lich auf die Erfahrung jedes Schulknaben berufen können, wonach ein im Kreiſe geſchwungener Eimer ſeinen flüſſigen Inhalt nur ſo lange hält, als die Bewegung dauert, immer⸗ hin bleiben ſie eben leere Vermuthungen. Man ſieht nicht ab, wodurch das Gleichgewicht geſtört, die Axenrichtung ge⸗ ändert, oder ein plötzlicher Stillſtand bedingt werden ſollte.
Anders aber verhält es ſich mit den Gefahren, welche der Erde von außen, d. h. von anderen Weltkörpern drohen.
Jeder Leſer, der ſich nur etwas mit Aſtronomie beſchäf⸗ tigt hat, weiß aber, daß wir von den Fixſternen, Planeten und Trabanten ſolche Gefahren nicht zu fürchten haben. Denn die Erſteren wechſeln ihre Stellung zu einander nicht, ſie ſtehen eben unwandelbar feſt am Himmelsgewölbe. Die Erde und mit ihr die übrigen Planeten und deren Monde dagegen wandeln von Ewigkeit zu Ewigkeit die ihnen vom Schöpfer vorgeſchriebenen Straßen und um den Quell aller Wärme, alles Lebens, um die Sonne. Die Entfernungen derſelben unter einander wechſeln zwar, aber gleichfalls nach dem ewigen Geſetze ihrer Bahnen. Wir brauchen daher auf die genannten Weltkörper bei unſrer Betrachtung keine Rückſicht zu nehmen.
Nun aber giebt es, wie der Leſer weiß, noch eine andere Art von Weltkörpern, die Kometen. Man könnte dieſelben mit einigem Rechte himmliſche Vagabunden nennen. Sie kommen und gehen am Himmelsgewölbe, werden durch hun⸗ derte von Fernröhren beobachtet und doch haben die Aſtro⸗ nomen nur bei 8 Kometen eine beſtimmte Bahn mit annä⸗ hernder Gewißheit berechnen können. Dieſe Bahn bildet
entweder eine Ellipſe(ſ. Fig. 2.), wie man in einigen Fällen
erwieſen, in den meiſten vermuthet hat, oder eine Parabel (ſ. Fig. 3.). Im letzteren Falle tritt der Komet aus unbe⸗ 1 kannten Himmelsräumen bis in unſeren Geſichtskreis, paſſirt mehr oder weniger nahe an der Sonne vorbei und verſchwindet bei b, um nimmer wiederzukehren. Nun ſind aber innerhalb der uns be⸗ kannten Weltordnung, in welcher die Planeten um die Sonne krei⸗ ſen, 500 Kometen wirklich beob⸗ achtet und das Daſein von min⸗ deſtens 129,000 Kometen nach einem ebenſo wunderbaren, als ſcharfſinnig aufgefundenen ma⸗ thematiſchen Geſetze berechnet worden
Schon aus der Zahl dieſer meiſt an keine nachweisbare Regel gebundenen Haarſterne innerhalb unſers Planetenſyſtems läßt ſich vermuthen, daß wol einmal einer derſelben mit einem Planeten, insbeſondere mit unſerer Erde zu⸗ ſammenſtoßen könne.
Dieſe allgemeine Befürchtung erhält aber noch dadurch eine beſondre Beſtätigung, daß z. B. der Komet von 1770 wirklich in großer Nähe an der Erde(nur 6mal ſoweit als der Mond von ihr entfernt iſt), vorüberpaſſirte, und der Biela'ſche Komet, einer der 8, deren Umlaufszeit bekannt iſt, ſogar am 29. October 1832 bis auf 3992 Meilen, alſo bis auf den 13. Theil der Mondferne an die Erdbahn herankam. An die Stelle jedoch, welcher ſich der faſt ſchweif⸗ loſe Komet ſo unziemlich genähert hatte, kam die Erde frei⸗ lich erſt ziemlich einen Monat ſpäter. Hätte aber der Komet die Erdbahn wirklich durchſchnitten und dächte man ſich an demſelben einen 21 Millionen Meilen langen Schweif, wie beim Kometen von 1811 angeſetzt, ſo würde die Erde, trotz der ungeheuren Geſchwindigkeit des Kometen, welcher 21,000 Meilen in der Stunde zurücklegt, immer noch durch einen Theil dieſes Schweifes haben paſſiren müſſen. Denn trotz dieſer Geſchwindigkeit würden in dem Momente, wo die Erde an jene Stelle kam, erſt circa 12,600,000 Meilen des Schweifes durch die Erdbahn paſſirt und 8,400,000 Meilen deſſelben jenſeits der Erdbahn zurück geweſen ſein.— Ein wirklicher Zuſammenſtoß mit dem Kerne des genannten Ko meten wäre indeſſen nach der Meinung der Aſtronomen erſt im Jahre 1933 zu befürchten.
Es fragt ſich nunmehr nur, ob wir in Folge eines ſolchen⸗
Zuſammenſtoßes mit einem Kometen ſelbſt oder mit deſſen Schweife den Untergang unſrer Welt, d. h. unſrer Erde, zu beſorgen hätten? Wäre in einem ſolchen Falle der Komet nur mäßig groß und beſäße derſelbe nur die Hälfte von der Feſtigkeit unſrer Erde, ſo würden die Folgen für uns Men⸗ ſchen verderbenbringend genug ſein.
Denn abgeſehen von der Möglichkeit, daß die dünne Erdkruſte in Folge des Zuſammenſtoßes zerſpränge, ſo würden begreiflicher Weiſe alle beweglichen Dinge, wir Menſchen einſchließlich, mit einer bedeutend größeren Gewalt in den Weltraum hinausgeſchleudert werden, als wenn die Erde einfach in ihrem Laufe innehielte. Hätte aber der Störenfried gar noch eine ſo gewaltige Größe als der Komet von 1811, deſſen Kopf allein über 500,000 mal ſo viel Raum einnahm, als unſre Erde, ſo könnte es ſich nebenbei ereignen, daß der Komet die Erde gleichſam wie einen Trabanten mit ſich in ſeiner Bahn fortriſſe. Dies wäre aber nicht allein inſofern eine Quelle vernichtender Calamitäten, als ſich wahrſcheinlich neue Erdpole bilden, das geſammte Meer aber ſich auf das Land ſtürzen, ſich um den neuen Aequator häu⸗ fen würde, ſondern es käme noch die Unannehmlichkeit hinzu, daß die Kometen meiſt in einer ſehr großen Nähe an der Sonne vorüberzugehn pflegen. So kam der Komet von 1680 bis auf 32,000 Meilen an die Sonne heran, ſo daß alſo ein Bewohner des Kometen damals, als der Letztere die größte Sonnennähe paſſirte, die Sonne ſo groß geſehen haben würde, daß die einander gegenüber ſtehenden Ränder ihrer Scheibe die Hälfte des Himmelsbogens abgeſchnitten hätten. Auf der Zeichnung Fig. 4. bezeichnet alſo hak die Bahn, a den Standpunkt des Kometen, die Linie gbede den Bogen des Himmelsgewölbes und bfd die von a aus ſichtbare Scheibe der Sonne.
Es wäre ſonach das Verhältniß der Sonnengröße zur Größe des ganzen ſichtbaren Himmelsgewölbes ſo bedeutend geweſen, wie dies Fig. 5. darſtellt. Auf letzterer Zeichnungbildet der äußere Kreis das Himmelsgewölbe, der innere den Umfang der Sonne im Momente jener angenommenen Beobachtung ab.
Nimmt man nun an, die Sonnenwärme werde im Ver⸗ hältniß zur Annäherung größer, ſo daß bei der halben Ent⸗ fernung noch viermal ſoviel Wärme ſich entwickele u. ſ. w.,


