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5 nomadiſirenden Familien werden von dem männlichen
Oberhaupte derſelben geführt, öfters jedoch auch von
dem weiblichen, wenn dieſes„das längere Meſſer“ führt. Die Zelte oder Wagen bleiben ſelten lange auf einer Stelle, denn in vier bis fünf Tagen iſt eine Gegend ausgebeutet. Von den Ortsvorſtehern oder von den Bauern, deren Hühner und Gänſe ſie ſich unbezahlt ſchmecken laſſen, gedrängt, muß die Horde nicht weiter. Unter unverſtändlichen Flüchen rollt man den„Tſchader“ Pelzen und Decken beſitzt, über den nackten Rücken ren„Gurre“(dem Rößlein) auf.„Ein Sommer iſt mehr werth als zehn Winter,“ ſagt der Zigeuner, ein Sprüchwort, das im Munde eines Zigeuners ſeine Richtigkeit hat. Die Erde iſt unſer Aller Mutter, vornehmlich aber die des Zigeuners; ſie iſt gegen den erbarmungsloſen Winter ſeine einzige Zu⸗ flucht. Er gräbt ſich Höhlen, gemeiniglich am Fuße der Hügel, und umgibt ſie mit Wällen, zum Schutze gegen die herrſchenden Winde, wobei er von einem merkwürdig ſichern Inſtinkte geleitet wird. Die Zi⸗ geuner beginnen dieſe eigenthümlichen Bauwerke mit dem Ausſchlagen einer 4 bis 5 Fuß tiefen und 1 ½ Klafter langen Grube. Zwei eingerammte Pfähle tragen eine wagrechte, etwa 2 Klafter lange Stange, an welche die unten auf der Erde ruhenden Dach⸗ ruthen gelehnt werden, die man mit einer dicken, mit Stroh vermengten Lehmſchichte bedeckt. An dem Giebel der Oſtſeite iſt ein kleines Glasfenſter, ihm gegenüber die Thür angebracht. Rechts von dieſer befindet ſich der Herd, links die Truhe mit dem Hausgeräthe, und unter dem Fenſterchen das gemein⸗ ſchaftliche, ſtets belagerte Bettgeſtelle mit Strohſäcken und Federkiſſen. Im Sommer bezieht man luftigere Schlafquartiere zwiſchen den Wällen, welche die Woh⸗ nung umgeben, wo man das Strohlager brüderlich mit den ſorgfältig gepflegten Schweinen theilt.
Die Zigeuner ſind flügg' und quick, geſchickt und gewandt zu allen Arbeiten, in der Regel aber zu allem zu faul, nur nicht zum Tanze. Sie ſind ge— borene Tänzer und Muſikanten. Die Maultrommel ſpielt niemand beſſer als ſie, Flöte, Violine, Haut⸗ bois und Horn ſpielen viele als Virtuoſen, und ſtets nur nach dem Gehör. Wenn der berühmte Zigeu⸗ ner Bihary auf der Violine phantaſirte, kamen die renommirteſten Tonkünſtler, ſeinen Melodien zu lau⸗ ſchen, und bald wurde das, was Bihary frei im Zelte vorgetragen, in den eleganten Salons der Nobleſſe nach Noten geſpielt. Ueberall eignen ſich die Zigeuner die nationalen Weiſen der Völker an, den ungariſchen Cſchardaſch ſpielen ſie ebenſo unüber⸗ troffen, als man in Sachſen das Taktvolle und Präg⸗ nante ihres Ländlers bewundert. Am Tanze ſelbſt betheiligt er ſich nie. Er trinkt und feilſcht mit dem Magyaren und Romänen, aber er tanzt nur mit Seinesgleichen, obwohl man die alten traditionellen Zigeunertänze nur bei Nomaden noch findet. Am dekannteſten ſind la gitana, den man auf jeder Bühne ſieht, und die Stroh- und Eiertänze. Reich an wechſelnden Figuren iſt beſonders der erſtere. Bald ſpringen die Tanzenden aus einem der weiten Stroh⸗ kränze in den andern, bald werden dieſelben in die Höhe, bald zur Erde geworfen, bald mit dem Munde,
ſelten bei der ſchlechteſten Witterung (das Zelt) ein, wirft, was,man an
der Kinder, und ladet ſämmtliches Gepäck der dür⸗
bald mit den Händen aufgefangen, bald ſind Alle von den Kränzen umſchlungen, und bald iſt keiner der letztern mehr ſichtbar. Bedeutend iſt ein anderer Tanz, mit dem der Zigeuner die aufgehenden Sterne begrüßt. Die Tänzer ſtehen ſich in zwei Reihen mit erhobenen Armen gegenüber, Bewegung und Rhythmus mit dem Schnalzen der Finger begleitend. Das Drehen und Walzen, ſich Nähern und Fliehen, Ergreifen und Verſchlingen erklärt ſich durch den leidenſchaftlichen Ausdruck der beweglichen Geſichter.
Wie ſchwer es hält, den Zigeuner an die Ord⸗ nung und Sitte des bürgerlichen Lebens zu gewöh⸗ nen, beweiſen unzählige Beiſpiele. Daß nicht nur an den Alten in der Regel die Mühe verloren iſt, ſondern auch Zigeunerkinder, welche die ſorgfältigſte Erziehung genoſſen, wieder rückfällig und mit Haut und Haar wieder Zigeuner werden, zeigt folgende Begebenheit.
Arthur v. P., ein junger, bei Arad anſäßiger Gutsbeſitzer, ritt eines Abends von ſeiner entlegenen Pußta(Vorwerk) einem im waſſerreichen Begathale gelegenen Dorfe zu. Eine drückende Schwüle war über die baumloſe Ebene verbreitet, und weſtwärts kündigte ein dumpfes Rollen ein über die Theiß hereinziehendes Gewitter an. Spute dich, Fekete (Schwarzer), daß wir wenigſtens, eh' es losgeht, noch eine Cſarda(ſprich Tſcharda, Haideſchenke) er— reichen! So rief er ſeinem Rappen zu, der ihn mit gewohnter Ausdauer über die hügelige Fläche dahin trug. Das auf dem langen Ritte durſtig gewordene und jetzt wohl die Tränke witternde Magyarenroß verdoppelte ſeine Schritte. Schon glaubte er in der Ferne einen jener Maulbeer⸗ oder Akazienbäume zu erblicken, welche gewöhnlich die einſamen, weißbe⸗ tünchten Cſarda's und den dabei nie fehlenden Brun⸗ nen beſchatten, als die orkanartigen Staubwirbel des ſich mit tropiſchem Ungeſtüm daherwälzenden Ge⸗ witters immer heftiger wurden, und Roß und Rei⸗ ter ihre Kräfte vergeblich gegen die tobenden Ele⸗ mente verſchwendeten. So weit man jetzt ſehen konnte, keine andere Zuflucht, als die Hütte eines Cziganysks(Zigeuners). In die Schenke wäre er heute wohl ohne Umſtände eingetreten, obgleich ſie jetzt mit Bauern und händelſüchtigen Cſikoſen(Roß⸗ hirten) angefüllt ſein mochte, aber in eine Zigeuner⸗ hütte! Das ausbrechende Gewitter geſtattete jedoch nicht, dem ſich ſträubenden Stolze Gehör zu geben. Er band ſein Pferd unter eine ſchuppenartige Be⸗ dachung an der Zigeunerwohnung, ließ ſeinen Horto⸗ bagy(eine Art Schäferhund) als Wächter dabei, und der Ujmagyar, wie ſich die anſäßigen Zigeuner nennen, öffnete ihm mit jener unterwürfigen Freundlichkeit, die nicht ohne eine gewiſſe Argliſt, und für dieſen Stamm ſo bezeichnend iſt, die kleine Pforte. Das Innere war um ein Ziemliches beſſer, als der Ein⸗ tretende gefürchtet hatte, und keineswegs überfüllt, da, wie er nachher erfuhr, mehrere als Muſikanten umherziehende Mitglieder der ſonſt zahlreichen Fa⸗ milie, jetzt abweſend waren. So widerwärtig ihm die Zuvorkommenheit einer Alten, und einige noch im Gewande der Unſchuld, d. h. gewandlos gehende Jugend war, ſo ſehr überraſchte ihn die Schönheit, und das für eine Zigeunerin faſt prächtige Coſtüm eines Mädchens, das der tannenſchlanken Figur treff⸗
lich zu Geſichte ſtand. Der grellfarbige Rock und
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