wie ein Scheibchen, ungefähr von der Größe einer durch ſchnittenen Billardkugel. Wahrſcheinlich ſind die Orga⸗ nismen dieſes Weltkörpers fähig, ſolche Lichtberaubungen, die ſich, wie wir weiter unten ſehen werden, durch den Ring noch verſtärken, zu ertragen, ohne unterzugehen, und es ſcheint überhaupt für ſie das Sonnenlicht kein nothwendiges Erforderniß zu ſein.
Noch merkwürdiger iſt das Saturnjahr; denn der Planet vollendet ſeine mehr als 1200 Millionen Meilen lange Bahn in 10,758 Erdentagen oder in etwa 29 ½ Erdenjahren. Wahrlich! ein langes, ſehr langes Jahr; und leſen die Saturnmenſchen in ihrer Bibel, wie wir in der unſrigen:„Unſer Leben währet ꝛc,“ ſo kann ein ſolcher Menſch das Alter von 2000. bis 2300 Erdenjahren erreichen, und es können daſelbſt vielleicht noch ſolche vor⸗ handen ſein, deren Eltern und Großeltern zur Zeit des babyloniſchen Thurmbaus lebten. Soͤnderbar, ein ſo ſehr langes Jahr und dagegen ein ſo ſehr kurzer Tag!— Letzterer beträgt nur höchſtens 10 ½ Stunden, während ſich der Planet um ſeine Achſe dreht. Ach! 10 ½ Stunde, wie würden wir Erdenkinder da unſere Zeit einzutheilen haben?— Und die Jahreszeiten: Frühling, Sommer, Herbſt und Winter, jede zu etwa 7 ½ Jahren,— wir würden ſie zweifelsohne recht langweilig finden. Jal wie mögen dieſelben beſchaffen ſein, da der mächtig große Ring, der um die Saturnkugel ſchwebt, letztere abwechſelnd be ſchattet und ihren Bewohnern den Anblick unſerer Him melskönigin von Zeit zu Zeit entzieht?— Betrachten Sie, geehrte Leſer, hier den Saturn mit ſeinem Ringe in der ſogenannten henkelförmigen Geſtalt!
Saturn mit ſeinem Ringe.
Dieſer Ring, den wir in unſerer ganzen Sonnen weltordnung nur ein einziges Mal*) um einen Planeten gelegt finden, dieſer Ring iſt es eben, der uns die oben erwähnten ſonderbaren Geſtalten durch gute Fern röhre zeigt.
Bisweilen erblickt man den Saturn völlig rund und ohne Ring; eine Zeit nachher fängt der Ring an, ſich als eine gerade Linie an beiden Seiten zu zeigen, wird immer breiter, öffnet ſich nach und nach und erſcheint gleichſam als Handgriffe zu beiten Seiten des Planeten, welche nach 1 ½ Jahren am weiteſten offen und etwa ſo breit ſind, daß ſie die Saturnkugel einfaſſen. Von da werden ſie wieder enger, und 14 bis 15 Jahre nach der erſten Er ſcheinung iſt Saturn abermals ohne Ring zu ſehen. Er wird nach und nach enger, ſchließt ſich, und gegen das Ende des dreißigjährigen Umlaufs des Saturn iſt er wieder nur als eine gerade Linie ſichtbar oder verſchwindet völlig, mit gewöhnlichen Fernröhren betrachtet.
*) Um den Neptun will man einen ähnlichen Ring bemerkt haben; allein das Phänomen iſt noch nicht beſtätigt.
Ich erlaube mir, Ihnen, geehrte Leſer, die zwölffache
Veränderung dieſes Ringes, und zwar nach den zwölf
Sternbildern des Thierkreiſes, in welchen er ſeinen faſt dreißigjährigen Umlauf in den folgenden Jahren voll⸗ endet, hier durch nachſtehende Figuren zur Anſchauung zu bringen.
Sie werden die ſonderbaren Geſtalten, die ich oben erwähnte, leicht herausfinden, wenn Sie die Zwiſchen⸗ jahre, während der Ring in 2—3 Jahren von einer Figur zur andern übergeht, berückſichtigen; ſo z. B. von 1860— 1863 wird derſelbe erſt wie eine Melone mit durchſtochener Stricknadel ausſehen und eine gerade Linie unten und oben bilden, dann wird auch dieſe Linie ver⸗ ſchwinden, hierauf die reine, ringelloſe Kugel ſich zeigen, und zuletzt die gerade Linie wieder geſehen werden, u. ſ. f. — Das Verſchwinden des Ringes ereignet ſich, wenn Saturn im Sternbilde des Löwen und Waſſermanns ſteht; dagegen gewahren wir den Ring in ſeiner Breite, wenn ſich der Planet im Stier und Skorpion be⸗ findet.—
Sie können ſich denken, geehrte Leſer, welche ſonder⸗ bare Meinungen man vom Saturn hatte, nachdem man ihn zuerſt mit einem Fernrohre betrachten konnte.
Als Galileo Galilei, dieſer große, durch ſeine Entdeckungen in der Phyſik unſterbliche Gelehrte, im J. 1612 ſein ſelbſtgefertigtes, damals noch unvoll⸗ kommenes Fernrohr zum erſtenmale auf den Saturn richtete, erſtaunte er über die wunderbare, noch nie ge⸗ ſehene Geſtalt, die aus drei Körpern zuſammengeſetzt ſchien;
er hielt dieſe Erſcheinung für zwei an entgegengeſetzten
Seiten feſtſtehende Monde des Saturn. Indeſſen, da dieſe Monde nach und nach wieder verſchwanden, und Saturn rund erſchien, verfolgte er dieſe Beobachtung nicht weiter. Mit einem beſſern Fernrohre verſehen, gewahrte um das Jahr 1640 herum der Bürgermeiſter Hevel zu Danzig, ein zu ſeiner Zeit ſehr berühmter Aſtronom, jene von Galilei(ſcheinbar) wahrgenommenen Monde nicht, ſondern an deren Stelle zwei Henkel, die ſich bald er⸗ weiterten, bald zuſammenzogen, bald verſchwanden. Er und Andere konnten ſich dieſes als einzig daſtehende Phä⸗ nomen ſchlechterdings nicht erklären, obgleich man aller⸗ lei Erklärungen zu machen verſuchte.
Endlich erklärte um's Jahr 1660 der holländiſche Mathematikus und Aſtronom Huyghens(ſpr. Häugens), der berühmte Erfinder der Pendeluhren, alle veränder⸗ lichen Erſcheinungen des Saturn daraus, daß ein ziem⸗ lich breiter, aber äußerſt dünner Ring in einem gewiſſen Abſtande concentriſch um dieſen Planeten kugelfrei ſchwebe, alſo überall von ſeiner Oberfläche gleich weit entfernt ſei und eine beſtändige parallele Richtung nach einer und der⸗ ſelben Gegend des Himmels behalte, auch wie Saturn ſelbſt nur auf der einen Seite von der Sonne beleuchtet werde.
Dieſer Holländer hatte mit ſeiner Erklärung, wie man zu ſagen pflegt, den Nagel auf den Kopf getroffen. Die Richtigkeit dieſer Erklärung haben alle Beobachtungen der neuern Aſtronomen beſtätigt. Später, nachdem die aſtronomiſchen Seh- und Meßinſtrumente durch aus⸗ gezeichnete Künſtler weſentlich verbeſſert wurden, fand man ſogar, daß der fragliche Ring ein doppelter ſei, d. h. aus drei Zonen oder Gürteln beſtehe, von denen der äußere eben ſo frei und in unverrückbarer Stellung um den etwas breitern innern ſchwebt, als der innere um die Planetenkugel. Dieſes Ringgewölbe liegt in der Ebene des Saturnäquators; man kann ſich dieſe Ebene veran⸗


