Jahrgang 
1857
Seite
132
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einen Mordbrenner böſeſter Art erblickten. Die ſchlim⸗ men Eigenſchaften, welche man allgemein dem General der Schweden beilegte, übertrug die Menge ſelbſtverſtänd

lich auch auf alle ſeine Officiere, und da man der Anſicht

war, ein ſo ſittenloſes, an Gräueln aller Art Gefallen findendes Officiercorps werde ſicherlich den rohen Haufen der Soldateska nicht mit großer Sorgfalt zügeln, ſo fürchteten alle Landbewohner dieſe verrufenen Krieger des Nordens mehr als eine Räuberbande.

Die Aufregung, die ſchreckhaften Bilder, mit denen ſeine Einbildung ihn quälte, ließen Ipſen nicht ſchlafen. Wenn er dennoch die Augen feſt ſchloß und ſich auf's Ohr legte, kam es ihm vor, als höre er in der Ferne das klir⸗ rende Raſſeln ſchwer Geharniſchter, das Schnauben galloppirender Roſſe, das Halloh wilder Reiterſchaaren und das ſchmetternde Geſchrill zum Angriff blaſender Kriegshörner. Richtete er dann ſich wieder auf, ſo war

tigte er das leicht zu behandelnde Thier. Vor dem Ge⸗ räuſch des ungewohnten Nachtwandlers flohen auch, lauter als ſonſt die Tenne mit den Füßen ſchlagend, die ſpielenden Kaninchen.

Ipſen näherte ſich jetzt der Kammer ſeiner Verlobten, die unfern des Herdes und dicht zur Seite des Wohn⸗ raumes der Herrſchaft ſich befand. Er lauſchte mit an⸗ gehaltenem Athem. Sein Geſicht erheiterte ſich und es ſchien ihm wohler zu werden, als er das regelmäßige

ſanfte Athmen der Geliebten durch den dünnen Bretter⸗ verſchlag vernahm.

freilich Alles ſtill um ihn, nur ſein Blut rollte in fieber-

haft raſcher Bewegung durch ſeine Adern, klopfte in Stirn und Schläfen, und gaukelte ihm allerhand phantaſtiſche Bilder vor. Dann und wann bewegte ſich eins der Roſſe unter ihm und ſchlug mit dem Hufe gegen die Bohlen,

oder ein paar Kaninchen verließen ihre Höhlen im Kuh⸗

ſtoßen.

ſtall und ſpielten auf der geſchlagenen Tenne des Hofes,

vor jedem Sprunge das eigenthümliche Klopfen ihrer Hinterläufe hören laſſend.

Ipſen verbrachte ein paar Stunden in dieſem pein lichen Zuſtande. Aber wie ſehr er ſich auch abmühte, den Schlaf herbeizurufen, es gelang ihm nicht. Da ſprang er endlich unwirrſch auf und ſtieg hinab auf die Tenne. Sein Lieblingspferd, ein junger, ſchöner Grau⸗ ſchimmel, erkannte den Tritt ſeines Pflegers und begrüßte ihn mit freundlichem Gewieher.

Still, Hans, ſtill! Wecke den Baas nicht, ſagte Niß Ipſen flüſternd, ſeine Hand durch die Raufe ſteckend und den weichen Hals des treuen Thieres ſanft klopfend. Mit einigen Stückchen Schwarzbrod, die der ruheloſe Knecht noch in einer Taſche ſeines Wamſes fand, beſänf⸗

Jetzt kehrte Ipſen um, ſchob den Holzriegel am Thore zurück und trat hinaus in die ſternenhelle, kühle Nacht. Die blätterloſen Fliederbäume und die vom Weſtwinde ſchief gebogenen, krüppelhaften Linden bewegten ſich im Nachtwinde. Das Gebell eines einzelnen Hundes ſcholl dumpf vom Süden her, ging nach einiger Zeit in lauteres Geheul über und verlor ſich dann ganz.

Ipſen umſchritt das anſehnliche Gebäude vorſichtig, als fürchte er irgendwo auf einen verſteckten Feind zu Er konnte indeß nichts Verdächtiges entdecken. Die Sterne blickten ſtill und friedlich, wie immer bei hel lem Wetter, kein Feuerzeichen röthete den Horizont, kein Fackellicht glühte verdächtig auf über der monotonen braunen Fläche der Aecker und Wieſen, kurz, es lag ein Frieden über die Wiedingharde ausgebreitet, als gäbe es weder Schweden im Lande noch einen grimmigen General Steenbock, der ſie befehligte.

Etwas beruhigter durch dieſen nächtlichen Gang um den Hof, kehrte Ipſen zurück in denſelben. Er ſah noch einmal nach den Pferden, ſprach noch ein paar Worte mit dem verhätſchelten Grauſchimmel, der ihm dafür dankbar die Hand leckte, und ſuchte dann ſeine Lagerſtätte wiederum auf. Wirklich beſuchte ihn jetzt der Schlaf, und zwar befiel er den ermüdeten Knecht nunmehr ſo ſchwer, daß ihn der Baas am nächſten Morgen dreimal bei Namen rufen mußte, ehe er ihn ermuntern konnte.

(Fortſetzung folgt.)

Bilder aus den deutſchen Gauen.

I. Der Hörſelberg.

Von Ludw. Bechſtein.

(Mit zwei

Unter den Bergen des ſchönen Thüringerlandes iſt der Hörſelberg in mannigfacher Beziehung einer der bedeutendſten, anziehendſten und weit genannteſten. Von vielen Punkten aus der Ferne geſehen, erſcheint er un gleich höher als er wirklich iſt, und hat ganz das Anſehen eines Alpenberges, wie denn ſeine Form im Kleinen der des Rigi ähneln ſoll. Schroff und kahl aus dem Hörſelthale ſo ſteil aufſteigend, daß es an vielen Stellen unmöglich iſt, ihn zu erklimmen, erhöht noch eine Art Felshorn an der weſtlichen Seite, nach Eiſenach zu, das eigenthümliche Ausſehen, das nach gewiſſen Richtungen hin einem Sarge gleicht. Nur an ſeinem Fuße und eine Strecke aufwärts iſt der Hörſelberg von Bäumen und Geſtrüpp

bewachſen, der höhere Theil zeigt ſich völlig kahl und un-

fruchtbar; nach Norden zu dacht ſich jedoch dieſer ſchroffe

Abbildungen.)

Rücken ſanft nach dem Thale des Flüßchens Neſſa ab und iſt mit Ackerkrume bedeckt. Auf ſcharfer Kante ſteigt man vom Dorfe Sättelſtädt aus zum Rücken des Berges hin⸗ auf, überwandelt dieſen, wozu man faſt eine Stunde braucht, und gelangt dann an die ſteile weſtliche Ab dachung, wo nur wenige Schritte abwärts vom Gipfel der Eingang in die weitberufene kleine Höhle ſich findet.

Vor vielen andern Höhen Thüringens hat die Sage ſich den Hörſelberg zum Liebling und zwar ſeit undenk⸗ lichen Zeiten auserkoren, doch bevor des reichen Sagen⸗ kranzes, der den nackten Zauber- und Wunderberg ſo füllreich ſchmückt, näher gedacht wird, mag ein Eingehen auf des Berges Lage und phyſikaliſche Beſchaffenheit am Orte ſein. 1

Vom Voigtlande an bis in das Thal der Werra bei