worin Blumen, Früchte u. ſ. w. verkauft werden, ſowie die Räume für die Wirthſchaft, die Conditoreien u. ſ. w. Die Mitte des Saales iſt von einer großen Gruppe exo⸗ tiſcher Pflanzen eingenommen. Ebenſo ſind die Treppen zu den Arcaden und deren Seiten reich mit Blumen ver⸗ ziert. Der Saal iſt in der Mitte 60 Fuß hoch. Durch eine Verhüllung von koſtbaren Vorhängen am Saalende treten wir in den eigentlichen Wintergarten. Ein Ach! der Ueberraſchung entſchlüpft unwillkürlich den Lippen, und wir eilen gegen die Mitte des vor uns lie⸗ genden weiten Raumes, eine Menge von Schönheiten zu unſern Seiten überſehend, zu dem prächtigen Spring⸗ brunnen, der aus der Mitte eines dreißig Fuß breiten Baſſins ſeinen ſtarken Strahl faſt bis zur Kuppel des Glasdomes emportreibt und von fern einer glänzenden Kryſtallſäule gleicht. Das klare Waſſer des Baſſins ſchimmert roth von zahlloſen Goldfiſchen, und mehre Schwäne nehmen den ganzen Tag die Gaben der füttern⸗ den Beſucher in Empfang. Hinter dem Springbrunnen zieht uns in ziemlicher Entfernung eine neue romantiſche Waſſerpartie an. Wir erblicken einen Waſſerfall, der ſich in drei Abſätzen über natürlich geordnete, eine Gebirgs⸗ ſchlucht vorſtellende Felſen ſtürzt und dann als ruhiger Bach durch eine ſchöne Raſenfläche dem Baſſin zufließt, Die Felſen ſind mit den verſchiedenſten fremden Gebirgs⸗ pflanzen geſchmückt, in der Nähe des Waſſers mit Farrn— kraut, Aronsgewächſen und Selaginellenmoos verſchiedener Art, auf den trockneren Stellen mit Cactus jeder Art und andern trocknen Felſenpflanzen. Dieſe ganze Felſenpartie iſt ſo natürlich und großartig gehalten, daß der Gedanke einer künſtlichen Anlegung fern bleibt. Auf der Spitze des höchſten Felſens über dem Waſſerfall ſitzt ein großer Lämmergeier von Bronze mit ausgebreiteten Flügeln, im Begriff ſich mit ſeinem Raube aufzuſchwingen. Der Boden des Wintergartens hat kleine hügelartige Anſchwel⸗ lungen, die nach den Seiten am ſtärkſten ſind, ſo daß man an den ringsum laufenden Wegen in gleicher Höhe mit den Arcaden des Saales iſt, während die Mitte tiefer liegt, was den Reiz und den Anſchein der Natürlichkeit ungemein erhöht. Von dieſen erhöhten Seitenwegen kann man einen großen Theil des Wintergartens überblicken, am beſten von der Grotte über den Felſen, zu der ein ſchwindelnder Gebirgsſteig in vielen Windungen aufwärts führt. Der ganze Wintergarten ſtellt ein reizendes Luſtgebüſch von tropiſchem Character, mit Raſenplätzen abwechſelnd, vor. Die vielfach gewundenen, aber doch nicht unnatürlich ge⸗ zwungenen Wege von gelbem Asphalt ziehen ſich, bald eben, bald ſteigend oder fallend, durch hohe Gebüſche blühender Camellien, an denen an Ballabenden noch große Maſſen höchſt natürlich nachgeahmter Blumen prangen, durchſchneiden kleine Raſenplätze, wo 30 Fuß hohe Palmen ihre rieſigen Wedel ausbreiten, überſchreiten den Bach
auf verſchiedenen Brücken und führen ungezwungen zu allen Schönheiten der zauberiſchen Schöpfung. Statuen
Ein Hafball in
Von S...
Es wird jetzt zur Zeit der winterlichen geſellſchaft lichen Luſtbarkeiten unſern Leſern in Stadt und Land ſicher nicht unintereſſant ſein, die ausführliche Beſchrei⸗ bung eines der letzten Hofbälle in den Tuilerien, dem
und andere Werke der Sculptur ſind überall paſſend an⸗
gebracht. Eine Menge von großen Spiegeln verdoppelt die ganze Umgebung und bringt in gewiſſer Entfernung ſo täuſchende Wirkungen hervor, daß man das Spiegelbild oft nicht von der Wirklichkeit unterſcheiden kann. Fremde und einheimiſche Vögel, bald in beſonderen großen Käfigen, bald unſichtbar in den Gebüſchen verſteckt oder auch frei umherfliegend, beleben dieſes wunderbare Stück Natur.
Wir haben bis jetzt blos das Innere betrachtet und uns dem Gedanken hingegeben, als müßte dies Alles ſo ſein, als wären wir durch einen Zauber aus dem naß⸗ kalten, räucherigen Dunſtkreis der Seineſtadt in ein fernes glückliches Land verſetzt. Jetzt ſchweifen unſere Blicke an den Grenzen dieſes kleinen Paradieſes und richten ſich zum Himmel. Hier bricht ſich aber der Zauber; denn obſchon das Eiſenwerk des Gebäudes ſo leicht und zierlich iſt, daß man hoch oben ein rieſiges Spinnengewebe zu ſehen glaubt, obſchon das Glas hell und durchſichtig iſt, ſo bemerken wir dennoch, daß wir uns in einem Gefängniß befinden; denn es fehlt der Horizont, es fehlt die wirkliche Himmelskuppel. An den Seiten iſt wenig von dem Bau⸗ werk zu bemerken; denn alle Säulen, Sparren und Eiſen— verbindungen ſind mit zierlichen Schlingpflanzen bekleidet, welche das ohnehin dünne Eiſengerippe unſichtbar machen. Ueberall, wo Eiſen in den innern Raum vortritt, ſind zahl⸗ loſe Ampeln mit hängenden Blumen und nicht wenigen Hängelichtern angebracht. Eine angenehme Wärme von 12 Grad und eine mit Ofengeruch im Gefolge verbreitet ſich durch verſteckt angebrachte kupferne Heißwaſſerröhren gleichmäßig über alle Räume und vermehrt ſich nur auf der Höhe des Felſens und den ſeitlichen Gallerien.
Um einen rechten Ueberblick des Wintergartens zu gewinnen, haben wir ihn bei Tage beſucht. Aber welcher Zauber liegt über ihm ausgegoſſen, wenn er an Ball⸗ abenden bei ſogenannten Italieniſchen Nächten durch Tauſende von bunten Laternen und Lampen erleuchtet iſt, wenn Concertmuſik durch die Palmen klingt und glänzende Damentoiletten mit der ſchimmernden Blumenpracht wett⸗ eifern! Noch reizender erſcheint uns derſelbe, wenn wir aus dem hell erleuchteten Prachtſaale in das Halbdunkel der ge⸗ wöhnlichen Beleuchtung blicken, wenn wir den Sternenhim⸗ mel durch Tauſende von Sternlampen nachgeahmt finden, die ungeachtet der großen Menge in dem ungeheuren Raume eine nur mondſcheinartige Beleuchtung hervorbringen. Dann wandeln die Liebenden koſend oder ſich neckend durch die halbdunkeln Gänge, leiſes Flüſtern tönt aus jeder Laube, und auf dem dämmernd erleuchteten Felſen zeigen ſich ſchnell verſchwindend weiße Frauengeſtalten in geiſterhafter Er⸗ ſcheinung. Einen herrlicheren Ort, ſich von der Hitze des Balles abzukühlen, gibt es nicht, und keine ſchönere Gele— genheit für zärtliche Herzen. Wenn wir alles dieſes fühlen und erleben, dann ſagen wir wol: ja wir ſind in Paris; denn nur Paris weiß ſolche raffinirte Genüſſe hervorzu⸗ bringen.(Ein zweiter Artikel folgt.)
den Cuilerien.
e.
bekannten Reſidenzſchloſſe des Kaiſers Napoleon III., zu erhalten. Wir folgen bei dieſer Schilderung im Weſent⸗ lichen einer Correſpondenz der Oeſterreichiſchen Zeitung.
Ueber die Hoffeſte in den Tuilerien und über die dort


