Jahrgang 
1860
Seite
5
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3. Kapitel. Nächtliche Schatten.

Es eine wunderbare, des Nachdenkens werthe Thatſaedaß jedes menſchliche Weſen ſeiner Eigen⸗ thümlick nach für andere zu einem tiefen Geheim niß wi Wenn ich Nachts in einer großen Stadt anlangſo erfüllt es mich mit hehren Gedanken, daß je von jenen dunkel aufeinander gehäuften Häuſerin eigenes Geheimniß einſchließt und jedes klopfenHerz in den hunderttauſenden von menſch⸗ lichen ſen irgend eine heimliche, ihm beſonders theurerſtellung birgt. Selbſt das Grauſen, wel⸗ ches uder Tod einflößt, hat in dieſem Umſtande ſeinen und. Ich kann nicht mehr in dem mir theueſwordenen Buche blättern und darf nicht hoffez mit der Zeit zu Ende zu leſen. Ich ſoll nicht r ſchauen in die Tiefen des unergründlichen

Vaſſſiin welchem ich, je nachdem es durch augen⸗ blicklfLichter erhellt würde, manchen weit unter der pfläche befindlichen Schatz erſchaute. Das Schitwollte es, daß das Buch geſchloſſen und für immet einer unlöslichen Klammer verſehen wurde, nachdich kaum eine Seite geleſen hatte. Es war beſtir daß das Waſſer den ſtarren Banden ewigen Eiſesfiel, als das Licht noch auf ſeiner Ober⸗ flächeelte und ich in ahnungsloſer Unwiſſenheit am lſtand. Mein Freund iſt todt, mein Nach⸗ bar dt; meine Liebe, der Schatz meiner Seele iſt ti Wir haben da die unerbittliche Fortdauer einecheimniſſes, das ſtets in jeder Perſönlichkeit war, das ich bis zum Ende meines Daſeins in die ige übertragen habe. Und gibt es wohl auf id einem Friedhof dieſer Stadt, den ich durchle, einen Schläfer, der unerforſchlicher wäre es mir der innern Perſönlichkeit nach ihre rühr Bewohner find, oder ich es ihnen bin?

dieſes natürliche, unveräußerliche Erbe be⸗

trifftbeſaß es der Bote auf ſeinem Roß eben ſo

gut, der König, der erſte Staatsminiſter, oder er ſte Kaufmann von London. Nicht anders ergit den drei im engen Raum einer holpern⸗ den! Poſtkutſche eingeſchloſſenen Paſſagieren, die wechſelſeitig ſo vollkommene Geheimniſſe wares führen ſie ſtundenweit von einander jeder in eiigenen ſechsſpännigen Equipage.

Bote ritt in leichtem Trab wieder zurück und dabei fleißig vor den Wirthshäuſern, um ſich Trunk zu holen, zeigte aber dabei eine entſch Geneigtheit, nicht viel Worte auszugeben

und Hutrand über den Augen aufgeſtülpt zu

traggreilich hatte er Augen, zu denen eine ſolchoration recht gut anſtand, denn ſie waren dunke der Oberfläche, ohne Tiefe in Form oder

Farb viel zu nah bei einander, als fürchte je⸗

des, etwas ertappt zu werden, wenn ſie nicht

treu inenhielten. Sie hatten einen finſtern

Ausdund der alte Hut ſaß über ihnen wie ein

dreie Spucknapf, während unter ihnen die Flügel

der d Kinn und Hals umhüllenden Halsbinde faſt 1 den Knieen niederfielen. Wenn er zu einennk Halt machte, drückte er, ſo lange er mit ten ſich den Branntwein in die Kehle

8,Imteinken ſeine Hülle nieder, zog ſte aber,

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ſobald er ſich angefeuchtet hatte, augenblicklich wieder in die Höhe.

Nein, Jerry, nein, machte der Bote auf ſeinem Ritt in dem alten Thema fort,das wäre nichts für dich, Jerry. Du biſt ein ehrlicher Gewerbsmann, Jerry, und dies paßt nicht in deinen Kram. Zurück⸗ gerufen! Ei der Kukuk, man ſollte meinen, er ſei ein Trinker geweſen.

Der Auftrag verwirrte ihm den Sinn dermaßen, daß er mehrmal den Hut abnehmen mußte, um ſich den Kopf zu kratzen. Sein Scheitel war elend kahl; ſonſt aber hatte er ein ſteifes ſchwarzes Haar, das überall hinausborſtete und faſt bis zu ſeiner ſtumpfen Naſe bergab wuchs. Der Kopf ſchien aus einer Schloſſerwerkſtatt zu kommen, denn er ſah weit eher einer oben mit Spitzeiſen geſchirmten Mauer, als einem natürlichen Schopf ähnlich, ſo daß der beſte Laubfroſchſpringer es abgelehnt haben würde, über dieſen allergefährlichſten Menſchen von der Welt einen Satz zu machen.

Während er mit dem Auftrag, den er durch den Wächter im Portierſtübchen neben der Hausthüre von Tellſons Bank bei Temple Bar an die vorneh⸗ meren Perſonen drinnen ausrichten zu laſſen hatte, ſeines Weges trabte, nahmen die Schatten der Nacht für ihn lauter Geſtalten an, die aus ſeiner Botſchaft hervorzuquellen ſchienen, während ſie für ſein Roß Umriſſe gewannen, die aus deſſen Privatbeſorgniſſen entſprangen. Letztere mußten wohl ſehr zahlreich ſein, denn das Thier ſcheute vor jedem Schatten am Wege.

Wie lange holterte und polterte, raſſelte und ſchütterte der Poſtwagen mit ſeinen drei unerforſch⸗ lichen Perſonen im Innern auf dem langweiligen Weg dahin! Und wem enthüllten ſich die Schatten der Nacht in den Formen, welche die ſchimmernden Augen und die unſteten Gedanken an die Hand gaben?

Tellſons Bank kam dabei in dem Poſtwagen

t zu kurz. Während der Bankpaſſagier, den

Arm durch die Riemenſchlinge gezogen, welche das ihrige that, um ihn vor einer Carambole mit dem Nachbar oder einem Wurf in die Ecke zu be⸗ wahren, wenn die Kutſche einen beſonders ſchweren Stoß erlitt, mit halbgeſchloſſenen Augen auf ſeinem Sitze nickte, wurden für ihn die kleinen Kutſchen⸗ fenſter, die durch dieſelben trüb hereinblinkenden Kutſchenlichter und der mächtige Reiſeſack des gegen⸗ überſitzenden Paſſagiers zu einer Bank mit eifrigem Geſchäftsbetrieb. Das Raſſeln des Pferdegeſchirrs war das Geklinge des Geldes, und in fünf Minuten wurden mehr Wechſel honorirt, als Tellſon trotz ſeiner ausgedehnten in⸗ und ausländiſchen Geſchäfts⸗ verbindungen in dreimal ſo viel Zeit auszuzahlen ge⸗ wöhnt war. Dann thaten ſich Tellſons unterirdiſche feſte Räume mit ihren werthvollen Schätzen und Geheimniſſen, wie ſie dem Paſſagier bekannt waren und er wußte nicht wenig davon vor ihm auf, und er ging, die großen Schlüſſel und das matt brennende Licht in der Hand, darunter um der und fand alles ſo ſicher und wohlverwahrt, ſo ſtill und

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