Jahrgang 
2 (1864)
Einzelbild herunterladen

Von C. W. Stuhlmann. 17

ſondern daſſelbe mit Minka und Thinka theilte. Letztere, welche ſelbſt ihr Todfeind nicht zu mager hätte ſchelten dürfen, lag wie ein Alp auf mir, und ſtöhnte entſetzlich, während Minka ſich am Fußende des Bettes krümmte. Die armen Jungfrauen waren nämlich auch von der Seekrank⸗ heit gepackt. Wie weiland der keuſche Joſeph vom Lager der gottloſen Potiphara entwich, ſo entſchnellte nunmehr ich mich dem Bette. Gerade als ich die Kombüſenthür aufriß, hörte ich den Schiffsknecht ſchreien: Hahl(hol') mi de Deubel! Dar geiht de Schipper öber(über) Boord! Ein Blick auf die Elbe zeigte mir, daß der Knecht Recht hatte. Etwa eine halbe Ruthe hinter uns lag Jan Steinkroß gurgelnd und mit Händen und Füßen angſtvoll zappelnd und arbeitend in unſerem Fahrwaſſer.

Ich weiß nicht, was mir die Beſinnung gab, ein neben mir liegen⸗ des dünnes, aufgerolltes Tau dem Verunglückten zuzuwerfen. Glücklicher Weiſe fiel dieſes ſo dicht neben demſelben nieder, daß er es zu ergreifen vermochte. Aber in demſelben Augenblicke wie dies gelang, wäre ich faſt ſelber über Bord geflogen. Das Schiff, das niemand jetzt ſteuerte, trieb nämlich in den Wind, und die Folge war, daß alle Segel plötzlich über⸗ ſchlugen; auf ein Haar wären wir gekentert.

Tante Ebſt hatte ſo viel Beſinnung, ſofort das Fock⸗ und das Spriet⸗ ſegel fliegen zu laſſen, und ich war gleichſam inſtinktmäßig an's Ruder geſprungen, um zu verhindern, daß uns dasſelbe Malheur nicht noch ein⸗ mal traf. Iſrael hatte auch bemerkt, daß etwas ſehr Ungehöriges auf Deck paſſirt ſein müſſe, kam deßhalb jetzt ſchaarenweiſe aus Raum und Kajüte herauf und vollführte oben ein heilloſes Schreien, Jammern und Gekrächze.Schipper, halten Se an, halten Se gleich an! Ich will nich weiter mit Se fahren, ich ſteig aus! rief Madame Roſenbaum. Gott gerechter, ich hab' nich genommen einen Schilling Aſſurance auf all die Waar'! ſchrie Herr Elkan. Herr Steinkroß lag während der Zeit noch immer im Waſſer, doch klüglicher Weiſe ließ er das Tau nicht los. Endlich kamen wir ſo weit ihn auf Deck hiſſen zu können. Er war jedoch bereits vollkommen beſinnungslos, als uns dies nach manchen vergeblichen Verſuchen gelang. Nachdem er eine Zeitlang auf den Kopf geſtellt war und eine gute Portion Flüſſigkeiten von ſich gegeben hatte, brachte der Knecht ihn in's Bette, welches die beiden Jungfrauen ungern

geräumt hatten. Dann wurde der Verunglückte nach homöopathiſchen Hausblätter. 1864. II. Bd. 2