Jahrgang 
1857
Seite
38
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herrliche Pflanze im Winter zur Blüte bringen läßt, verleiht ihr einen hohen Werth. Ja, im Grunde erfreuen die im Topfe blühenden Hyazinthen noch mehr, als die im Garten; denn letztere blühen zu einer Zeit, wo das Wetter oft noch rauh und veränderlich, der Aufenthalt im Garten daher nicht angenehm iſt. Auch kann man auf den niedrigen Beeten die ſchönen Glocken gar nicht recht betrachten. An den Topfblumen aber kann man ſich mit größter Bequemlichkeit erfreuen, und dieſer Genuß hat einen doppelten Werth, wenn es draußen noch winterlich ſtürmt.

Um etwa im Februar blühende Hyazinthen zu haben, muß man im Januar, und will man ſie in den erſten Tagen des Monats zur Blüte bringen, ſchon Ende December mit dem Treiben beginnen; denn um dieſe Zeit dauert daſſelbe 45 Wochen. Treibt man die Zwiebeln zu ſtark, um ſie früher in Blüte zu haben, ſo ſetzt man ſie leicht auf's Spiel. Die Zwiebeln dagegen, welche man zu Anfang des Februar warm ſtellt, blühen bei geeigneter Behandlung ſchon Ende des Monats, ſpäter warm geſtellte bereits nach 3 Wochen, und ſo immer früher, je näher der Frühling kommt, und je weiter die Blumen vor dem Warmſtellen bereits vorgerückt ſind.

Die im Septemberund Oktobereingepflanzten Zwiebeln werden mit den Töpfen zunächſt in Erde oder Sand ge⸗ graben, bis ſtrenge Kälte das Einbringen in den Keller nothwendig macht. Hat man keinen Garten, ſo genügt ein Kaſten mit feuchtem Sand gefüllt, den man an einen kühlen Ort ſtellt. Die Töpfe werden ſo tief eingegraben, daß der obere Rand mehre Zoll tief bedeckt iſt. So brauchen die Zwiebeln bis zum Beginn des Treibens nicht begoſſen zu werden; denn die Erde bleibt gleichmäßig feucht. Steht der Kaſten unter Dach, ſo wird zuweilen der ganze Sand angefeuchtet. Auch in guten Kellern finden die Zwiebeltöpfe einen günſtigen Standort, beſonders wenn man ſie in Sand eingräbt. Will man zu Weihnachten oder Neujahr blühende Hyazinthen haben, ſo muß man ſie ſchon gegen Anfang November warm ſtellen; denn um dieſe Zeit brauchen ſie wenigſtens 6 Wochen bis zur Blüte. Eine weſentliche Bedingung aber iſt, daß man die hierzu geeigneten Sorten wählt, weßhalb auch jeder Topf mit einem Sortenzeichen von Holz verſehen ſein muß. Zu einer ſo frühen Blüte ſind nur wenig einfache Sorten geeignet. Ich nenne unter den früheſten: Homerus, Gellert und Görres, roth, beſonders die erſtere Sorte mit größter Sicherheit; Graf von Büren, Henri le grand, Emilius, hellblau; Vulcain, l'ami du coeur, dunkelblau; Heſter Clifford, Premier noble, la jolie Blanche, weiß. Um bis Mitte Januar Blumen zu haben, genügt es, wenn mit dem Treiben vor Mitte December begonnen wird. Da Hyazinthen im Doppel⸗ fenſter oder kühlen Zimmer mindeſtens 14 Tage, oft aber auch 4 Wochen lang blühen, ſo genügt es, wenn man alle 14 Tage einige Töpfe in die Wärme bringt. Von Mitte December an können alle in den Verzeichniſſen der Zwie belhändler mit einem Frühzeichen(gewöhnlich einem*) verſehenen Sorten, darunter auch einige gefüllte, warm geſtellt werden. Unter den billigeren Sorten dieſer Auswahl ſind folgende, außer den ſchon genannten früheſten, ſehr ſchön und laſſen ſich gut treiben: Rothe: Belle Eleonore, Charlotte Mariane, Hergeſtellter Frieden, Mars, Pronkjuweel; blaue: Emicus, Königsmantel, Aigle noir, la Crepuscule, Kaiſermantel, Prinz von Sachſen⸗Weimar; weiße: Blandina, Henri le grand

Staatengeneral, Bouquet joli, Reine de Hollande; weiß mit rothem Rand: Molière, Triomphe Blandina, Incomparable de Berlin. Von gefüllten Sorten kann man um dieſe Zeit nur wenig Sorten treiben, und dieſe haben meiſtens nur wenigblumige Blütentrauben; es ſind: La bien aimée, blau, Purpur von Tyrus, violett, Hugo Grotius, roth, Il paſtor Fido, roth, Latour d'Auvergne und Nanette, beide weiß, Amanda, Anna Maria, Mathilde, Virgo, ſämmtlich weiß, gefüllt mit violetten oder rothen Rändern. Auch einige gelbe Sorten, z. B. Orondatus, König von Holland, Bouquet orange, Fleur d'or laſſen ſich um dieſe Zeit ſchon treiben. Von Ende December an kann man die meiſten Sorten warm ſtellen, mit Ausnahme der prachtvollſten und theuerſten, beſonders gefüllten Blumen, die man nicht dem unge⸗ wiſſen Gelingen überlaſſen will. Eine beſondere Bevor⸗ zugung verdient dabei die herrliche dunkelroſenrothe ge⸗ füllte Bouquet tendre, die ſich von Neujahr an mit Sicherheit treiben läßt.

Schon vor Weihnachten mit dem Treiben zu beginnen, iſt immer bedenklich, da häufig die Zwiebeln geopfert werden, wenn man durch Anwendung hoher Wärme eine frühe Blüte erzwingen will. Wer nur wenig Zwiebeln beſitzt, möge ja bis Neujahr warten, ehe die erſten warm geſtellt werden. Hat man ſogenannte Rommelzwiebeln, das ſind ſolche, wo die Sorten nicht einzeln bezeichnet ſind, ſo thut man wohl, bis Mitte oder Ende Januar zu warten, wo man dann an den bereits über der Erde erſcheinenden Blumen erkennt, welche Töpfe warm zu ſtellen ſind. kauft werden, ſind jedoch nur dann zu empfehlen, wenn man eine große Menge treiben will und außerdem zur Frühzucht geeignete Sorten beſitzt. Man nehme dann aber wenigſtes Rommel in Farben, damit man nicht etwa zufällig nur eine Farbe auf einmal in Blüte hat.

Zum Treiben eignet ſich jedes bewohnte, hinlänglich warme Zimmer. Das einfachſte Verfahren iſt folgendes: Man ſtellt jeden Topf in einen Unterſetzer in die Nähe des Ofens, am beſten auf ein erhöhtes Bret, einen Mauervorſprung, überhaupt hoch. Ueber die ſich zeigenden Knospen ſtellt man einen kleinen Blumentopf oder eine Düte von dunklem Papier; denn hell ſtehende Zwiebeln bekommen ſelten hohe Stengel. Waſſer wird täglich von unten gegeben. Wenn die ſich hebende Blüte anſtößt, nimmt man die Bedeckung weg, läßt aber die Töpfe immer noch dunkel, doch weit vom Fenſter ſtehen, bis ſich der Stengel einige Zoll über die Erde erhoben hat oder die Blüte ſich zu färben beginnt. Sobald ein Drittheil der Glocken aufgeblüht iſt, ſtellt man die Töpfe an einen kühleren Ort, am beſten in das Doppelfenſter. So iſt das Treiben ſicher, aber in den Monaten December bis Februar etwas langſam. Die ſpäter, zu Ende Februar, warm geſetzten Töpfe kann man ſogleich in das Fenſter ſtellen, da ſie ohnedies hohe Stengel bekommen. Die Beſchleunigung des Treibens hat zwar zuweilen das Ver⸗ derben der Zwiebel zur Folge, indem die Wurzel ver⸗ brennt; indeſſen kann man bei gehöriger Vorſicht dieſe Gefahr vermeiden und muß wohl auch den Verluſt wagen, wenn man vielleicht zu einem beſtimmten Tage frühzeitige Blumen haben will. Zum ſchnellen Treiben finden ſich in manchen Häuſern paſſende Plätze auf warmen Mauern und neben Oefen, beſonders in Küchen, Dienſtbotenſtuben und ſelbſt am Herd. Fehlt es an einem ſolchen Platz, ſo ſtellt man die Töpfe mit

Die Rommelzwiebeln, die wohlfeiler ver⸗