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nach Würzburg hinunter. Als es aber auf dem langen Weg an der Altmühl hinauf gar kein Kreuz und keine Kapelle fand, wo es hätte den Wanderbündel ablegen, niederknien und ſein heimwehſchweres Herz erleichtern. können, auch nicht wußte, daß überall, wo ſich gläubige Knie beugen und kindliche Hände falten, ein Bethel iſt, wurde es immer müder, nicht allein in ſeinen Gliedern, ſondern auch in ſeiner Seele. Und als es gar ein Nach
ſtanden, ward es ihm vollends, wie denen, die an den N
Waſſern zu Babel ſaßen und weinten, wenn ſie an Zion gedachten. Aber das Spital an der Altmühl nahm es gaſtfreundlich auf. Und als es hier nach etlichen Tagen völlig genas und zuletzt noch von den wunderbaren Füh rungen des Waiſenknaben von Mooskorb hörte, gewann es wieder Zuverſicht und ſetzte ſeinen Weg getroſt fort.
Die gemeinnützige Baugeſellſchaft in Berlin.
(Mit drei Anſichten.)
Der Pauperismus— wie man ein altes Uebel mit einem fremden Namen getauft hat iſt durchaus kein Kind der neuern Zeit. Durch alle Jahrhunderte tönt die Klage hindurch: die Armuth wächſt uns über den Kopf! und ſchon im alten Rom, wo man die Schätze der halben Welt verpraßte, lagen Scharen von Bettlern auf dem Markte und ſtreckten gierig ihre Hände aus. hat man im Mittelalter— das man ſo gern mit glänzen den Farben ſchmückt—, was hat man da gethan, um die Armen zu beſchwichtigen? Man glaubte den Hunger mit dem Stock niederhalten oder austreiben zu können, indem man die Bettler in's Gefängniß warf, bis auf’s Blut peitſchte, mit glühenden Eiſen brandmarkte oder wol gar zum Tode verurtheilte. Mit dem letzteren Mittel war freilich am gründlichſten geholfen. Aber der Hunger kehrte ſich nicht daran. Er kam immer wieder und hat mit all' ſeinen Schrecken und Greueln in der„guten alten Zeit“ die Menſchheit ungleich öfter heimgeſucht, als jetzt, und die Sterblichkeit iſt in den unteren Volksclaſſen viel größer geweſen, weil ſie elender lebten, als die Proletarier der Gegenwart.
Wie läßt ſich dies aber mit der unableugbaren Erſchei nung zuſammenreimen, daß doch in unſern Tagen die Ver armung immer weiteren und tieferen Boden gewinnt?
Nun jal der Pauperismus nimmt zu. Man kann dieß mit Zahlen beweiſen, die gar nicht aus dem Feld zu ſchla⸗ gen ſind. Europa allein ſoll von 13 Millionen Bettlern. überſchwemmt ſein, für die das preußiſche Land kaum Raum genug bieten würde, wenn ſie ſich alleſammt darin niederlaſſen wollten. Und wenn man den jährlichen Unter halt eines Bettlers nur mit 20 Thalern veranſchlagt, ſo würde eine Summe von 260 Millionen mehr, als die ſämmtlichen Einkünfte aller deutſchen Staaten!— erfor derlich ſein, um ihnen des Lebens Nothdurft zu gewähren.
Auf der andern Seite aber iſt auch, dieſer bedeutenden Erſcheinung gegenüber, die rein menſchliche— und darum chriſtliche Liebesthätigkeit noch nie ſo geſchäftig ge⸗ weſen, die Wunden der Zeit zu heilen und ihre Schmerzen zu lindern, denn gerade jetzt.
Ueberall Noth und Elend, daß ſich nicht ſelten Aug' und Ohr verſchließen möchten, um den Jammer nicht zu ſehen und zu hören; aber auch überall offene Herzen und Hände, um zu helfen und zu fördern in allen Leibesnöthen. Ol die Seele wird uns warm und weit, wenn wir alle die wohlthätigen Anſtalten, die ſich den Auf⸗ und Aus
Und was
eines gedeihlichen und erfreulichen Volkslebens zur großen
und ſchönen Aufgabe geſtellt, wenn wir die vielſeitigen
Beſtrebungen in'’s Auge faſſen, die mehr oder weniger darauf berechnet ſind, auch der Armuth ein erträgliches, ja wol ein behäbiges Daſein zu ſichern.
Einen der glücklichſten Verſuche, dieſes Ziel zu er reichen und den Lohnarbeitern eine häusliche Selbſtſtän digkeit zu gewähren, die ſie für gauviele Entbehrungen entſchädigt und über gar viele Sorgen emporhebt, iſt von der gemeinnützigen Baugeſellſchaft in Berlin angeregt und bis auf unſere Tage immer ſegensreicher fortgeführt worden. Denn wer weiß nicht aus der„vier ten Bitte“, daß zum„täglichen Brot“ auch„Haus und
Hof“ gehört? Und ob ſchon die Stadt Berlin jährlich über
600,000 Thaler für die Armen verwendet, wie Viele gibt es dennoch, die nicht wiſſen, wo ſie des Abends ihr Haupt hin legen ſollen, die ihr Lebenlang nicht zum Bewußtſein häus licher Selbſtſtändigkeit kommen! Je maſſenhafter aber die Bevölkerung der großen Städte wächſt, um ſo theuerer werden auch die ärmlichſten und erbärmlichſten Mieth⸗ wohnungen, um ſo lauter wird der Nothſchrei nach einem ſichern Obdach, darunter man von des Tages Laſt und Kummer ausruhen mag, ein Nothſchrei, den ſelbſt Napoleon auf ſeinem ſtolzen Throne nicht überhört, aber auch nicht zu beſchwichtigen vermag.
Aus dieſen Erfahrungen und Erwägungen iſt die ge⸗ meinnützige Baugeſellſchaft in Berlin hervorgewachſen,
eine der wenigen geſunden und gewiß eine der edel⸗ ſten Früchte an dem ſturmzerwühlten Baum des Jahres Achtundvierzig! Der hochherzige Prinz von Preußen über nahm nicht blos das Protectorat des wohlthätigen Ver⸗ eins, ſondern führt auch in voller Würdigung der ſegensreichen Bedeutſamkeit, die ihm zu Grunde liegt den Vorſitz bei wichtigen Berathungen und beſichtigt nicht ſelten die Bauten, welche die Geſellſchaft theils in Angriff genommen, theils vollendet hat.
Im J. 1849 begann die Geſellſchaft ihr ſchönes Werk, das ſie auf vierprocentige Actien ſtützte, und in dem kurzen Zeitraum von 7 Jahren hat ſie fürwahr Unglaubliches geleiſtet. Schon ſtehen gegen 40 Häuſer in und um Ber lin, welche die gemeinnützige Baugeſellſchaft errichtet hat. Darin befinden ſich außer zahlreichen Werkſtätten, Waſch häuſern, Baderäumen ꝛc. etwa 300 Wohnungen, inwelchen gegen 1000 Perſonen geſund, bequem und augenehm leben. So hat die Geſellſchaft ihre große und ſchöne Aufgabe, unbemittelten Handwerkern und Tagelöhnern, ſowie auch Beamten, armen Witwen u. dergl. billige, geſunde und räumliche Wohnungen zu verſchaffen, bis jetzt erfüllt, und die Vielen, welche nicht mehr der Prellerei und dem
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fröſteln von dem kalten Fieber ſpürte, das es erſt nen
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