Jahrgang 
1860
Seite
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einer höhern Gerichtsbehörde unterſtellt. So war denn durch das über den Pfarrer Söfren Quiſt von Weilby geſprochene Todesurtheil nicht blos ein Men ſchenleben, ſondern außerdem das Lebensglück von drei andern Seelen vernichtet.

Noch nie iſt ein beſſer vorbereiteter, reuevollerer und gläubigerer Chriſt den Weg zum Tode gegangen. Mit inniger Buße erkannte unſer Verurtheilter, daß er in fleiſchlicher Sicherheit gewandelt und ein großes Weltkind geweſen war, weshalb auch Gott ihn der Sünde und Gemüthsverhärtung hingab, ihn tief demüthigte und höchſt elend machte, damit er wieder in Chriſto erhoben werden möchte. Er behielt ſeine Freimüthigkeit bis zum letzten Augenblicke, und hielt noch auf der Richtſtätte an das umſtehende Volk eine Anrede voll Kraft und Salbung, die er während ſeiner letzten Tage im Gefängniſſe ausgearbeitet hatte. Sie handelte von dem Zorne und deſſen ſchrecklichen Folgen, mit rührender Anwendung auf ihn ſelbſt und die gräuliche Miſſethat, wozu dieſe Leidenſchaft ihn hingeriſſen hatte. Nachdem er geendet, zog er ſich ſelbſt aus, verband ſich die Augen, knieete mit gefalteten Händen nieder, und ſowie ſein Begleiter auf dem letzten Wege, der Pfarrer von Aalſöe, ihm die Worte zugerufen hatte:ſei getroſt, lieber Bru⸗ der, noch heute wirſt du mit dem Erlöſer im Para⸗ dieſe ſein! fiel ſein Haupt von dem Schwerte des Nachrichters.

Was allein dem Armen den Tod ſchwer und bit⸗ ter gemacht hatte, das war der Gedanke an ſeine beiden Kinder, von denen das ältere, der Sohn, erſt am Abende des Tages, an welchem der Vater früh Morgens hingerichtet worden war, ſich in der Hei⸗ math einfand. Die Tochter Metta, welche mit kind⸗ licher Liebe ihren unglücklichen Vater im Kerker ge⸗ pflegt hatte und nie von ſeiner Seite wich, nahm der Freund des Vaters, Pfarrer Jens von Alſöe, in ſein Haus auf, wohin ſie am Tage vor der Hin⸗ richtung, mehr todt als lebendig, gebracht wurde.

Als der Pfarrer von Aalſöe von dem ſchwerſten Gange ſeines Lebens nach Hauſe zurückkam, fand er Metta ziemlich ruhig, und eben damit beſchäftigt, das Leichenkleid für den Hingerichteten zurecht zu machen, denn es war geſtattet worden, daß er in chriſtlicher Erde, jedoch in aller Stille, begraben werden durfte. Sie weinte nicht mehr, aber ſie ſprach auch kein Wort. Auch der Pfarrer ſchwieg, denn was hätte er ihr ſagen können? war er nicht ſelbſt von den düſterſten Gedanken gequält?

Eine Stunde ſpäter kam ein Wagen mit der Leiche des Enthaupteten im Pfarrhofe zu Aalſöe an, und kurz darauf ſprengte ein junger Mann zu Pferde heran es war der längſt erwartete Sohn. Er warf ſich über den entſeelten Körper des Vaters, und dann in die Arme der Schyeſter, aber keines von Beiden vermochte auch nur ein einziges Wort hervorzubringen.

Noch an demſelben Abende wurde ein Grab auf dem Kirchhofe von Aalſöe, dicht vor dem Haupt⸗

eingange in die Kirche, aufgeworfen; hier wurden in der ſtillen Mitternachtsſtunde die irdiſchen Ueber⸗ reſte des vormaligen Pfarrers von Weilby beigeſetzt. Ein Sandſtein mit einem darauf eingehauenen Kreuze bedeckt das Grab, jeden Beſucher der Kirche an den tiefen Fall des Unglücklichen, an das Verderbniß

der menſchlichen Natur und an die einzige Erlöſung von der Sünde durch Chriſti Kreuz mahnend.

Am folgenden Morgen waren beide verwaiste Geſchwiſter ganz und gar verſchwunden; Niemand hat ſeitdem das Geringſte von ihnen gehört, Nie⸗ mand wußte, in welchem Winkel der Erde ſie ſich vor den Augen der Menſchen verborgen hielten. Die Geſundheit des Amtsvogts Erik Söfrenſen war ſeit der Verurtheilung des unglücklichen Pfarrers zerrüt⸗ tet; oft bat er Gott um das Ende ſeines Daſeins, aber es wurde ihm nicht beſcheert: noch viele Jahre lang nagten Gram und Kummer an ſeinem Leben, ohne daß er Erlöſung von ſeinen Leiden finden konnte.

* 6*

Einundzwanzig Jahre nach der Hinrichtung des Pfarres Söfren Quiſt von Weilby geſchah es, daß im Pfarrhofe zu Aalſöe, wo der Pfarrer Jens noch immer im Amte ſtand, an einem Sommernachmittage ein Bettler erſchien. Er war ein ältlicher Mann mit ſchon in's Graue ſpielenden Haaren und ging an einer Krücke. Es traf ſich eben, daß das ſämmt⸗ liche Geſinde auf dem Felde beſchäftigt war; der Pfarrer begab ſich deshalb ſelbſt in die Küche, um ihm ein Stück Brod zu reichen.

Auf die Frage:woher er ſei? gab der Fremde mit einem Seufzer zur Antwort:Nirgends her!

Der Pfarrer fragte darauf nach ſeinem Namen. Da ſeufzte er wieder, ſah ſich ſcheu um, ob ihn ge⸗ wiß Niemand höre, und ſagte leiſe:Man hat mich ehedem Niels Bruns genannt.

Bei dieſen Worten fuhr es dem Pfarrer kalt durch die Bruſt.Das iſt ein entſetzlicher Name! ſagte er;ſo hieß auch Einer, der vor ungefähr

zwanzig Jahren in dieſer Gegend erſchlagen wurde.

Der Bettler ſeufzte noch tiefer und entgegnete: So gut iſt es mir nicht geworden, daß i damals geſtorben wäre; es iſt mir übel genug bekommen, daß ich aus dem Lande geflohen bin:.. Die Haare ſtanden dem geiſtlichen Herrn zu Berge, und er zitterte vor Entſetzen, denn nun deuchte es ihm, er ſollte den Mann deutlich wieder erkennen; außerdem war es ihm, als ſtünde der

leibhaftige Morten Bruns, den er drei Jahre vor⸗ Er zog ſich,

her zu Grabe geleitet hatte, vor ihm. in dem Wahne, ein Geſpenſt vor ſich zu ſehen, ſcheu zurück; allein der Fremde ließ ſich am Rande des Herdes nieder, und fuhr alſo fort:Herr Gott,

Vater! ich höre, daß mein Bruder Morten geſtorben

iſt. Ich bin ſchon in ſeiner ehemaligen Wohnung geweſen, der neue Beſitzer ſeines Gutes hat mich aber von der Thüre weggejagt. Lebt mein alter Brodherr, der Pfarrer von Weilby, noch*

Nun fiel es wie Schuppen von den Augen des Pfarrers von Aalſöe; er ahnete ſogleich eine unge⸗ heure Bosheit, allein der Zuſammenhang war ihm nicht klar; indeſſen fühlte er ſich ſo beklommen, daß die Sprache ihm einige Minuten lang verſagte. Der Bettler kauete indeſſen das Brod gierig hinunter.

Ja, ſagte er dann,es war einzig und allein

Morten's Schuld, aber, gerieth es wohl ſonſt

dem Pfarrer zum Nachtheil? Niels! Niels! rief nun mit Entſetzen und im

vollſten Abſcheu des Herzens der Pfarrer von Aal⸗

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