll⸗Hof.

Auch über des Paſtors Züge flog ein leichtes Lächeln.

Der treffliche Mann denn trefflich muß er ſein, ſonſt wäre er ſeinem Mädchen nicht treu geblieben in ſo langen Jahren ſoll ſich in mir nicht getäuſcht haben, ſagte er.Noch heute ſegeln wir mit der nächſten Fluth nach der Wiedingharde. Der alte Strandläufer, früher Dein Kumpan, jetzt Dein Retter, ſoll uns begleiten. Er war und blieb verſchwiegen, wie das Grab, als ich ihn nach Deinem Verſchwinden befragte. Und obwohl ich wußte und es ſpäter auch von Andern erfuhr, daß ſeine Hand Dich und Niß Ipſen nach Föhr übergeſetzt habe, blieb er ſich doch immer gleich in ſeinen Antworten. Ich habe nie ein anderes Wort von ihm vernommen in Bezug auf Eure Flucht, als: der Wind war Süd⸗Süd zu Weſt. Geh' jetzt und beſprich mit ihm, was nöthig iſt.

Gern folgte Gerſon dieſer Weiſung ſeines Vaters. Der Strandläufer war natürlich ſogleich bereit, ſein Fahrzeug ſegelfertig zu machen, obwohl der Wind zu einer Fahrt nach dem Feſtlande, noch dazu in dieſer Jahreszeit, nicht aus der günſtigſten Richtung wehte.

Thut Alles nichts, Herr Steuermann, ſprach er heiter, indem er den getheerten Südweſter vom Pflock nahm und ihn feſt auf ſein ſtruppiges Haar band.Wir ſind in manchem Sturme wie der fliegende Holländer durch die Untiefen der Weſtſee geſegelt, werden alſo auch bei dem Bischen conträren Blaſen, nach ein paar Stun⸗ den geſchickten Kreuzens, ungefährdet an der Wiedings⸗ harde anlegen. Bombüll⸗Hof iſt jetzt ein ſtattlich anzu⸗ ſehendes Gebäude. Der alte Claas hauſ't noch dort, wenn er nicht vor Kurzem erſt geſtorben iſt, die Kinder ſind groß geworden, mit den Dienſtleuten aber ſoll er in der letzten Zeit wenig Glück gehabt haben.

Gerſon hörte nicht weiter auf das Geſchwätz des Alten. Er trieb nur zur Eile und bedeutete ihm im Fortgehen, daß er am nahen Landungsplatze mit ſeinem Fahrzeuge auf ihn und den Vater warten möge.

Siebentes Kapitel. Pelohnte Treue.

Uwe ſaß auf dem Peſel und ſchnitzte hölzerne Löffel; ſeine Schweſter, ein blühendes Mädchen, nach deſſen hübſchem Geſicht und ſchlanker Geſtalt ſchon ſeit Jahr und Tag überall, wo ſie ſich ſehen ließ, die Burſchen aus ſchauten, war am Feuer beſchäftigt. Der Torf war naß geworden und wollte nicht in Brand gerathen. Er glimmte nur und entwickelte eine ſolche Menge gelblichen Rauches, daß dieſer ſich als ſchwere Wolke unter dem Dache lagerte und nur langſam durch den Thorweg und einige Ritze der Wände einen Ausweg ſich bahnen konnte. Ver⸗ drießlich darüber, warf das junge Mädchen eine Hand voll klein geſpaltenes Buchenholz auf, das raſch in hellen Flammen emporloderte. Uwe blickte die Schweſter flüch⸗ tig an und ſchnitzte ungeſtört weiter. Es dauerte aber nicht lange, ſo kniſterte es in dem zuſammen ſinkenden Buchenholzfeuer, die Kohlen bewegten ſich und mit ziem lich lebhaftem Knalle ſprangen eine Menge glühender Holzſtückchen vom Heerde und beſtreuten nach allen Sei⸗ ten hin den Boden. Erſchrocken trat das Mädchen vom Feuer und ſchüttelte einen glühenden Splitter von ihrem Rocke.

Heut iſt die Feurung auch rein toll, ſprach ſie,der Torf brennt nicht und dunſtet, das Holz ſpringt gar und ruinirt einem das Zeug. Du haſt's gewiß vom unrech ten Haufen genommen, Uwe.

Springendes Feuer bedeutet Glück, ſagte der Bru der trocken, ohne ſich etwas dabei zu denken. Indem ging die Thür des Wohnzimmers auf und Margreth' trat auf den Peſel. Sie trug Rad und Rocken, denn ſeit die Tochter des Baas den größten Theil der häuslichen Ar⸗ beiten, namentlich auch die Küchengeſchäfte beſorgte, zog ſie ſich gern zurück. Sie ſpann und webte jetzt oft tage⸗ lang, ſprach nie mehr, als nöthig war, und ging faſt ſichtlich allen Menſchen aus dem Wege. Wie immer nahm ſie unweit des Heerdes Platz auf einem Schemel und begann emſig das Spinnrad zu drehen. Ihr zu

Füßen legte ſich der Hund, dem alsbald mit gekrümmtem