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Was beliebt.
Das Leben der Thiere im Verlauf der Jahreszeiken. März.
Ein regeres Leben beginnt in der Thierwelt. Hamſter, Eich⸗ hörnchen und Wieſel ranzen; die wilden Schweine werfen, und die Fledermäuſe erwachen nun gänzlich aus ihrem Winterſchlaf, wie auch die kleine Haſelmaus und der europäiſche Igel, welche ihre Erdhöhlen verlaſſen. Zu Anfang des Monats kommen im ſüdlichen Deutſchland ſchon die Störche an, Dohlen, Saatkrähen, Singdroſſeln u. a. ſpäter; wilde Gänſe und verſchiedene Enten⸗ arten ziehen nach Norden. Kibitze paaren ſich; der Goldammer fängt an zu ſingen; die Finken ſchlagen; die Krähen(Nebel⸗ krähen) legen Eier und brüten. Viele Reptilien und Inſecten verlaſſen bei gelinder Witterung ihren Winteraufenthalt. Mehrere
Fiſche laichen.
Aus einem amerikaniſchen Brieſe. Neuerdings verbreitete ſich das Gerücht, daß in den Staaten Teneſſee, Kentucky, Miſſouri, Texas ꝛc. eine Negerempörung ausbrechen ſollte. Wenn daſſelbe auch bedeutend übertrieben war, ſo iſt der ſklavenhal⸗ tende Süden der vereinigten Staaten doch in Schrecken und Allarm dadurch verſetzt worden. Man ängſtigte ſich mit allen Gräueln eines Negeraufſtandes; die weiße Bevölkerung bewaffnete ſich bis an die Zähne. Staffeten flogen durch das Land von einem Ort zum andern; eine Menge Sklaven wurden in Ketten gelegt und alle Negerkirchen geſchloſſen. Wenn zwei Schwarze zuſammen ſprachen, wurden ſie gezüchtigt. Kurz, eine wahre Tollheit des Schreckens durchzuckte alle Sklavenbeſitzer und bemächtigte ſich ſogar der ſüdlichen Congreßmitglieder in Waſhington. Na⸗ türlich wurden viele verdächtige Sklaven erſchoſſen oder gehängt und einige Weiße der Aufwiegelung beſchuldigt, geprügelt und des Landes verwieſen.
Wie reimt ſich nun dieſe paniſche Furcht mit der neuerdings ſo oft wiederholten Verſicherung zuſammen, daß die Sklaverei ein wahres Glück für die Neger und ein Segen für ihre Herren ſei? Es iſt das dann Alles Lug und Trug. Die Sklavenhalter wiſſen, daß ſie auf einem Vulkane ſtehen, der ſie jeden Augen⸗ blick unter der glühenden Lava einer ihre Kette zerbrechenden, lange mißhandelten Menſchenrace begraben kann.—
Eines der großartigſten Werke dieſes Jahrhunderts wird durch die unterſeeiſche Telegraphenverbindung zwiſchen Europa und Amerika in einigen Monaten ausgeführt werden. Das Tau wird auf einem im atlantiſchen Ocean von Irland nach Neufundland ſich hinziehenden Erdrücken gelegt werden. Dier von engliſcher wie amerikaniſcher Seite angeſtellten Unterſuch⸗ ungen haben ergeben, daß der Boden des Meeres allenthalben zu erreichen iſt und daß die untern Waſſerſchichten ſtets ruhig ſind. Daß Tau wird 2500 engliſche Meilen lang und in zwei Theile getrennt werden, wovon jeder auf ein beſonderes Schiff wekpackt wird. Die Schiffe werden auf der Hälfte des Weges 8 Enidei, der beiden Taue verbinden und dann das eine nach Frlaflodas andere nach Neufundland fahren und auf der Fahrt das dlenteiplentdu verſenken. Man glaubt, daß dieſe Operation liis ei Wiehwen Wochen vollendet wird. Die Ausführung iſt binc dee Wnr Jüttibe immt, nachdem zuvor im April die Engliſche igegiedums dir enze Strecke nochmals in Länge und Tiefe meſſen laſſen wird. Die brittiſche Regierung hat der atlantiſchen Telegraphencompagnie einen Zuſchuß von 70,000
Dollars alljährlich bewilligt und das Maximum des Preiſes für die Meldung eines Wortes auf vier engliſche Schillinge(faſt 1 Dollar) von London bis New⸗York beſtimmt. Dieſer Tele⸗ graph wird eine gewaltige Revolution in den wechſelſeitigen Be⸗ ziehungen der alten und neuen Welt erzeugen. In New⸗York wird, da es hinter der Zeit von London ſechs Stunden iſt, eine Meldung, die Abends um 6 Uhr von London abgeſendet wird, bereits um Mittag des nämlichen Tages ankommen. Demnach würden der Uhrenzeit nach, die europäiſchen Ereigniſſe durch den Telegraph hier eher bekannt werden, als ſie geſchehen ſind. Die Zeitungsſchreiber werden dann die Vergangenheit in die Zukunft legen und die Berichte zu Prophezeiungen machen. Auf unſere Handels⸗ und ſonſtigen Verhältniſſe zu den europäiſchen Staaten muß dieſer Telegraph einen ungeheuren Einfluß haben. Die dortigen und hieſigen Schwankungen der Märkte werden voll⸗ kommen gleichzeitig ſein.
Nicht mit Unrecht befürchten die amerikaniſchen Politiker, daß der brittiſchen Regierung dadurch eine ſehr bedenkliche Macht, gegenüber den Vereinigten Staaten, zuwächſt. Beide Enden des Telegraphen münden auf engliſchem Boden(Irland und Neu⸗ fundland) aus, und im Falle eines Zerwürfniſſes oder Krieges würde Erſteres durch den alleinigen Beſitz und durch die alleinige Beherrſchung dieſes Communicationsmittels im bedeutenden Vortheile gegen Amerika ſein. Daher wird auch das Unter⸗ nehmen von amerikaniſcher Seite mit ziemlich ſcheelen Auge
betrachtet und Präſident Pierce hat den Plan, auch Seitens der
amerikaniſchen Verwaltung der Compagnie eine reichliche Unter⸗ ſtützung zufließen zu laſſen, auf den Rath ſeiner Freunde wieder aufgegeben.*)
Ein Zeitungsungeheuer. Noch in dieſer Woche erſcheint— oder iſt vielleicht bereits erſchienen— in Paris eine neue Zeitung unter dem Titel„Le Monstre“(das Ungeheuer). Das Format dieſes„Ungeheuers“ wird dreimal ſo groß ſein, als das des größten der franzöſiſchen Blätter, die bekanntlich ſchon eine recht anſehnliche Größe haben. Ein einziges Exemplar dieſes„Monſter“ wird hinreichend ſein, den umfangreichſten Roßhaar⸗Frauenun⸗ terrock überziehen zu können. Daß der Redacteur, Leon Luspés, ein etwas abenteuerlicher Kopf iſt, wird für unſere Leſer einer beſondern Verſicherung kaum bedürfen.
Aeber das Rnochenpulver als Düngemittel. Wenn Kno⸗ chenpulver einige Zeit mit Waſſer in Berührung bleibt, ſo findet man, daß das Waſſer dann Beſtandtheile der Knochen aufgelöſt enthält. Die Auflöslichkeit der wirkſamen Beſtandtheile der Knochen nimmt zu, je länger das Waſſer in Berührung mit den Knochen bleibt. Aus dieſer Thatſache geht hervor, daß aus den Knochen ohne alle künſtliche Zubereitung, die phosphorſauren Erdſalze ausgezogen und im gelöſten Zu⸗ ſtand in den Boden übergeführt werden können, vielleicht gerade in der, für die Thätigkeit, für die ſie beſtimmt ſind, erforderlichen Menge, und daß bei den Anwendungen Knochenpulver als Düngemittel einfach wol die Vorbereitung hinreicht, das man es während der Sommerzeit in Haufen fort⸗ während benetzt und feucht erhält.
*) Wir werden von dieſem höchſt merkwürdigen Unternehmen in einem ſpätern Artikel ausführlich berichten. D. Red.
Verlag von Hugo Scheube in Gotha.— Verantwortl. Redacteur: Hugo Scheube in Gotha.— Druck von Gieſecke& Devrient in Leipzig.
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