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Herausgegeben von Heinrich Schwerdt. Wöchentlich 1 ½— 2 Bogen. Durch alle Buchhandlungen und alle Poſtämter des Fürſtl. Thurn⸗ und Taxis'ſchen Poſtgebiets für 12 ½ Ngr., und im Deutſch⸗Oeſterreichiſchen Poſtvereinsgebiete für 15 Ngr. vierteljährlich zu beziehen. ——————————-—:—— Der Admiral aus Friesland. V Erzählung von Ernſt Willkomm. V Fünftes Kapitel. V Die Flucht über das Watt. . 1 4. Zu ſeiner Beruhigung fühlte Ipſen feſten, wenn auch Niß Ipſen war nicht ſo genau vertraut mit den Fluth⸗ ſcchlüpfrigen Grund unter ſeinen Füßen. Er athmete er⸗ bewegungen der Weſtſee, daß er ſich Rechenſchaft über die mmuthigt wieder auf, und indem er das noch immer röth⸗ Dauer der Ebbe hätte geben können. Die Watten lagen lich ſchimmernde Beil, mit dem er den Schweden er⸗ frei und ſchaumlos vor ihm, ſo weit ſein Auge reichte; ſchlagen hatte, mit grimmigem Drohen gegen das hinter nur hie und da flimmerten zwiſchen den ſchwarzen, welligen ihm liegende Feſtland erhob, murmelte er unverſtändliche Gründen ſchmale, blitzende Streifen, in denen der Flie⸗ Worte zwiſchen den Zähnen. hende die Rinnſale erkannte, welche die Wogen zwiſchen Für gerettet durfte er ſich jetzt halten, das wußte die Wattenfelder eingegraben haben und durch die ſie mit Ipſen. Erlag er dennoch ſeinem Schickſal, ſo fiel er dem zurückgetretenen Ocean in Verbindung ſtehen. Aus wenigſtens nicht in die Hände erbarmungsloſer Feinde; der großen Ruhe auf den Watten ſchloß Ipſen, daß die nur Gott allein konnte ihn ſchlagen und vernichten. Zeit der Tiefebbe ſchon eingetreten ſei oder doch nahe be⸗ + Aber es ſtanden dem im Eifer der Nothwehr zum Todt⸗ vorſtehen müſſe, und dies ließ ihn auf's Neue Hoffnung ſchläger gewordenen Frieſen noch ſchwere Stunden bevor, faſſen. Auch die große Stille in der Luft begünſtigte die
b und Gefahren, die er gar nicht ahnte, konnten im ent— Ausführung des Planes, den er jetzt ſchnell und ohne ſcheidenden Momente ſich zu Gebirgen um ihn aufthürmen langes Beſinnen entwarf. Hatte er Glück, fand er die und ihn zermalmen. unterſeeiſchen Pfade und überraſchte ihn nicht die Fluth Der bleifarbige Pfad, den ſein eilender Fuß betrat, zur Urzeit, ſo konnte er Sylt erreichen, das lang geſtreckt, war nicht bewohntes Land. Auf dieſen weiten, glatten, düſter, geheimnißvoll, hier finſter, wie ein rieſiger Eiſen⸗ unebenen Feldern wuchs kein Grashalm. Der Wind block, dort im Süden weißlich glänzend, als hätten die trocknete dieſe ſalzigen Gründe nie aus, er berührte ſie Nymphen des Meeres ſilberne Schleier auf die ſandigen nur zeitweilig, um dann die brandende Meerfluth unter Abhänge der Dünen gebreitet, vor ihm lag.
ſchäumendem Rollen und Wogen wieder darüber hin— Es war ein gewagtes Unternehmen, ganz allein, im brauſen zu laſſen. Wo Ipſen jetzt wandelte, konnten ſich Dämmer des Zwielichtes, der leicht irre führen konnte4,f 1 ſchon wenige Stunden ſpäter Robbe und Delphin tummeln, über die Watten zu gehen und Ipſen fühlte ſein Herz 9 Roche und Haifiſch auf Fang ausgehen, und Seeſterne ſtärker klopfen. Allein, es blieb ihm keine Wahl, den
undd Mollusken ihre geheimnißvollen Spiele treiben. bereits hatten die nachſetzenden Schweden ſeine Geſtalt,


