auch den Goldfaſan heißen. Wenn ich wollte, könnte ich
9
ſollte er heißen. Vor mir hat er nun Ruhe. Was bildet ſich
eben ſo gut einen ſeidenen Schlumper und einen Hut mit ſo ein elender Stecher ein? Will er etwa nur mit Gräfin
Schleier tragen wie jene drei dummen Dinger. Aber nicht wahr, Herr Pech, ein ehrlicher Name iſt mehr werth als Firlefanz, und erleben will ich's noch, daß jene lüderlichen Mamſellchen eines Tages vor meine Thür betteln kommen. Der Krug geht ſo lange nach Waſſer, bis er zerbricht. Habe ich nicht Recht, Herr Pech?“
Anſtatt die Frage zu bejahen, ſtand Julius auf, ging in den Hintergrund der Hausflur und verſchloß in un⸗ ſanfter, ſeinen Willen verrathender Weiſe die offen ge laſſene Hofthür. Stumm ſetzte er ſich dann wieder an ſeine Arbeit und widmete der hübſchen Annette weiter keinen Blick. Dieſe warf das Näschen und die Lippen auf und ſprach erzürnt zu ſich ſelbſt:„Pflock, nicht Pech,
nen anbinden? Oho, Herr Pflock, wir fühlen uns ebenfalls und laſſen uns nicht ungeſtraft über die Achſel anſehen.“ Von nun an ließ Annette gefliſſentlich die Hofthür offen ſtehen, ſo oft ſie Waſſer zu holen kam. Ueberdieß hetzte ſie unter allerlei erdichteten Vorſpiegelungen ihre ſämmtlichen Kameradinnen in der Nachbarſchaft gegen den Petſchirer auf und bewog dieſelben, durch das Offen laſſen der Hofthür dem jungen Manne einen Poſſen zu thun. Mit häßlicher Schadenfreude ſahen die dienſtbaren Rächerinnen Annettens mit an, wie Julius fort und fort von ſeiner Arbeit aufſtehen und die Thür verſchließen mußte, wenn er nicht der ſchädlichen Zugluft ausgeſetzt bleiben wollte.(Fortſetzung folgt.)
Georg Waſhington.
Von H. K.
(Mit einer Anſicht des Capitols in Waſhington.)
Unſere Blicke ſind in dieſen Tagen auf ein Land ge⸗
richtet, das in einem hohen Grade unſere Aufmerkſamkeit in Anſpruch nimmt. Weilen doch in demſelben ſo manche theure Verwandte und Bekannte, tritt es doch immer mehr und mehr mit uns in Verbindung, blüht es doch in kaum geahnter Größe auf und wird nach ſtürmiſcher
Wahl am bevorſtehenden 4. März einen neuen Präſi⸗
denten, Buchanan, an ſeiner Spitze ſehen, deſſen Re⸗ gierungszeit manch' wichtiges Ereigniß für die neue und alte Welt bringen wird!
Am 24. Februard. J. ſind es 125 Jahre geweſen, daß Nordamerika's größter Mann, ein Mann des Volkes im wahren Sinne des Worts, Georg Waſhington, in der Grafſchaft Weſtmoreland im Staate Virginien geboren ward. Sein Urgroßvater war etwa 100 Jahre vorher aus England dorthin eingewandert. Frühe ſtarb ihm ſein Vater, und ſo lag die Laſt der Erziehung auf den Schultern der Mutter, welche ſie jedoch in Verbindung mit einem Lehrer vortrefflich leitete. Durch Fleiß und Anſtrengungen erwarb ſich der Knabe, obſchon die rechten Bildungsanſtalten fehlten, viele Kenntniſſe, beſonders in der Mathematik. Daher fand er bald Arbeit und Ver⸗ dienſt als Feldmeſſer auf größeren Gütern, übte ſich jedoch auch nebenbei im Militärweſen. Neunzehn Jahre alt, erwirbt er ſich ſchon Auszeichnung als Major und Adju tant bei der Vertreibung der Franzoſen und Indianer,
welche durch häufige Einfälle den Staat Virginien beun-
ruhigten. Noch tapferer ſtritt er als Oberſt und Befehls⸗ haber der virginiſchen Truppen gegen die Franzoſen in dem Kriege zwiſchen dieſen und den Engländern, ſpäter nochmals gegen die fortwährend unruhigen Indianer, und immer mit glücklichem Erfolge.
Im Jahre 1758 zog Waſhington ſich in das Privat⸗ leben auf ſeinen ſchönen Landſitz Mount-Vernon am Fluſſe Potomac zurück, wo er am 6. Januar 1759 mit Martha Dandridge, verwitweten Cuſtis, getraut wurde. Dort verlebte er glückliche Tage, der Liebe, Freundſchaft und ländlichen Beſchäftigung gewidmet. Nur dann und wann rief ihn die Wahl ſeiner Landsleute als Abgeord⸗
neter in die Stadt. So floſſen ihm 15 Jahre dahin, und er wünſchte, daß es ſo bleiben möchte.
Doch der Menſch denkt, und Gott lenkt! Eine andere Laufbahn ward unſerm Waſhington beſchieden. Bekannt lich war ſein Vaterland eine Kolonie von England ſeit 150 Jahren und früher von letzterem milde und vorſichtig behandelt worden; allein ſeit neuerer Zeit fing England an, die Kolonien zu drücken und in ihre Handelsthätigkeit zu beſchränken und zu feſſeln. Die gerechten Beſchwerden wurden im Mutterlande nicht beachtet; mehre Congreſſe der Amerikaner beriethen die zu ergreifenden Maßregeln, welche endlich auf Widerſtand und Vertheidigung laute ten, als die Engländer einige Regimenter Soldaten in die Kolonie geſandt hatten. Am 15. Juni 1775 wurde Waſhington einſtimmig zum Oberfeldherrn über die Truppen der 13 verbündeten Staaten erwählt. Er nahm die Wahl an, jedoch auf Beſoldung freiwillig verzichtend.
Der General brachte Ordnung in die ordnungsloſe Armee und handelte ſtets nach vorausgegangener Ver⸗ ſtändigung mit dem Congreſſe und den Regierungen der einzelnen Staaten. Dies ſchwierige Werk gelang ihm nur durch ſeine außerordentliche Ruhe, Pünktlicheit, Auf⸗ richtigkeit und milde Berückſichtigung. Er vermied vorerſt eine Schlacht— gleich jenem Römer Fabius Cunctator — und ſuchte dem Feinde jede Schwäche abzulauſchen. Die feindliche Flotte durfte ſich der Stadt Boſton nicht nähern, und deßhalb ſah ſich der engliſche General Howe genöthigt, von jeder Hülfe abgeſchnitten, dieſen Platz zu räumen. Dennoch mußte ſich Waſhington bald darauf zu einem Rückzuge von New⸗York bequemen, als dort ſein General Sullivan ein Treffen verloren hatte, jedoch den Feind durch kleine Angriffe fortwährend beunruhigte. Am 4 Juli 1776 wurde die Unabhängigkeit der Vereinig⸗ ten Staaten von Nordamerika ausgeſprochen und dem General Waſhington auf 6 Monate unumſchränkte Ge walt verliehen, worauf er mehre ſiegreiche Gefechte be⸗ ſtand, Philadelphia rettete und der Nation das geſunkene Selbſtvertrauen wieder gab. Im Jahre 1777 geſchahen nur einige Hin- und Hermärſche, aber jene Stadt ging


