16 Herztroſt.
ſo beſchloß ich, dem Befehle nicht ſogleich zu gehorchen und blieb deßhalb ruhig auf dem eingenommenen Platze.„Nu,“ ſagte Jan Steinkroß nach einer Minute,„ward't(wird's) bald?“— Ich erwiderte nun, daß ich es unten nicht aushalten könne, und wo ich ſäße, auch niemand im Wege wäre. Wolle jedoch der Schiffer mich in die Kombüſe laſſen, ſo ſei ich bereit, dorthin zu gehen, andernfalls würde ich bleiben, wo ich ſäße. Der Schiffer ſah mich darauf etwas groß an, aber nachdem er mein Aeußeres ein wenig näher gemuſtert und einige Fragen über woher und wohin an mich gethan hatte, öffnete er die Thür der Kombüſe und ſagte dabei: „Gah man herin. Du kannſt ok en beten in de Koj' krupen(auch ein bischen in die Koje kriechen), wenn di frieren ward. Da, willſt ok ins drinken? Nimm man en orntlichen Schluck, mien Jung'. De deiht di nix, glöv mi dat; dat's good för't Fever(Der thut dir nichts, glaub' mir das; der iſt gut gegen das Fieber)!“— Ich trank das mir gebotene Glas aus und ging dann in die Kombüſe, deren Thür der Schiffer hinter mir ſchloß. Da ich nicht übermäßig warm bekleidet war, ſo fror mich, und demnach kroch ich gerne in das Bett des Schiffers hinein.
Der Wind ward immer friſcher, und unſer Ever ſchwankte immer ſtärker. Bald hörte ich draußen kommandiren:„Laat dat Swierdt dahl!“ und einige Minuten ſpäter erklang der Ruf:„Ree!“ das Kommandowort auf niederelbiſchen Fahrzeugen, wenn gewendet werden ſoll. Der Wind war nämlich jetzt völlig contrair geworden.
Das Bett gefiel mir bald ganz gut, und hätte ich nicht ein wenig Hunger geſpürt, ſo würde ich nichts dawider gehabt haben, wenn die Reiſe ſich ein wenig in die Länge gezogen hätte. Das ſtarke Schaukeln des Schiffes machte mich jedoch bald müde, und nach kurzer Zeit lag ich in einem Halbſchlummer, der aber vorläufig noch allerlei Geräuſche an mein Ohr gelangen ließ. Unter mir ſchollen alle Töne menſchlichen Jam⸗ mers: da ſtöhnte, krächzte, klagte und würgte es, der größte Theil des neuen Steinwegs war ſeekrank geworden; neben mir ſchallten dagegen Töne der Luſt. Minka und Thinka ſangen mit ihren Glockenſtimmen: „Das Schiff ſtreicht durch die Wellen, Fridolin!“ und dann grunzte und brummte Jan Steinkroß ein holländiſches Matroſenlied, und dann ſchlief ich ein.
Wie lange ich ſchlief, weiß ich nicht. Als ich erwachte, bemerkte ich zu meiner Beſtürzung, daß ich mich nicht mehr allein im Bette befand,


