2 Feuilleton. 159
wodurch drei Kinder ihren Tod fanden, während mehre andere ſchwer verletzt wurden.
In der Gefangenenanſtalt zu Halberſtadt ereignete ſich vor Kurzem ein eigenthünlicher Unfall. Ein Straf⸗ efangener, welcher vorzugsweiſe in der Küche der Anſtalt eſchäftigt wurde, hatte den Auftrag erhalten, für einen Schuldgefangenen, welcher ſich aus eigenen Mitteln be⸗
köſtigte, das Mittagseſſen auf deſſen Zelle zu tragen. Auf dem Wege dorthin mochte die beſſere Koſt den Appetit des Strafgefangenen ganz beſonders reizen, er nimmt aus dem ihm anvertrauten Napf ein heißes Stück Fleiſch und ſteckt es in den Mund. Die geringe Zeit, welche er, ohne Aufſehen zu erregen, zur Erledigung ſeines Auftrags hatte, zwang ihn vielleſcht, das Fleiſch, ohne es gehörig mit den Zähnen zu zermalmen, niederzuſchlucken. Dies veranlaßte ſeinen Tod: furz nach ſeinem Weggange kam er wieder auf den Hoſf geſtürzt, nach Waſſer ſchreiend, und da ihm dies nicht ſofort gereicht wird, ſo läuft er ſelbſt zum Brunnen, ſtürzt jedoch, daſelbſt kaum ange⸗ kommen, todt zu Boden.
b Ein ſchreckliches Unglück iſt vor Kurzem in Ilſen⸗ burg paſſirt. Eine Familie aus Berlin, beſtehend aus
Mann, Frau und einem Kinde, kehrte von dem Beſuche
des Brockens, auf Eſeln reſtend, zurück. Das Elternpaar
freute ſich unterwegs über das ſtattliche Ausſehen ihres reitenden Lieblings und vermochte dem Wunſche desſelben, daß es allein und ungeführt die Reiſe beende, nicht zu widerſprechen. Kaum iſt das Thier von dem Führer los⸗ gelaſſen, ſo fängt dasſelbe an zu bocken, ſchüttelt den kleinen Knaben ab, der unglücklicher Weiſe mit dem einen
Fuße im Steigbügel hängen bleibt, und ſetzt ſich nun⸗ mehr den Berg hinab in vollen Lauf. Trotz der größten Eile und Anſtrengung gelang es dem Führer nicht, das Thier einzuholen, und erſt im Thale wurde man ſeiner habhaft. Das Kind war bereits zur unkenntlichen Leiche geworden.
Ein bei einer achtbaren Familie in Mariahilf (einer Vorſtadt von Wien) in Dienſt ſtehendes Kinder⸗ mädchen hatte ſich mit dem ihm anvertrauten Säugling ’ auf das Burgglacis begeben und dort das Kind aif das Gras niedergelegt, um in einiger Entfernung a nit einem Liebhaber zu plaudern, M 4
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Ubrin⸗ beten, igen!
In Magdeburg hat ein bei einem Carrouſſel⸗ beſitzer dienender Arbeiter aus Rache gegen ſeinen Brod⸗ herrn der 13 bis 14jährigen Tochter desſelben mit einem Taſchenmeſſer die Luftröhre bis auf die Knochen durch⸗ ſchnitten. Der Thäter ſtellte ſich ſelbſt den Gerichten.
Kürzlich meldete ſich auf dem Berliner Vormund⸗ ſchaftsgericht ein ſchon ziemlich bejahrtes Mädchen mit dem Antrage, eine Klage auf Alimentation ihres vor Kurzem geborenen unehelichen Kindes gegen den Vater desſelben aufzunehmen. Die Bittſtellerin gab dabei an, daß ſie ſchon früher in gleicher Lage geweſen. Unter dieſen Umſtänden wurden die vorhandenen Vormundſchafts⸗ akten nachgeſehen und dabei zur großen Verwunderung der betreffenden Beamten feſtgeſtellt, daß das Mädchen ſich freilich ſchon öfter in gleicher Lage befunden und zwar bereits einundzwanzig Mal!
Wir meldeten bereits letzthin kurz, daß die Gemalin des amerikaniſchen Dichters Longfellow bei leben⸗ digem Leibe verbrannt iſt. Das Unglück trug ſich auf folgende Art zu. Während die Aermſte einen Brief ſiegelte, fiel etwas brennender Lack auf ihren leichten Anzug, der im Nu in Brand gerieth. Longfellow ſtürzte herbei, um den Brand zu löſchen; aber ſie riß ſich los und lief, beſinnungslos vor Schrecken, die Treppe hinab, und unten fiel ſie hin— buchſtäblich verbrannt.
Vor dem Civilgerichte in Paris ſchwebt ein in⸗ tereſſanter Proceß. Der Kläger iſt der ſchwediſche Gene⸗ ralkonſul Hr. Jules Leroux, die Geklagte iſt Niemand anderer als— die Kaiſerin Eugenie. Der Gegenſtand des Proceſſes iſt folgender. Im Jahre 1855 wollte die Kaiſerin für ihre Verwandten fürſtliche Wohnung in Paris aufführen und kaufte zu dem Ende das in den ely⸗ ſäiſchen Feldern gelegene prachtvolle Haus des Hrn. Lau⸗ riſton für 14 Millionen Franes und gab demſelben den Namen Hötel Alba. Einmal im Beſitz des Hauſes wollte man auch den daran ſtoßenden Garten in einen förmli⸗ chen Park verwandeln und trat in Unterhandlung wegen Erwerbung der angrenzenden zwei großen Gärten, wovon einer Hrn. Emil Girardin, der andere dem ſchwediſchen Generalkonſul Hrn. J. Leroux gehörte. Der frühere Be⸗ ſitzer Hr. Lauriſton hatte vergeblich große Summen für
dieſe beiden Gärten geboten; allein, was man ihm nicht
berlaſſen hatte, mochte man Ihrer Maj. der Kaiſerin
1 ſcht abſchlagen. Emil Girardin verkaufte ſein ganzes
rundſtück mit Ausnahme eines kleinen Vierecks um ſeine ulla. Was Hrn. Leroux betrifft, ſo willigte er in den Berkauf ſeines Gartens, welcher den Hauptreiz ſeiner Wohnung bildete, nur unter der Bedingung, daß er die Ausſicht auf denſelben behalte, mittelſt einer Terraſſe, die durch ein Glashaus mit ſeinem Speiſeſaal verbunden, ihm die Gelegenheit bot, wenigſtens mit den Blicken ſich noch ferner in dem zu ſeinen Füßen liegenden theueren Garten ergehen zu können. Dieſe Bedingung erſchien hart; dieſes Recht der Ausſicht war genant; allein man fügte ſich endlich, indem man die Gegenbedingung ſtellte, daß jenes Ausſichtsrecht nur ein lebenslängliches ſein und mit Hrn. Leroux, ſei daß er ſtürbe, oder daß er ſein Hötel verkaufen würde, aufhören ſollte.— Nachdem die Dinge nmal ſo geregelt waren, verbrachte Hr. Leroux manche ctunde des Tages auf der Terraſſe und ergötzte ſich an em Anblicke der prächtigen hundertjährigen Bäume. Da tarb die Herzogin von Alba. Man weiß, wie ſehr ſich bie Kaiſerin den Tod dieſer ihrer Schweſter zu Herzen nahm. Sie wollte nichts mehr von dem Hötel wiſſen, ſie wollte es nicht einmal mehr ſehen, und da die Großen dieſer Welt das Vorrecht haben, ihrem Schmerze Alles zu opfern, ſo wurde denn auch beſchloſſen, das Hötel Alba⸗ niederzureißen. Mit dem Höôtel fielen auch Hunderte von den großen Bäumen; der Raum wurde der Spekulation zu Bauſtellen überlaſſen und eine Straße mitten durch den ehemaligen Garten gebrochen. Hr. Leroux proteſtirte laut gegen dieſe Verwüſtung, aber umſonſt; ſeine Ver⸗ zweiflung ſtieg auf's Aeußerſte, als er vernahm, daß einige Schritte von ſeiner Terraſſe die Mauer eines ſechs Stock
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