und daß die Verſäumniß dieſes Termines nicht halb ſo un⸗ angenehme Folgen haben dürfte, als wenn etwa ein gericht⸗ licher Termin verſäumt würde. Es erſcheint dem Leſer jetzt nur das Eine wunderbar, daß eine ſolche Zeitungsente, zu deren Verfaſſerſchaft ſich ſchwerlich ein Aſtronom, wohl aber vielleicht ein Spaßvogel bekennen wird, eine europäiſche Verbreitung hat finden können.
Trotzdem giebt es eine Klaſſe von Leuten, denen nur das Unnatürliche als wahrſcheinlich erſcheint, die ihr Schick⸗ ſal lieber vom Stande der Planeten, vom Vogelfluge, vom Kaffeeſatze und von den Karten, als von einer allweiſen Vor⸗ ſehung abhängig wiſſen, die den Aberglauben dem Glauben und das Tiſchklopfen dem Studiren vorziehen. Dieſe Leute werden nun auch natürlich lieber an den Weltuntergang, als an unſere Auseinanderſetzung vom Gegentheile glauben, denn ſie meinen ja noch immer im Kometen eine warnende Zuchtruthe ſehen zu müſſen, welche Peſt, Krieg, Kartoffel⸗ krankheit, Hungersnoth und dergl. üble Dinge mehr als einmal präenumerando, ein andermal postnumerando „bedeutet.“ Für dieſe erſcheint nun zwar eigentlich der Feierabend nicht, gleichwohl aber hat uns die erlangte Ge⸗ wißheit vom Fortbeſtehen der Welt ſo wohlwollend geſtimmt, daß wir denſelben ſchließlich ein Zwiegeſpräch aus Goethe's „Götz“ um ſo lieber in den Kauf geben, als erſtens die ſchau⸗
rigen Viſionen der beiden aufrühreriſchen Bauern über den Kometen gewiß ganz aus ihrer Seele gegriffen ſind und als wir zweitens dieſen Aufſatz, der mit einem Geſpräche begann, am Beſten auch mit einem ſolchen ſchließen. Alſo:
Metzler. Haſt Du den großen Kometen geſehen?
Link. Ja. Das iſt ein grauſam erſchrecklich Zeichen! Wenn wir die Nacht durchziehen, können wir ihn recht ſehen. Er geht gegen Eins auf.
Metzler. Und bleibt nur Fünfviertelſtunden. Wie ein gebogener Arm mit einem Schwert ſieht er aus, ſo blut⸗ gelbroth.
Link. Haſt Du die drei Sterne geſehen an des Schwerts Spitze und Seite?
Metzler. Und der breite wolkenfärbige Streif, mit tauſend und tauſend Striemen wie Spieß', und dazwiſchen wie kleine Schwerter.
Link. Mir hat's gegrauſ't. Wie das Alles ſo bleichroth, und darunter viel feurige helle Flammen, und dazwiſchen die grauſamen Geſichter mit rauhen Häuptern und Bärten.
Metzler. Haſt Du die auch geſehen? Und das zwitzert alles ſo durcheinander, als läg's in einem blutigen Meere, und arbeitet durcheinander, daß einem die Sinne vergehn!
Link. Auf! Auf!
Baden-Baden, und das Spiel.
Eine Warnung.
Von Dr. Woldemar Seyffarth.
Fortſetzung.
Hatte der Graf die Abſicht mit dieſem Worte zu über— raſchen, ſo ſah er ſeinen Zweck erfüllt. Hedwig und Curt blickten ihn gleich groß an. Beiden ſchien der Athem zu ſtocken, der Graf ſich einige Momente an ihrer Beſtürzung zu weiden.„Seid ihr nicht Kinder, Frau Tante und Herr Neffe,“ ſcherzte er dann,„Euch über meinen Vorſchlag zu entſetzen. Er iſt keineswegs unbedingt gemeint. Ich be⸗ ſchränke ihn wie Curt ſeinen Entſchluß, nie zu heirathen. Die Sache iſt einfach dieſe. Du weißt, lieber Curt, oder Du weißt nicht, daß ich Abends gern ein Phombre ſpiele. Ich geſtehe, daß es mir eine Art Bedürfniß iſt. Ich bin ſo glücklich geweſen, auch hier meine Partie zu finden. Wir ſpielen im Reunionslokale, neben dem großen Saale, aus
welchem Du ſo gut warſt die Stühle zu beſorgen. Während
ich dort ſpiele, langweilt ſich meine gute Hedwig.“
„Verzeih, lieber Alexander,“ warf die Gräfin ein;„aber
gewiß, ich langweile mich nicht.“
„Sieh, Kind,“ lächelte der Graf;„das kann nicht an⸗ ders ſein. i*ſt, wenigſtens ſelten vorkommt, daß eine Dame dort ſpielt, und dann nur Damen von unbeſtimmten Jahren, ſo mag ich Dich nicht dazu veranlaſſen.“
„Aber es unterhält mich, lieber Alexander,“ eiferte die Gräfin,„Dich ſpielen zu ſehen, und wenn Du heiter biſt und lachſt, iſt mir das eine Freude, die ich Dir danke.“
„Gut und ſchön, liebe Hedwig,“ verſetzte der Graf. „Dann möchte ich wohl, daß das Spiel oder der alte Gene⸗ ral mit ſeinen dazwiſchen fahrenden Bomben und Kartätſchen mich ſtets heiter und zum Lachen ſtimmte. Nur weiß ich
Du ſpielſt nicht, und weil es nicht gebräuchlich
das Gegentheil. Mag ich jedoch lachen oder nicht, in Er⸗ mangelung nichtſpielender, converſirender Geſellſchaft ſitzt meine arme Hedwig einſam und verlaſſen auf dem Stuhle am verſchloſſenen Piano, und phantaſierſt Du auch ſtill für Dich, bilde ich mir doch ein, daß Du Dich langweilſt. Meine Gedanken ſetzen ſich zu Dir, ſchweifen vom Spiele ab; ich mache Fehler; der alte General flucht Bomben und Kartät⸗ ſchen; ich lache, und Du nimmſt für Heiterkeit, was Theil⸗ nahme an Dir und Leid um Dich iſt... Das kann und darf ſo nicht bleiben,“ fuhr der Graf nach einem tiefen Athem⸗ zuge fort;„ich habe mir das wiederholt geſagt und auf Abhilfe geſonnen, aber nichts Paſſendes erklügeln können. Da ſendet mir der Himmel unſern lieben Curt, und nun verſteht Ihr wohl Beide, was ich damit meinte, daß er Dich mir abneh⸗ men ſolle, meine gute Hedwig?“
„Wenn die Tante mir erlauben will, ſie zu unterhalten, und ich es im Stande bin,“ ſagte der junge Mann halb ver⸗ legen,„ſo wäre das mehr, als ich zu hoffen wage.“
„Jetzt iſt es an Dir,“ wendete ſich der Graf an ſeine
Gemahlin,„dem Neffen in ähnlich ſchöner Phraſe zu ant⸗
worten.“
„So antworte ich,“ erwiederte die Gräfin,„mit dem Wunſche, daß es keine Phraſe war, was er geſagt hat, und ſeine Ritterlichkeit ihn nicht gereuen möge.“
„Womit die Präliminarien für beendet zu achten,“ ſcherzte der Graf;„nun der Vertrag. Artikel Eins: Neffe Curt übernimmt auf Zeit Abends die Unterhaltung ſeiner Tante Hedwig. Artikel Zwei: Tante Hedwig genehmigt die Unter⸗ haltung ihres Neffen Curt. Artikel Drei: Gegenwärtiger


