Jahrgang 
1857
Seite
97
Einzelbild herunterladen

‿½ 1

=

4 4 S

XX X+

Perſiſche Artillerie.

von Damask, Bruſſa, Samarkand u. ſ. w., in der frucht⸗ geſegneten Landſchaft, welche die ſchmuzreiche Stadt mit dem üppigſten Kranze eines überreichen, blühenden Pflan⸗ zenwuchſes umzieht, weshalb Herat bei den Perſern auch dieStadt mit hunderttauſend Gärten heißt. In der That iſt nach M. Wagner das vom Fluß Herirud*) durchſtrömte Thal mit den reizendſten, herrlichſten Frucht⸗ und Blumengärten, Weinbergen, Getreidefeldern und Dorfſchaften, einer grünen Erde voll Buchen, Quellen und ſprudelnder Springbrunnen bedeckt, deren Waſſer nach der Meinung der Morgenländer, die das friſche Quellwaſſer ſo hoch ſchätzen, ja ſo heilig halten, an Friſche, Kühle und ſtärkender Labung alle Waſſer Aſiens mit Ausnahme der Quellen Kaſchmirs übertrifft. Dabei iſt das Klima in der Umgebung von Herat frühlings⸗ artig, und es kommen hier nur die Obſtarten der kühlen Zonen vor, während die Fruchtbäume der wärmeren Himmelsſtriche, Orangen, Citronen, Palmen, Zucker⸗ rohr, fehlen. Der britiſche Reiſende Conolly erzählt von einer ganz abſonderlichen Sitte der Einwohner von Herat rückſichtlich des Obſtgenuſſes. Da man nämlich die Früchte, ſtatt ſie auf dem Markt zu kaufen, friſch von

*) Dieſer Fluß verliert ſich im Sande der Turkomanenwüſte, ohne daß ein Tropfen von ihm das Meer erreicht.

Bäumen ißt, ſo wiegt man jeden Beſucher eines nicht ihm gehörenden Gartens beim Ein- und Austritt und läßt ihn dann nach dem Unterſchiede des Gewichts be⸗ zahlen.

Die Stadt Herat hat im Laufe der Jahrhunderte furchtbare Schickſale und ſchreckliche Verheerungen von Seiten mongoliſcher und perſiſcher Eroberer erlebt und wurde mehrmals gänzlich in einen Trümmerhaufen ver⸗ wandelt; aber ſie erſtand immer wieder, wie ein Phönix, aus der Aſche; denn immer zog der nie verſiegende Se⸗ gen, welchen die Natur in die fruchtſtrotzende Erde ſenkte, neue Bewohner, Pflanzer und Ackerleute, und immer rief die Lage an dem großen Durchzugswege zwiſchen Perſien und Indien neue Handelsleute herbei.

In Folge dieſer Wechſelfälle ſind die herrlichen Bau⸗ werke, welche ehemals die alte Königsſtadt nach der Schilderung der morgenländiſchen Schriftſteller ſchmück⸗ ten, entweder ganz vom Erdboden verſchwunden oder bald mehr, bald weniger verwüſtet. Der Königsgarten (Bagh⸗Schahi von dem jüngſt verſtorbenen großen Ken⸗ ner des Morgenlandes Joſeph von Hammer⸗Purgſtall genannt), der einſt im Morgenlande als ein Wunder der Welt galt, liegt mit ſeinen Paläſten nach den überein⸗ ſtimmenden Berichten aller neuern Reiſenden in Trüm⸗ mern. Bei Herat liegen auch die ſelbſt in ihrem äußerſten