gewirkt hat, iſt mir eben ſo unbekannt geblieben, wie alles Andere, was mein Geburtsland angeht. Ich erinnerte mich ſeiner jetzt, weil einige Landsleute vorübergingen.“ Dann müſſen auch frieſiſche Schiffe im Hafen liegen.“ „Ich ſah doch nirgends die frieſiſchen Farben.“
„Die ſieht man kaum in Jahren einmal,“ erwiederte Vermeeren,„doch das iſt kein Grund, daß nicht frieſiſche Seefahrer unter uns leben. Die meiſten dienen auf eng⸗ liſchen, hamburgiſchen, und bremer Schiffen. Es bedarf nur eines Wortes, um ſich darüber Gewißheit zu ver⸗ ſchaffen.“
Von fern ließ ſich jetzt eine rauſchende Muſik hören; auf der Straße ward es wieder lebhaſter. die Hand ſeines Gaſtfreundes.
„Ich nehme Sie beim Wort,“ ſagte er ernſt.„Füh⸗— ren Sie mir einen Mann zu aus Nordfriesland, der am Feſtlande, wie auf den Inſeln gleich heimiſch iſt, und
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wenn Sie jemals erwartet haben, daß ein Menſch Ihnen
Dank ſagen werde, ſo bin ich es, Sie ſollen ein Recht haben, mich, wenn ich es unterlaſſe, zu jeder Stunde, an jedem Orte daran zu mahnen.“
„Ihr Wunſch ſoll erfüllt werden,“ gab Vermeeren lachend zur Antwort,„und wenn ich von Ihrem Danke nichts hören will, ſo werden Sie mir deshalb, hoff ich, wohl keinen Prozeß an den Hals werfen.“
Noch während der Kaufmann ſprach, war die Muſik, begleitet von einer ſummenden Menſchenſchaar, vor Ver⸗ meeren's Hauſe ſtehen geblieben. Der Name des Ge⸗
feierten ging von Munde zu Munde und als Ipſen ſich
am Fenſter zeigte, ſcholl ihm ein rauſchendes Hurrah ent⸗
Ipſen ergriff und mit gellenden Tönen brachte die Muſik dem
gegen. Tücher, Mützen und Hüte wurden eſcheen
elden des Tages einen Tuſch. Ipſen war genöthigt zu danken und ſpäter die Huldigungen anzunehmen, mit denen ihn die Bevölkerung Amſterdam's zu beehren für Pflicht hielt.
(Fortſetzung folgt.)
Reinhardsbrunn.
Eine Pfingſtwanderung.
Mit einer Abbildung.
Das holde Pfingſtfeſt war gekommen. Der Mai ſchien endlich ſeinen Aprillaunen Valet geſagt zu haben. Das trübe, froſtige Antlitz, das er bisher gezeigt, hatte ſich zu einem heitern Lächeln verklärt. Zwiſchen den jungen Sproſſen des ſaftgrünen Laubes ſpielten die ſon⸗ nigen Strahlen des freundlichen Pfingſtmorgens und die gefiederten Sänger hüpften von Aſt zu Aſt, von Zweig zu Zweig, dem langerſehnten Frühling ihre zwitſchernden Grüße bringend.
Es iſt etwas Wunderbares um einen milden, heiteren Frühlingsmorgen,— und nun vollends, wenn die feier⸗ lichen, weithintönenden Pfingſtglocken mit den ſchüchternen Maiglöcklein des Waldes um die Wette läuten. Da wird das Herz ſo weit und voll, gleichwie von„Orgelton und Glockenklang“ durchbebt; da ſpiegelt ſich der blitzende Sonnengruß nicht blos in den Thauperlen, die an jedem Hälmlein zittern, er ſpiegelt ſich auch in unſern feuchten Blicken und dringt erwärmend und verklärend in die tiefſte Seele hinab; da wölbt ſich Berg und Thal und Wald und Feld zu einem majeſtätiſchen Dome, auf deſſen Altären zahlloſe Frühlingsopfer duften, und es drängt uns un⸗ widerſtehlich, hinaus und hineinzutreten in dieſen Dom und mit weit geöffneten Armen die Natur und den in ihr waltenden Geiſt gleichſam an's Herz zu drücken.
Als ich ſo in ſtillen Betrachtungen an meinem Fenſter ſtand und die friſche, gewürzige Frühlingsluft mit vollen Zügen ſchlürfte, rief eine befreundete Stimme herauf: „Und du, Langſchläfer, verträumſt den prachtvollen Mor⸗ gen? Herab und hinaus! die Thale dampfen, die Höhen glüh'n. Es winkt das ſäuſelnde Waldesgrün.“
Und wohin? fragte ich lächelnd.—„Wohin anders, als nach Reinhardsbrunn!“ entgegnete Freund Karl.„Dort ſammelt ſich heute alle Welt, und vorzugsweiſe die ſchöne.“
Da dürfen wir freilich nicht fehlen! rief ich ihm ſcher⸗ zend zu. Und nach wenigen Minuten war ich gerüſtet und
wanderte mit meinem Freund in heiterem Geplauder nach dem Bahnhofe.
Im Fluge trug uns der nächſte Wagenzug von Gotha nach Fröttſtedt. Dort lenkt eine Zweigbahn nach Wal⸗ tershauſen ab. Aber ſtatt der brauſenden Locomotive traben magere Gäule hin und her, ſo daß ein rüſtiger
Fußgänger nöthigenfalls mit dem Eiſenbahnzuge Schritt
halten könnte.
Das freundliche Städtchen Waltershauſen iſt eine gar einladende Pforte zu dem hehren Naturtempel des Thüringer Waldes. Darum ſtrömen hier die Gäſte, namentlich an freundlichen Sonn⸗ und Feſttagen, unab⸗ läſſig ab und zu, um ſich entweder in den reizenden Fel⸗ ſenkellern gütlich zu thun, wo Gambrinus mit überſpru⸗ delndem Humor ſein gewaltiges Scepter ſchwingt, oder durch den nahen Hochwald zu ſtreifen und vorzugsweiſe in dem wundervollen Aſyl des Reinhardsbrunner Thales, das nur eine Stunde entfernt iſt, zu raſten.
Es war noch früh am Tage. Nachdem wir uns in der Bahnhofsreſtauration gemüthlich erfriſcht hatten, be⸗ traten wir den ſorgſam gepflegten Keſtner'ſchen Garten, der mit ſeinem zierlichen Pavillon ein kleines, doch ent⸗ zückendes Bild entfaltet. Der Beſitzer, welcher ein viel⸗ bewegtes Leben hinter ſich hat, iſt durch ſeine großartige Puppen⸗ und Spielwaarenfabrik, die für die armen Be⸗ wohner der Umgegend zu einer willkommenen Nahrungs⸗ quelle geworden, weit und breit bekannt.
Schloß Tenneberg grüßte von ſeinem bewaldeten Felſenhaupte ſo lockend herab, daß ich mit meinem Freunde in dem Wunſch zuſammenſtimmte, über den langgeſtreck⸗ ten Schloßberg hinüber gen Reinhardsbrunn zu wandern. Zwar berührten wir auf dieſem Wege nicht die allbe⸗ rühmte Erziehungsanſtalt Schnepfenthal, die, ein ſegensreiches Denkmal des unvergeßlichen Chriſt. Gott⸗ hilf Salzmann, unmittelbar an der Fahrſtraße von
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