Von C. W. Stuhlmann. 11
Die Salomoniſche Ehefrau erregte mir einen ſolchen Ekel, daß ich ſofort die Kajütentreppe wieder hinaufſtieg und im Raum eine Zuflucht ſuchte.
Auch hier hockten auf Kiſten und Kaſten eine Menge Männlein und Fräulein. Der ganze neue Steinweg ſchien auf der Wanderung nach X. begriffen zu ſein. Alle Welt ſprach vom Geſchäft, zwiſchen durch ver⸗ lautete aber auch ein Wort von Feiertagen. Die jüdiſchen Oſtern fielen nämlich, wie ich ſpäter erfuhr, auf die zwei nächſtfolgenden Tage.„Werden wir doch ſein heute lange zu Platz, ehe der Schabbes angeht,“ bemerkte Herr Nathan Elkan gegen Madame Sarah Cohen.—„Iſt der Wind denn wohl ginſtig?“ fragte ſie.—„Ja wohl ginſtig. Der Schipper hat's mich geſagt.“—„Was haben wir denn heit für einen Wind?“ fragte ein gelbliches Fräulein.—„Stricke Weſt,“ erwiderte Herr Elkan,„er bläste mich heite Morgen gerade auf meine Kehrſeite.“—„Nu, wenn der Wind Ihnen bläst auf Ihre Hinterfenſtern, ſo muß er ja ſein aus Sieden?“ bemerkte ein anderer Herr.—„Ei was, Herr Jeſſurum, wir haben ja einen Nordwind,“ entgegnete man von anderer Seite.—„Iſt ein ſolcher Wind denn ginſtig?“ fragte wiederum das gelbliche Fräulein.
Darüber liefen die Anſichten diametral auseinander. Eigenthümlich iſt es, daß die ungebildeteren Juden, welche doch faſt immer vom menſch⸗ lichen Thun und Treiben viel richtigere Anſichten haben, als auf gleicher Bildungsſtufe ſtehende Chriſten, dagegen von dem Schaffen und Treiben der Natur faſt ausnahmslos viel weniger wiſſen, als ihre bornirteſten chriſtlichen Nachbarn.
Ich hielt die Gelegenheit günſtig mein Wiſſenslicht einmal leuchten zu laſſen.„Der Wind ſteht Oſtſüdoſt zu Oſt,“ ſagte ich ziemlich laut, ohne jedoch bei ſolcher Aeußerung irgend jemand feſt anzuſehen. Alle Welt richtete jedoch, ſobald ich geſprochen hatte, ihre Blicke mit gläubigem Ausdrucke auf mich, und niemand verſuchte es die Wahrheit meiner Be⸗ hauptung anzuzweifeln, ausgenommen der Herr Elkan. Doch ſein eigenes Volk erhob ſich gegen ihn.„Nicht immer weiß ein Windmacher auch vom Wind, Herr Elkan,“ ſagte ſpöttiſch die Madame Roſenbaum.— „Iſt denn ein ſolcher Wind ginſtig für die Schifffahrt?“ fragte das gelb⸗ liche Fräulein, indem es mich wohlwollend mit den großen dunkeln Augen anſah, und als ich die Frage bejahte, rief die Dame mit lauter, fröh⸗ licher Stimme den entfernter ſitzenden Perſonen zu:„haben Sie's gehört?


