Von C. W. Stuhlmann. 7
Die berühmte Handelsgeſellſchaft der engliſchen Adventurers, welche fpäter, ja bis in den Anfang dieſes Jahrhunderts hinein, unter dem Namen eng⸗ liſcher Court, in Hamburg reſidirte, hatte hier noch zu den Tagen der Königin Eliſabeth ihren Sitz, und damals wurde auch eine Menge von Schiffen, von J. aus auf den Wallfiſchfang geſendet. Zu den Kriegs⸗ flotten der Hanſa,— die Stadt gehörte vom dreizehnten bis in's ſech⸗ zehnte Jahrhundert dem Bunde an,— hatte ſie oft mächtige Orlogs⸗ ſchiffe ſtoßen laſſen, deren Abſchilderungen man noch an der Decke des ge⸗ waltigen Rathhausſaales ſehen konnte, und mit Hamburg zuſammen hatte ſie einſt die Herrſchaft über die Niederelbe geübt und die damals bedeu⸗ tende Inſel Helgoland beſeſſen.
Die ganze Handelsflotte der ehemaligen Mitbeherrſcherin der Nord⸗ ſee beſtand vor dreißig Jahren aus ſieben ſogenannten Fährſchiffen. Dies waren Fahrzeuge von etwa fünfzig Tons Tragfähigkeit, und ſie waren theils als einfache Ever, theils als Beſahnever getakelt. Ever ſind Platt⸗ boden⸗Schiffe mit einem großen Maſt ohne Stengen; der Beſahnever führt außer dem großen Maſt und dem Bugſpriet noch einen kleinen Maſt mit Gaffelſegel, einen Beſahn, welcher nahe dem Hintertheil des Schiffes ſeinen Platz hat.
Von den ſieben Fährſchiffen wurde eine Reihefahrt auf Hamburg unterhalten. Von Hamburg und von X. aus fuhr täglich ein ſolches Fahrzeug ab, und es zeigte ſich die einſtmalige Bedeutſamkeit und Macht der letzteren Stadt auch noch darin, daß alle Kaufmannsgüter, welche von Hamburg aus nach dorten verfahren werden ſollten, nur in X.er Schiffe verladen werden durften. Dieſe Fährſchiffe beförderten auch Paſſagiere, und zwecksdeſſen waren ſie ein wenig reichlicher mit Kajütenraum verſehen und bequemer ausgeſtattet, als derartige Fahrzeuge es ſonſt zu ſein pflegen. Sie hatten ein volles Verdeck, dem vor dem Beſahnmaſt eine Kombüſe, welche die Kajüte des Schiffers hergab, eingelaſſen war, und außerdem befand ſich unter dem meiſtens um einen oder anderthalb Fuß erhöhten Quarterdeck eine größere Kajüte für die Paſſagiere. Im Vor⸗ dertheil des Schiffes, im Roof, lagen die Kochgelegenheit und die Schlaf⸗ ſtelle der Mannſchaft, die meiſtens nur aus einem Knecht,— in ſeltenen Fällen war demſelben noch ein halbwüchſiger Junge beigeordnet,— beſtand.
Wenn Ebbe und Flut einerſeits auch die Segelſchifffahrt auf der Niederelbe oft erſchweren und ihr hinderlich ſind, ſo ermöglichen ſie doch


