Das Oede und Wüſte des Ortes, der düſtere, regungsloſe
Waſſerpfuhl, das ungewöhnlich dichte Laubdach des Waldes,
ſammt dem dadurch bewirkten höhlenartigen Dunkel, bildete einen ſchauerlichen Contraſt mit dem mannigfach Lebendigen, was dem Auge an dieſem abgelegenen Platze begegnete. Bunte Regſam⸗ keit herrſchte in dieſer Heimath der Einſamkeit, und was das Sonderbarſte war, ſie verſtärkte das Gefühl der Verlaſſenheit nur noch mehr, indem ſie fortwährend daran erinnerte, daß der⸗
gleichen nur fern von menſchlichen Wohnſitzen zu finden ſein könne.
Eine Menge Raubthiere, Schakals, Geier, Adjutanten und Ge⸗ würm, ſammelte ſich von allen Seiten um und in dem Pfuhl, an welchem der Elephant gefallen war, und harrte des Augen⸗
blicks, wo die Reihe zu ſchmauſen, an ſie kommen werde. Wäh⸗
rend der große Alligator den Rieſenleib des Elephanten noch gierig zerfleiſchte, wurde einer der Eingebornen vorgeſchickt, um auf ihn zu ſchießen. Die Geſellſchaft wollte nämlich die Wirkung des Knalles auf die raubgierige Verſammlung des düſteren Thales beobachten.
Der Diener that, wie ihm geheißen war. Die Kugel prallte von dem Alligator ab, als wäre ſein Panzer von Diamant; die Scene der Verwirrung aber, welche nun erfolgte, läßt ſich nicht ſchildern. Das ganze Thal ſchien ſich plötzlich zu beleben. Das Schnauben des von ſeiner Beute verjagten Ungeheuers; das Geräuſch, welches die in Erwartung eines Schmauſes auf dem Waſſer ſchwimmenden, nun untertauchenden Alligators machten;
das Heulen der Schakals, das Kreiſchen der Geier— Alles dies machte ein hölliſches Concert, von dem die Jäger ſich mit Ent⸗
ſetzen wegwandten.— Als ſie nach vollbrachtem Tagewerk zu
ihren Zelten zurückkehrten, beſuchten ſie den ſchauerlichen Ort noch einmal und fanden nur noch das Skelett des Elephanten.
Die Knochen waren ſo rein abgenagt, als wären ſie mit allem Fleiß für ein Muſeum präparirt worden. Die letzte Hand hatten die ſchwarzen Ameiſen an's Werk gelegt, welche ſich der Kadaver bemächtigen, wenn die größeren Raubthiere weggegangen ſind, und das Gerippe ſo rein und weiß zurücklaſſen, als wäre es von Menſchenhand bearbeitet worden.
Die höhmiſche glasinduſtrie, die auf allen Märkten und in allen Ausſtellungen ihre Triumphe feiert, ruht, insbeſondere was die Erzeugung der Farben betrifft, vielfach auf dem Ge⸗ heimniß, das ſich von Vater auf Sohn forterbt und ſelbſt von dem Hilfsarbeiter ſorgfältig bewahrt wird. Egermann, der zu europäiſcher Berühmtheit gelangte Neſtor der böhmiſchen Glasinduſtrie, hat die mannichfachſten Glasfarben erfunden; ſein Muſterbuch weiſt über 100 verſchiedene Muſter auf. Aber ſein Schweigen über das Wiel des Proeeſſes iſt unerſchütterlich, wie ein Fels, und er iſt voll Mißtrauen gegen die ſpaniſchen und portugieſiſchen Lehrlinge, die heute noch, obwohl nicht mehr in ſo großer Anzahl wie früher, aus der pyrenäiſchen Halbinſel nach Haida kommen, um dieſen Induſtriezweig zu erlernen.
Dieſe Lehrlinge haben ihm viele ſeiner Geheimniſſe abgelauſcht,
daher ſein Mißtrauen, ſeine Vorſicht. Egermann’s Rubinglas iſt indeſſen noch nirgends mit Erfolg nachgeahmt worden, keiner
von allen Verſuchen konnte die Pracht deſſelben erreichen. Auf
dieſer Geheimnißbewahrung beruht der Vorrang, den die böh⸗ miſche Glasinduſtrie auf dem Weltmarkt genießt und ſchon aus der althergebrachten Herkömmlichkeit derſelben läßt ſich auf das hohe Alter der böhmiſchen Glasinduſtrie ſchließen.
Der böhmiſche Glaszeichner iſt unſtreitig im wahren Sinn ein naturwüchſiges Genie. Er bedient ſich keines Inſtruments, wie der Graveur. Er ſitzt vor einem durch Waſſerkraft getriebenen rotirenden Rädchen und hält das Gefäß, in welches das Rädchen
die Zeichnungen einſchneidet, in freier Hand. So werden die ſchönſten Landſchaften, Schlachtenzeichnungen, Thierſtücke ein⸗ geſchnitten und der Künſtler— hat nicht bloß niemals zeichnen gelernt, ſondern kann ſogar weder leſen noch ſchreiben.
Die ihrem Inhalt nach intereſſanten, obwohl nachläſſig ge⸗ ſchriebenen„national⸗ökonomiſchen Briefe aus dem nordöſtlichen Böhmen von Theophil Pisling“ geben einen Abriß der Geſchichte der böhmiſchen Linneninduſtrie, der wir einige Notizen entnehmen. Schon im 14. Jahrhundert ſtand dieſe Induſtrie in voller Blüthe. Im Jahre 1515 wurde den Linnenwebern von Rumburg der erſte Innungsbrief ertheilt. Die Kriege des 16. und insbeſondere des 17. Jahrhunderts konnten ſie nicht ganz ertödten; ſie fing am Ende des 17. Jahr⸗ hunderts wieder an ſich zu heben und erreichte ihren Höhepunkt in dem letzten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts, wozu die unter Maria Thereſia erfolgte Befreiung vom Zunftzwang bei⸗ getragen haben mag. Dieſe Blüthe der böhmiſchen Linnen⸗ induſtrie knüpft ſich an den Namen Anton Salomon’s, eines Rumburger Bürgers. In den Jahren 1780— 1791 wurden 298,559 Ctr. Linnen nach dem Ausland ausgeführt, die nach den damaligen Preiſen mit 44,783,800 fl. bezahlt wurden. Der Abſatz im Inlande läßt ſich nicht angeben. Einige Regierungs⸗ maßregeln, z. B. die Beſchränkung der Ausfuhr inländiſcher Garne, die Trennung des Handels von der Produktion haben jedenfalls auf Hebung dieſer Induſtrie eingewirkt. Dieſer und andern Regierungsmaßregeln fehlte indeſſen die conſequente Durchführung. Gegen das Ende des Jahrhunderts begann die gefährliche Concurrenz der Baumwollenmanufactur. Im Jahre 1785 beſtanden in Oeſterreich ſchon? Baumwollenetabliſſements, welche 160,000 Stück im Werth von 3 Mill. lieferten und 40,000 Menſchen beſchäftigten. Das Rohmaterial kam aus der Türkei, über Ungarn per Achſe oder aus Smyrna über Trieſt zur See. Als Kaiſer Joſeph II. 1786 die Einfuhr engliſcher Baumwollengarne geſtattete, nahm die Baumwolleninduſtrie von Warmsdorf in Böhmen aus einen ungeheuren Aufſchwung. Damit begann der Verfall der Linneninduſtrie. Das Weitere that dann die Einführung der Maſchine in die Flachsſpinnerei, womit England dem Continent voranging, während man hier Anſtand nahm damit ſo raſch als möglich nachzufolgen. Die Handarbeit aber kann nicht mit der Maſchine concurriren: der Arbeitslohn der Handſpinner ſank auf drei Kreuzer per Tag herab. Eine neue Periode für die Linnenſpinnerei konnte auch in Böhmen erſt mit der Einführung der Maſchine beginnen. Es beſtehen jetzt in Böhmen 8 Etabliſſements für Maſchinen⸗ ſpinnerei mit 34,000 Spindeln. In der Weberei iſt die Hand⸗ arbeit noch vorherrſchend; aber der Weber iſt zu einem jämmer⸗ lichen Daſein verurtheilt, da ſein Arbeitslohn ſich etwa auf 20 Pf. täglich ſtellt.
Die Bauholzproduktion in Nordamerika iſt eine wahrhaft rieſige zu nennen. Bei Peterborough in Canada iſt unter andern eine Sägemühle mit 136 Sägen im Gange. Sie ſchneidet inner⸗ halb eines Zeitraumes von 9 Monaten 70,000 Stämme. Eine einzelne Firma, Egen u. Comp., beſchäftigte im letzten Winter
allein 2800 Mann zum Holzfällen, 1700 Pferde und 200 Stiere
zum Schleppen des Holzes und 400 doppelte Züge um Eſſen für die Menſchen und Futter für das Vieh beizuſchaffen. Der Holz⸗ vertrieb iſt in Canada ſo geſtiegen, daß aus Quebec allein im vorigen Jahre an 18 Millionen Kubikfuß Tannenhol ausgeführt wurden, während 1847 die Ausfuhr nur 9,626,000 Kubikfuß be⸗ trug. Dennoch ſind Canadas Wälder auf noch viele Jahre im Ueberfluß mit Holz verſehen.
Verlag von Hugo Scheube in Gotha.— Verantwortl. Redacteur: Hugo Scheube in Gotha.— Druck von Gieſecke à Devrient in Leipzig.
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