der—, die an der Ringmauer ſtanden:„Edmund kommt! Edmund kommt!“
Mit finſterm Antlitz erhob ſich der Fabrikherr, als ob er ſich entfernen wollte, während ſeine Tochter, wie von einem elektriſchen Schlage durchzuckt, ihr Köpfchen tief zur Erde ſenkte. Glaubrecht aber lächelte ſtill in ſich
hinein und begrüßte den nahenden Sohn mit herzlicher
Freude. Als die erſten Fragen und Antworten gewechſelt waren, reichte Edmund faſt beſchämt dem Vater, welcher
dieſen Augenblick erwartet hatte, ein fürſtliches Schreiben,
das ſeinen Sohn zum Bauinſpector ernannte und alsbald
die Kunde hinzufügte, daß er von den Bürgern der Stadt wegen ſeiner gemeinnützigen Beſtrebungen zum Landtags⸗ Abgeordneten gewählt worden ſei.
Nun klärten ſich die Mißverſtändniſſe auf, und die freudigſten Glückwünſche flogen herüber und hinüber.
Da trat auch Horn an die Brüſtung des Parkes— denn er hatte vernommen, was allda verhandelt worden— und rief fröhlich hinauf:„Nun, lieber Herr Inſpector! können Sie und Fräulein Ida Ihr Hochzeitsfeſt alsbald mit meiner Lore feiern!“—
Und nun die Nutzanwendung der kleinen Ge⸗ ſchichte?— Lieber Leſer, Du haſt ſie in der Hand.
Wartburg und Werrabahn.
(Mit zwei Anſichten.)
Kein romantiſcheres Bild von den großen Gegenſätzen
der Vergangenheit und Gegenwart, als— Wartburg
und Werrabahn! Das Thüringerland iſt aus dem Füllhorn der Natur ſo reich geſchmückt, daß jährlich viele Tauſende kommen, ſich in ſeinen Thälern und auf ſeinen Bergen zu erheitern und zu erquicken. Wer aber den coloſſalen Bau der neuen Eiſenbahn am Fuße der altehr⸗ würdigen Landgrafenburg noch nicht geſehen, wer's nicht geſehen, wie die Rieſeninduſtrie der Neuzeit mitten
im Winter die gewaltigen Berge überbrückt und durch⸗
wühlt, und wie die ſtolze Warte von ihrem Felſenhaupte auf das geſchäftige Treiben der zahlloſen Arbeiter ſchier verwundert niederſchaut: dem wollen wir das eben ſo ori⸗ ginelle, als großartige Bild— wenn auch nur mit todten Zügen— vor die ſtaunenden Blicke halten.
Je mehr das deutſche Volk ſeiner Nationalität ſich bewußt wird, um ſo höheren Werth legt es auf die großen Entwickelungsmomente der Vergangenheit und deren noch übrige Denkmale. Daher der ehrenwerthe Trieb, die alten Kunſtbauwerke des Vaterlandes zu erhalten und die vom Zahn der Zeit zernagten oder von Menſchenhänden verſtümmelten wieder herzuſtellen.
Aus dieſem Triebe iſt die Reſtauration der Wart⸗ burg hervorgegangen, die von ihrem hohen Felſenthrone auf die Stadt Eiſenach herabgrüßt, gleichwie ein ernſter und doch jugendlicher Greis den heiteren Enkeln zunickt, die zu ſeinen Füßen ſpielen.
Wo ſtände aber auch eine Burg, anziehender gelegen, Reſtauration der Burg Berückſichtigung verdiente, war und geſchichtlicher Bedeutung, als die allberühmte Wart⸗
edler erbauet, ihr gleich an religiöſer, poetiſcher Weihe
burg?— Auf ihr, der Hofburg jener mächtigen und hochſinnigen Land⸗ und Markgrafen Thüringens, hat
Jahrhunderte hindurch deutſcher Glaube, deutſches Hel⸗
denthum, deutſche Poeſie und Kunſt geblühet, bis die Für⸗ ſten ſich inmitten der Städte niederließen und die Ver⸗ waltung der Veſte ihren Beamten übergaben ſo daß ein Haus nach dem andern im Sturme der Zeiten verfiel und die verheerenden Kriege der letzten Jahrhunderte kaum noch Zeit und Mittel ließen, die Erhaltung des alt⸗ ehrwürdigen Baues zu ſichern. Noch ſtanden zwar die 800 jährigen Umfaſſungsmauern, noch ragten, wenn auch größtentheils verbauet und verſchüttet, Ehrfurcht gebietend, das Hohe⸗, das Luther⸗ und Ritterhaus mit
dem einzigen noch übrig gebliebenen Wachthurme als Denkmale großer Zeiten in die weiten Gauen des ſchönen Thüringens; aber gleichwie der mächtige Hauptthurm, nebſt den vielen anderen Thürmen und Gebäuden, wür⸗ den auch dieſe letzten Ueberreſte bald erlegen ſein, wenn nicht ein edler Nachfolger des alten Landgrafengeſchlechts, der Großherzog von Sachſen, Carl Alexander Johann, friſchmuthig die Zügel ergriffen hätte, um die ſtattliche Burg in ihrer Urgeſtalt wieder erſtehen zu laſſen.
Die Aufgabe war groß und verlangte nicht blos ein romantiſches Phantaſiegebilde, ſondern ein lebendiges Vergegenwärtigen der Geſchichte des edeln, mächtigen thüringer Fürſtenhauſes und des Wartburgbaues ſelbſt. Zwei große Momente und Hauptperioden ergaben ſich dabei für die Reſtauration.
Mit der Gründung der Burg(1067) beginnend, führt die erſte im Bau hervorzuhebende Epoche bis zu jener Zeit, in welcher die Wartburg als bevorzugter Wohnſitz der Landgrafen erwählt wurde, und erſtreckt ſich bis in's 13. Jahrhundert, wo Poeſie und Kunſt hier die herrlich⸗ ſten Blüthen trieben, Ritterthum und chriſtliche Tugend gepflegt wurde, und Eliſabeth in ihrem Märtyrerthum die Glorie der Heiligkeit ſich errang. Dieſe Periode be⸗ zeichnet im Wartburgbau der ſogenannte Rundbogenſtyl mit ſeinen einfachen großen Maſſen, zierlichen Säulen und phantaſtiſch, faſt immer ſymboliſch bedeutſamen Or⸗ namenten.
Die zweite Hauptperiode, welche nicht minder bei der
die, in welcher Luther, der große Reformator, hier weilte und das Bibellicht in ſeiner kleinen Zelle anzündete, das weit hinaus in die Länder und Herzen leuchtete. Wir finden dieſe Periode in den letztgothiſchen Theilen der Thorburg vertreten, während die erſtere Periode mehr in der eigentlichen Hofburg hervortritt.
Anfangs beabſichtigte man die Reſtauration auf dieſe beiden Burgtheile zu beſchränken; allein mit dem ſteigen⸗ den Intereſſe für dieſelbe trat nach und nach auch der Wunſch hervor, die alte Veſte in ihrer ganzen Schönheit und Größe wieder herzuſtellen. Auch wollte man aus ihr nicht ein todtes Denkmal des Mittelalters ſchaffen, — nein, was die Baukunſt mit ihrer Symbolik nicht ge⸗ nügend aus dem Leben der Vergangenheit zu vergegen⸗
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